Info + Impressum

LINIE WEST ist eine Initiative der Stuttgarter Galerien Klaus Gerrit Friese, Reinhard Hauff, Parrotta Contemporary Art und des Künstlerhaus Stuttgart. Entlang der Augustenstrasse im Stuttgarter Westen verbindet LINIE WEST die vier fußläufig zu erreichenden Kunstorte zu einem Galerienrundgang, der vier Mal im Jahr von jeweils 17 – 21 Uhr stattfindet.
Im Anschluss Drinks & Music.

Lageplan

Für den Inhalt dieser Seite sind die Galerien und Institutionen der LINIE WEST verantwortlich.

Design by Studio Taube
Stuttgart, 2011

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Galerie Klaus Gerrit Friese
Rotebühlstraße 87 70178 Stuttgart


+49 711 71863360
kgf@galeriefriese.de
http://galeriefriese.de

Paula Rego | Little Miss Muffet II | 1989 | 21,4 x 22,8 cm | Radierung | Auflage 50 Exemplare

PAULA REGO. PRINTS

Eröffnung: 5.06.2014, 17.00 – 21.00 Uhr

Ausstellungsdauer: 8.07.2014

Im dritten Raum der Galerie zeigen wir Arbeiten der portugiesisch-britischen Künstlerin Paula Rego. Ermöglicht wurde dies dank der freundlichen Unterstützung der Galerien Fred Jahn, München und Marlborough Fine Art, London. Malerei, Zeichnung sowie das Medium der Radierung stehen im Mittelpunkt der künstlerischen Arbeit von Paula Rego. Im Fokus steht ihr grafisches Oeuvre, und dies vor allem vor dem Hintergrund von Regos Bedeutung als einer der wichtigsten figurativ arbeitenden Künstlerinnen der Nachkriegszeit. Kennzeichen ihres unverwechselbaren Stils sind die expressive Präsenz ihrer Figurationen, generiert aus einer assoziativen Nähe zu Vorbildern der Kunstgeschichte, wie zum Beispiel Edgar Degas und Pierre Klossowski, sowie Anregungen aus der Populär-Ästhetik der großen viktorianischen Illustrationskunst. Das Changieren ihrer Arbeiten zwischen ambivalenten Deutungsmöglichkeiten und der nahezu haptischen Präsenz ihrer Figurationen, die sich durch ihre gleichzeitige magisch-surreale Abstraktion der konkretisierenden Betrachtung zu entziehen scheinen, machen den Reiz und das Rätsel ihrer Arbeiten aus.


			
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Hartmut Neumann | Blätter aus dem Mikro/Makrokosmos | 2011 – 2014 | je 30 x 21 cm | Gouache, Federzeichnung, Bleistift und Fotografie

HARTMUT NEUMANN. TOTALRESERVATE

Eröffnung: 5.06.2014, 17.00 – 21.00 Uhr

Ausstellungsdauer: 8.07.2014

Barabara Alms schreibt über Hartmut Neumann: “Eine barocke, überbordende Farbpracht, Fülle und Vielfältigkeit kennzeichnen seine Gemälde von Anfang an über viele Jahrzehnte. Was haben wir nicht alles gesehen: rosafarbene und gelbe Himmel, in Wolkenbahnen gehüllte weiße, orangefarbene und schwarze Planeten, violette Gewitterhimmel, grün und blau leuchtende Lichterscheinungen, …. — Baum­, Wald­ und Pflanzenstücke — Bilder des Dunkels, Licht der Nacht, überwältigende Natur ist Gegenstand von kleinen und monumentalen  Bildtafeln, die vor allem aber sie feiern: die Malerei.”

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Li Yan, Ohne Titel, 2012, Öl auf Leinwand, 100 x 130 cm

 

Li Yan. Limitless

Eröffnung: 11.02.2014, 19.00 Uhr

Ausstellungsdauer: 20.03.2014

Mit den internationalen Ausstellung in Los Angeles, Zürich, Tokio, Peking, London und Berlin, hat sich der 1977 in Jellin, China, geborene und in Peking lebende Li Yan einen Namen gemacht und gehört seither zu den wichtigsten Vertretern zeitgenössischer Kunst Chinas. Dies vor allem auch deswegen, weil er nicht der bekannten, firgurativ geprägten chinesischen Malschule folgt. Li Yan lässt mit seiner Malweise realistische und abstrakte Elemente miteinander verschmelzen und erzeugt so eine geradezu paradoxe Spannung zwischen dem Fokussieren auf ein Ereignis und der Distanziertheit zu diesem.

Ausgehend von Pressefotos oder medial verbreiteten Bildern, malt Li Yan mit kurzen, flüchtigen Pinselstrichen Figuren, die in einer flirrenden Schattenhaftigkeit stets im Vordergrund aufscheinen. Mittels Farbe und geometrisch angelegten Konstruktionen, sind sie derart mit dem Bildraum verwoben, dass das Bild einer realistischen Szenerie zerstört und die Dramatik des Ereignisses intensiviert wird. So wird der augenscheinliche Realismus seiner Bilder, durch die Abstraktion gebrochen. Sie thematisieren nicht die Ereignisse selbst, sondern deren mediale Wahrnehmung, mit all deren politischer und gesellschaftlicher Tragweite.

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Ohne Titel, 2013, Ausschnitt, Mischtechnik auf Papier, 2teilig, 145 x 435 cm

Michael Wutz.Neue Bilder

Galerie Klaus Gerrit Friese   29.11.2013 bis 30.01.2014


Am 29.11.:Einführung von Christian Malycha, Leiter des Kunstvereins Reutlingen

 

Es ist die zweite Ausstellung von Michael Wutz in unserer Galerie, die wir am Freitag dieser Woche eröffnen. Wutz wurde 1979 geboren, er lebt und arbeitet in Berlin. Wir zeigen neue Zeichnungen und Radierungen. Der Künstler als Archäologe – der Archäologe als Künstler – in beiden Hinsichten bewegt sich sein Werk. Und das bezieht selbstverständlich die Kunstgeschichte mit ein, die als Reservoir für Themen und Formen in seinem Werk eine wichtige Rolle spielt. Die zum Teil großen Arbeiten – die als Detail abgebildete Arbeit ist insgesamt 145 x 424 cm groß – sind so genau gearbeitet wie kompositorisch durchkonstruiert. Die Sezierung der Landschaft zeigt uns, auf welchem von unvermuteten Funden durchzogenen Boden wir stehen. Die Bäume sind voller Erscheinungen: Schädel, Vögel, Affen und mehr werden zu einem Bild, das das Alte und das Neue als gleichberechtigtes Fundament von Kunst zeigt. Am Freitag, zu Beginn der Ausstellung, werden Arbeiten auf www.galeriefriese.de zu sehen sein.

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2004/06, C-Print, Ed. 1/3, 180 x 240 cm

Jürgen Klauke, Wackelkontakt II, 2004/06, C-Print. Ed. 1/3, 180 x 240 cm

 Galerie Klaus Gerrit Friese. Rotebühlstr. 87. 70178 Stuttgart

Jürgen Klauke

Ästhetische Paranoia

21.9. – 2.11.2013

Jürgen Klauke hat in den verschiedenen Medien, die er nutzt, Maßstäbe gesetzt. Er zählt zu den führenden Performence-Künstlern und trat in den 70er und 80er Jahren bei den bedeutenden internationalen Festivals und in vielen namhaften Museen auf. Mit seinen inszenierten Selbstbefragungen zur Identität und Sexualität hat er Fragen aufgeworfen, die erst viele Jahre später in der Diskussion um die Bedingungen von Geschlechterrollen, der sogenannten Gender-Debatte, von einem breiteren Publikum aufgegriffen wurden. Dass sich die Fotografie ab Ende der 60er Jahre zunehmend zu einem eigenständigen Medium für bildende Künstler emanzipieren konnte, ist im Wesentlichen Künstlern wie Jürgen Klauke zu verdanken.

In seinen Zeichnungen, Fotoarbeiten und Fotosequenzen verkörpert  Jürgen Klauke von seinen Anfängen in den sechziger Jahren bis heute eine konsequent menschliche Haltung und künstlerische Perspektive, indem er sich selbst zum Medium seiner Realitätsbeobachtung macht. Dialektisch in der Methode, setzt er sein eigenes Ego, seinen Körper, seine Mimik und Gestik, seine Emotionalität und seinen Intellekt als Mittel der Analyse, Darstellung und Interpretation der existentiellen und gesellschaftlichen Gegebenheiten ein. Schonungslos rührt  Klauke dabei an die Schwachstellen des individuellen und kollektiven Bewusstseins.

In seinen Performences und Fotosequenzen, dokumentiert Jürgen Klauke objektiv den Ereignischarakter und enthüllt das Ich im Spannungsfeld ethischer, moralischer und gesellschaftlicher Konflikträume. Momente der persönlichen Erfahrung verdichten sich in ritualisierten Handlungsabläufen einer inszenierten Fotografie. Er gewinnt der distanziert und neutral wahrnehmenden, beobachtenden Fotografie Bildfolgen von großer inhaltlicher und formaler Dichte ab, die starke emotionale Raktionen im Betrachter hervorrufen. Die Statik des Bildaufbaus und die äußerliche Ruhe und Distanz der Bildsprache stehen in krassem Gegensatz zur Dynamik der Gesamtaussage einer Bildfolge.

 

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Karl Bohrmann, Rote Figur mit Dampfer, 1995, Aquarell, Ölkreide auf Papier,

17 x 12 cm, Nachlass-Nr 9038

Karl Bohrmann

Galerie Klaus Gerrit FrieseKarl Bohrmann, Rote Figur mit Dampfer

9.4.-15.5.2013

Das Werk von Karl Bohrmann, 1928-1998, ist umfangreich. Mit einer geradezu unerschöpflichen Energie, bearbeitete er Themen wie Akt, Interieur, Stillleben, Landschaft, Figur, Himmelserscheinung, Leiter, Fallschirm, Gefäß, Baum, Stuhl und andere. Er zeichnete und malte diese Themen immer wieder und immer wieder aufs Neue veränderte Bohrmann das Gleiche. Er schuf damit einen wahren Kosmos an Variationen, innerhalb dessen jede einzelne Arbeit für sich steht und das Ganze Karl Bohrmanns in sich birgt.

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Dieter Krieg, 1996, Acryl auf Acrylglas, 95 x 260 cm

Dieter Krieg, 1996, Acryl auf Acrylglas, 95 x 260 cm

Dieter Krieg

Ausstellungsdauer: 7.2. – 16.3.2013

Am Donnerstag, den 7.2.2013, eröffnen wir die Ausstellung mit Bildern von Dieter Krieg. Die formalen Probleme der Malerei inhaltlich zu lesen – das war malerische Lebensaufgabe Dieter Kriegs. Dabei ist die Auseinandersetzung mit der selbstverständlich erscheinenden Form des Tafelbilds wichtig. Dass er dabei immer Maler blieb, hat vielleicht dazu beigetragen, den konzeptionellen Teil seiner Malerei zu übersehen. Aber die so oft beschriebene – und immer nur scheinbare – Wildheit, das Überwältigende der Bilder – nur weil sie groß sind – haben oft zu bloß repetitiven Beschreibungen der auffälligsten Bildinhalte geführt; selten wurde die formale Bändigung und Konsequenz seiner Arbeit dargestellt. 

Hinweis: In unserer Reihe ‘Über Kunst’, die in Zusammenarbeit mit den Stuttgarter Nachrichten statt findet, ist Frau Professor Christiane Lange, die neue Direktorin der Staatsgalerie Stuttgart, zu Gast. Termin: 26. Februar 2013, 19.30 Uhr.

 

 

 


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Walter Stöhrer, Rosemaries Baby, 1990, Dispersion und Acryl auf Leinwand, 200 x 150 cm, WVZ WB 16

Walter Stöhrer. Werkstattbilder

Im Rahmen der Ausstellung „Mythos Atelier“ in der Staatsgalerie Stuttgart,  eröffnen wir am 25.10.2012, 18.00 – 21.00 Uhr, als Begleitprogramm die Ausstellung „Walter Stöhrer. Werkstattbilder“, die parallel zu unserer Ausstellung “Walter Stöhrer. Bilder der 1970er Jahre” zu sehen ist.

In den Ateliers von Walter Stöhrer in Scholderup und in derKulmerstraße in  Berlin befanden sich die sogenannten “Werkstattbilder” in unterschiedlichen Formaten. Entsprechend dem von Stöhrer betriebenen dynamischen in verschiedenen Entwicklungsstufen ablaufenden Gestaltungs- und Bildfindungsprozess handelt  es sich hierbei um Arbeiten in unterschiedlich stehen gebliebenen Zuständen,  die sich gliedern lassen in: Bildanfänge, Bildzustände verschiedener Stadien  sowie fertig gestellte Bilder, die Stöhrer in seinem unmittelbaren  Arbeitsbereich beließ.

 

Walter Stöhrer. Die Bilder der 70er Jahre

Die Galerie Klaus Gerrit Friese präsentiert eine Ausstellung mit Werken von Walter Stöhrer. Gezeigt werden  Leinwand- und Papierarbeiten aus den 70er Jahren.

Walter Stöhrer, 1937 in Stuttgart geboren, 2000 in Scholderup gestorben, Schüler von HAP Grieshaber an der Kunstakademie in Karlsruhe, Professor an der Hochschule der Künste in Berlin und Mitglied der Akademie der Künste in Berlin, verfolgte einen gültigen und überzeugenden Ansatz, unabhängig von Stilrichtungen und Vorlieben seiner Zeit und hat ihn zu einer einmaligen Künstlerpersönlichkeit gemacht. Seine Bilder zeichnen sich durch eine große Dynamik in Form und Farbe aus.

In den Bildern Walter Stöhrers findet stets eine Auseinandersetzung auf verschiedenen Ebenen statt, die Teil seines Malprozesses sind. Zum einen gibt es die gewaltigen Farbströme, die sich durchdringen und überlagern. Ein zweites wichtiges Thema seiner Bilder, auch seiner Papierarbeiten, ist die Verwendung und Verarbeitung von Schrift. In den meisten seiner Arbeiten sind Auszüge aus Texten erkennbar, kalligraphische Elemente, oder auch Zitate seiner Lieblingsschriftsteller, die er als erstes auf die Leinwand schrieb. Später, während des Malaktes, werden diese zumeist von den Farbschichten verschlungen. Teilweise bleiben sie aber wie ein kalligraphisch wirkendes Fragment erhalten. Immer wieder gibt es inhaltlich-thematische Zyklen von Bildern, die sich bestimmten Autoren (z.B. Antonin Artaud, André Breton, Rolf Dieter Brinkmann und Unica Zürn) widmen und deren Werk zitieren.

Der Ausdruck von Spontaneität, Leidenschaft und einer gewissen Ungezügeltheit wird eingefangen von einer Linearität, sowie dem Erscheinen chiffrenhafter Köpfe und Kürzelfiguren, die den Bildern eine Struktur von Ordnung und einen ausgeprägten Sinn für Gewichtung und Maß verleihen.

 

 

 

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“ach”. Auf Papier

Tatjana Doll, aus: Girls (Used To) Wait, 2010, Bleistift auf Papier 29,5 x 21 cm

 

Ausstellungseröffnung: 20.07.2012, 18.00 – 22.00 Uhr

Ausstellungsdauer: 20.07. – 10.09.2012

Auf Papier ist ein wichtiger Schwerpunkt unserer Galeriearbeit. Unsere Ausstellung „ach“. Auf Papier“ präsentiert künstlerische Positionen, die Zeugnisse einer vielfältigen Beschäftigung mit dem Medium Papier darstellen. Sie zeigen den Reichtum der künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten innerhalb dieses Mediums.

Die ausgestellten Werke reichen von Text-Bild Dialogen (Sandra Boeschenstein), fotodokumentarischem Tagebuch (Horst Ademeit), Erforschungen von Erinnerungen und Wahrnehmungen (Jorinde Voigt), Konfrontationen von Allerweltspersonen mit halb-vertrauter Kunstgeschichte (Karin Kneffel), tabuisierten Themen wie Gewalt und Tod (Michael Wutz), Verbindungen von Natur- und Kulturwüchsigkeit (Hartmut Neumann), gesellschaftskritischen Darstellungen einer jungen, ausgegrenzten Generation (Simon Pasieka), humorvollen (William N. Copley) und abzeichnenden, kopierenden und damit verändernden (Tatjana Doll) Zeichnungen, bis hin zu farb- und materialstarken Papierarbeiten (Dieter Krieg, Walter Stöhrer, Andreas Schulze). André Butzers mehrfache Annäherung an das gestisch erfasste Formenvokabular der Abstraktion ist ein Teil der Ausstellung gewidmet, dem der verwandelnde Einblick auf Figuration in den verschiedensten Gegenständen von Jochen Lempert entspricht. Heribert C. Ottersbach widmet sich dem Heilungs- und Heilversprechensaspekt der Moderne am Beispiel von Architektur.

Siegfried Gohr schreibt in dem Katalog zu der Abteilung Arbeiten auf Papier auf der Cologne Fine Art: „Aber die Spontaneität, eine Mitgift des Zeichnens, kann ebenso gut zum Leitfaden des Sammelns werden, so dass etwas sehr Persönliches aus verschiedenen Quellen zusammenwächst. Wer Papierarbeiten sammelt, muss zum Entdecker werden. Und über kurz oder lang wird er im Spiegel seiner Sammlung ein Bildnis seiner selbst erblicken.“

 

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Thomas Grünfeld, misfits (Schwan/Gnu) 2001,Taxidermie, Holz, 180 x 150 x 70 cm

 

Thomas Grünfeld. Über

Thomas Grünfeld, 1956 in Opladen geboren, lebt und arbeitet in Köln. Er studierte von 1978-1982 an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, Ende der 1990er lehrte er am Goldsmiths College in London, 2004 erhielt er eine Professur für Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf.

Das Werk Thomas Grünfelds ist gekennzeichnet durch strikt voneinander getrennte, konzeptuelle Serien, in denen er sowohl Themen als auch Materialien bearbeitet. Werkgruppen, die ab 1986 entstanden sind – Tabletts, Röcke, Polster, Gummis, dye-transfer, Augenbilder und Filze. Ab 1990 entstanden die misfits, Tierpräparate, die jeweils aus verschiedenen Tierarten zusammengesetzt wurden.

Die Arbeiten Thomas Grünfelds stehen in den  Spannungsfeldern von Malerei und Bildhauerei, von Gegenständlichkeit und Abtraktion, von Natur und Künstlichkeit. Humorvoll, skuril, vor allem aber absolut treffsicher bei der Auswahl seiner Themen und Motive, zeigen seine Arbeiten eine beeindruckende Vielschichtigkeit und Ambivalenz.

Seine Arbeiten wurden in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt.

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Galerie Rainhard Hauff
Paulinenstraße 47 70198 Stuttgart


+49 711 609770
galerie@reinhardhauff.de
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LELLO//ARNELL

Of a Story of Fiction of a Story of Fiction

19.09.2014 – 31.10.2014

Die trockene Schwärze des Kellers verlassend, schnellte er plötzlich herum, als ob er etwas gespürt hätte. Jemanden. Er konnte eine Stimme hören – ein entferntes murmeln. Nicht wirklich Worte, nur ein leichtes Brummen mit der Intonation von… Sprache. Er war wie völlig versteinert, reckte seinen Hals, verdrehte sich, er spitzte sein Ohr: “… völlig versteinert, reckte seinen Hals, verdrehte sich, er spitze sein Ohr.” Er fröstelte. “Er fröstelte.”

Als ein Freund des Künstlers 2001 an einem Flughafen in Südamerika hängen blieb, entdeckte er ein Buch in der Ritze zwischen zwei Sitzen wo er saß. Vertrieben, eine spanische Novelle, der Deckel des Buches war abgerissen. Genauer gesagt fehlten in etwa die ersten vierzig Seiten. Ebenso das Ende der Geschichte. Später, in einem apathischen Zustand dösend, begann er zögerlich das Buch zu lesen.

Der Protagonist, ein junger Mann, nach irgendeiner Art von Katastrophe an einem Flughafen gestrandet, wird in seiner Einsamkeit langsam auf eine Art erleuchtet, oder auch verrückt. Im Laufe der Geschichte wird er der Existenz des Erzählers und des Lesers gewahr, was ihn in einen fiebrigen Kampf führt, seinen omnipräsenten Beobachtern zu entfliehen. Er findet heraus, dass bestimmte Teile der schier endlosen modernistischen Struktur den Blick seiner Verfolger verschleiern und die Geschichte erreicht ihren Höhepunkt als der Protagonist sich zurück zieht und sich vor den neugierigen Blicken seiner Verfolger versteckt.

Überall waren Menschen. Die Hitze kriecht in Ecken der Struktur die, die Klimaanlage nicht erreicht. Ich fühlte mich miserabel. Ich hatte kaum geschlafen, und nichts gegessen außer Schokoriegeln und Cola. Die Architektur schlaucht mich. Flughäfen sollten passiert werden, sie taugen nicht für einen längeren Aufenthalt. Es ist so unnatürlich. Diese Idee vertikalen Beton und Glas mit Kaskaden von tropischer Vegetation zu verbinden – ist so post – apokalyptisch.

Of a Story of Fiction of a Story of Fiction ist eine Fortsetzung von Jørgen Craig Lello & Tobias Arnells Untersuchung der Bedeutung und der Konsequenz des World Views. Wie er entstanden ist, sich verändert, entwickelt und geschützt hat. Wie ein einfacher Fehler sich überall ausbreiten und in etwas wirklich bizarrem – beinahe verrücktem enden kann.

Jørgen Craig Lello & Tobias Arnell arbeiten seit 2003 zusammen und nutzen in Ihrer Logik gebrochene Gedankenstränge, falsche Behauptungen und erfundene Szenarien in ihrer Untersuchung wie die Welt interpretiert und verstanden wird.

Sie arbeiten in erster Linie skulptural, es reicht jedoch häufig in die Bereiche der Fotografie, der Collage und des Bildnisses hinein. Die Werke strahlen eine oberflächliche Trash und Do It Yourself Ästhetik mit einem Anspruch auf Geschicklichkeit aus, doch sind sie fundamental Konzept basiert mit einer stark von Material und Skulptur geprägten Disposition.

Ihre Arbeit hinterfragt grundlegende soziale Strukturen und Methoden und ihre Gültigkeit. Die Verwendung historischer Dokumente, von Symbolen, und Ereignissen, einer Vielzahl von vernetzter Konzeptionen, münden in einen dekonstruktiven Prozess, der ein verzerrte Wahrnehmung des “großen Ganzen” zum Ergebnis hat.

In erster Linie geht es in den Arbeiten um die Art wie Themen behandelt werden so dass, obwohl sie lückenhaft oder sogar unsinnig sind, ein Gefühl von Vollständigkeit entsteht.

Lello//Arnell waren in Ihrer Heimat Norwegen in wichtigen Ausstellungen wie, “Lights On – Norwegian Contemporary Art”, Astrup Fearnley Museum, Norwegian Sculpture Biannial (´06 und ´12) sowie einer Anzahl Einzelausstellungen vertreten. In 2012 waren sie außerdem Teilnehmer in der Eröffnungsausstellung “To Be With Art Is All We Ask.” des neuen Astrup Fearnley Museums. Außerdem sind sie 2014 in Gruppenaustellungen im Sørlandes Art Museum Kristinsand und der Boghossian Foundation in Brüssel zu sehen, sowie in Einzelausstellungen in Wien, Brüssel und Moss.
Sie sind den Sammlungen des Astrup Fearnley Museums, des Sørlandet Art Museums, der Region Skåne, dem Slovenian Center for Graphic Art und der Statoil Sammlung vertreten.

Kürzlich wurden größere Kunst am Bau Projekte für die Norwegian School of Economics in Bergen, die Universität Oslo, sowie für das Krankenhaus in Kalnes verwirklicht.

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Exiting the dry blackness of the basement storage, he suddenly spun around, as if sensing something. Someone. He could hear a voice a – distant murmur. Not actual words, just a faint hum with the intonation of… speech. He remained completely frozen, stretching his neck, twisting, his ear arching out from the side of his head: “…completely frozen, stretching his neck, twisting, his ear arching out from the side of his head.” He shuddered. “He shuddered.”

In 2001, a friend of the artists found himself stranded in an airport in South America when he discovered a book wedged between the seats of the sofa he was inhabiting. Dislodged, it was a novel in Spanish, its cover ripped off. In fact, the first forty or so pages were missing. As well as the ending of the story. Later, finding himself sinking into a dazed state of apathy, the friend haltingly began to read it.

The protagonist a – young man trapped alone in an airport after some sort of catastrophe is slowly driven to enlightenment or madness by his solitude. As the story progresses, he becomes sentient to the existence of the narrator and reader of the story, leading him into a fevered struggle to escape the omnipresence of his observers. He discovers that certain parts of the near endless modernist structure obscure his pursuers’ view, and the story deteriorates as the young man withdraws and conceals himself from our prying eyes.

“There were people everywhere. The heat was infiltrating pockets of the structure where the air condition couldn’t keep up. I was feeling terrible. I had barely slept, and eaten nothing but candy bars and Coke. The architecture was getting to me: Airports should be passed through, not lived in. Its not natural. This idea of pairing vertical concrete and glass with cascades of tropical vegetation – it’s so postapocalyptical.“

Of a Story of Fiction of a Story of Fiction is a continuation of Jørgen Craig Lello & Tobias Arnell’s examination of the meaning and consequence of the World View. How it is born, mutated, evolved and shielded. How a simple error can propagate throughout and result in something truly bizarre even – bordering to the insane.

Jørgen Craig Lello & Tobias Arnell have collaborated since 2003 and utilize logically broken trains of thought, false statements and fictional scenarios in their examination of how the world is interpreted and understood.

They primarily work with sculpture, though it often bleeds into photography, collage and imageworks. Visually, the pieces hold a resigned trash- and DIY-aesthetic, with pretensions of slickness. Though the works are fundamentally idea-based, they are saturated with a strong, underlying material and sculptural disposition.

Their work questions basic social structures and methods, and their validity. By using historical documents, symbols and events, a wide range of interconnected concepts are subjected to a deconstructive process which emanates in a skewed perception of «the big picture».

The main theme in the works is the way the topics have been treated, which constructs an interpretation that feels complete, though invalid, or even preposterous.

In Norway, LELLO//ARNELL have participated in high profile group shows such as Lights On Norwegian Contemporary Art at the Astrup Fearnley Museum and the Norwegian Sculpture Biennial (‘06 and ‘12) in addition to a number of solo exhibitions. In 2012 they are also participated in the opening exhibition of the new Astrup Fearnley Museum, To Be With Art Is All We Ask.

They have exhibited widely across Europe and have been acquired by a number of public and private collections, such as the Astrup Fearnley Collection, Sørlandet Art Museum, the Region Skåne Collection, the Slovenian Centre for Graphic Art and the Statoil Art Collection.

They have recently completed major public commissions for the Norwegian School of Economics in Bergen and the University of Oslo, and will be completing a commission for a new regional hospital in Kalnes south of Oslo in 2014.

In 2013–14 they have solo exhibitions in Moss, Brussels, Vienna and Stuttgart. They are also participating in group exhibitions at Sørlandets Art Museum in Kristiansand and the Boghossian Foundation in Brussels.

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5 billion solar years ..:::..

5 billion solar years ..:::..

Gruppenausstellung mit Etel Adnan, Ergül Cengiz, Hadley+Maxwell und Viron Erol Vert

04.04.2014 – 28.05.2014

5 billion solar years ..:::.., Titel einer Ausstellung, die sich mit den kulturellen Verwerfungen aber auch den Bereicherungen beschäftigt, die Künstler mit kulturellen Bezügen zum nahen Osten sowie zu Mitteleuropa oder auch generell dem “Westen” in sich auf ganz unterschiedliche Weise vereinen.

Etel Adnan Künstlerin und Dichterin, geboren 1925 in Beirut, studierte Philosophie in Paris und Kalifornien, nach dem sie den Libanon verlassen hatte und lebt seither in der Region von San Francisco und in Paris.

Etel Adnans Gemälde, Landschaftsbilder – Sonne, – Meer, – Horizont in flächigen Farbsetzungen sind Erinnerungstücke, Erinnerung an das Mittelmeer als Teil ihrer zurückgelassenen Heimat. Ihre Gedichte sind Ausdruck ihres Lebens im Exil und thematisieren persönliche und politische Gewalt insbesondere mit Blick auf den Bürgerkrieg im Libanon.

Etel Adnan war im Jahr 2012 auf der Documenta 13 in Kassel vertreten und nimmt in diesem Jahr an der Whitney Biennale in New York teil. Noch bis zum 6. Juli läuft ihre Einzelausstellung im Arab Museum of Modern Art, Doha, Quatar.

2012 integrierten das kanadische Küntlerduo Hadley & Maxwell (*1973/66), wohnhaft in Berlin eben ein solches Gedicht Etel Adanans in ihre Installation “Skies of the Heart” auf der Marakesch Biennale. “Skies of the Heart”, eine Gruppe von Leuchtobjekten oder auch Lampen, hergestellt aus Kupfer oder Zinn, von traditionellen marokkanischen Handwerkern nach den Vorgaben der Künstler, entfaltet seine ganze Kraft im zusammenwirken mit Etel Adnans Gedicht “Arabische Apokalypse” und wir freuen uns besonders, wesentliche Teile dieser Klang- und Lichtinstallation erstmals wieder öffentlich zeigen zu können und zum ersten Mal überhaupt gemeinsam mit Gemälden Etel Adnans auszustellen. Hadley & Maxwell sind mit einer umfangreichen, skulpturalen Installation auf der Sydney Biennale 2014 vertreten.

Die traditionellen Muster der Lampen sind auch in den großformatigen Scherenschnitten der Hamburger Künstlerin Ergül Cengiz (*1975) zu erkennen deren Licht- bzw. Schatteneffekte ein wirkungsvolles Wechselspiel mit den Leuchtobjekten Hadley & Maxwells eingehen und den Betrachter im unklaren lässt welche der einzelnen Arbeiten Ursprung der Effekte ist. Jedoch zeigen gleichzeitig Elemente der europäischen Bildauffassung deren perspektivische Elemente sich in unterschiedlicher Gewichtung mit den rein ornamentalen abwechseln, ihre Auseinandersetzung mit ihrem kulturellen Erbe als Deutschtürkin.

Viron Erol Vert, 1975 im Emsland geboren, arbeitet in Istanbul und Berlin mit unterschiedlichsten Medien um seine Auseinandersetzung mit sozialen und ethno-kulturellen Themen zu formulieren. In der Vermischung von Mythologie, Sachlichkeit, traditioneller und zeitgenössischer Formensprache entsteht eine neue Realität, die gewohnte Sichtweisen in Frage stellen. Viron Erol Vert wird am 26. September 2014 eine Einzelausstellung im Künstlerhaus Stuttgart eröffnen.

Wir danken der Galerie Sfeir-Semmler für die Unterstützung der Ausstellung.

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Little White Lies

JULIO RONDO

Little White Lies

04.04.2014 – 28.05.2014

Die Galerie Reinhard Hauff freut sich, eine Ausstellung mit neuen Arbeiten von Julio Rondo ankündigen zu können.

Julio Rondo malt abstrakt, aber nicht bedeutungslos. Das Motiv taucht in einer erinnerten Form auf; die abstrakte Malerei in ihrem Gestus und Habitus zelebriert Rondo nicht als Geniestreich, sondern als streng durchdachte und komponierte Bildfindung.

Erinnern ist das mentale Wiedererleben früherer Erlebnisse und Erfahrungen, das sich im Gedächtnis zu bildhaften Elementen oder Szenen verdichtet. Im Werk Julio Rondos spielt die Beschäftigung mit der Erinnerung an das „Gewesene“ eine zentrale Rolle. In seinen Arbeiten übersetzt Rondo erlebte Vergangenheit in transluzente Kompositionen, die zugleich Ausdruck von Erinnerung, subjektives Verdrängen oder absichtliches Vergessen sein können.

Vielfältige biografische und popkulturelle Bezüge lassen die Werke als eindrückliche Dokumente eines Lebens erscheinen, das ohne seine Umwelt mimetisch abzubilden, Gefühle, Gedanken und Wahrnehmungen als Malerei zu aktivieren vermag.

Zur Eröffnung erscheint der umfangreiche Übersichtskatalog “O.k., Meta Memory” mit Beiträgen von: Jutta Koether, Nicola von Velsen, Michael Dreyer, Diedrich Diederichsen, Kathryn Hixson, Jörg Heiser, Birgit Sonna, Ralf Christofori, Thomas Locher, Ludwig Seyfahrt.

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Günther Förg - Block Weißenhof

GÜNTHER FÖRG

Block Weißenhof

06.02.2013 – 21.03.2014

Als Günther Förg im Dezember vergangenen Jahres im Alter von nur 61 Jahren verstarb hinterließ der ‘Multidisziplinär’ ein umfangreiches und vielschichtiges OEuvre bestehend aus Malerei, Skulptur und Fotografie.

In seinen fotografischen Zyklen beschäftigte Günther Förg insbesondere die Architektur der Moderne und des Italienischen Rationalismus und Faschismus. Sein Interesse galt hierbei der Architektur unabhängig von der Historie.

Zahlreiche Ausstellungen in Stuttgarter Galerien, u.a. Achim Kubinski (’82 und ’86), Ursula Schurr (’83 und ’91) und Tanja Grunert (’84) brachten Günther Förg in den achtziger Jahren mehrfach nach Stuttgart, als 1981 auf Anregung von Achim Kubinski und Ralph Wernicke ein Zyklus zu den Gebäuden um die Stuttgarter Weissenhof Siedlung entstand, der in der Folge (1994) in der Galerie der Stadt Stuttgart (heute: Kunstmuseum Stuttgart) ausge-stellt – und konsequenter Weise auch angekauft wurde.

Die in der Galerie Reinhard Hauff zu sehenden Fotografien repräsentieren die fotografische Recherche des Künstlers bestehend aus 19 Silvergelatine- und 9 Farbabzügen an denen sich die Motivauswahl und die endgültige Auswahl des Bildausschnittes im Abgleich mit Arbeiten der endgültigen Serie, für die Ausstellung großzügig zu Verfügung gestellt vom Kunstmuseum Stuttgart, in hervorragender Weise nachvollziehen lässt.

Die Aufnahmen entstanden in einem Zeitraum vor einer neuerlichen, umfangreichen Sanierung des gesamten Siedlungskomplexes und die ins Bild gesetzten Spuren von Gebrauch und Verfall üben eine unbestimmbare Anziehungskraft auf den Betrachter aus.

Nach Ende der Ausstellung wird der gesamte Zyklus, als Schenkung einer privaten Sammlung, im Andenken an Günther Förg und Achim Kubinski, einem weiteren, auch kürzlich verstorbenen ‘Multidisziplinär’, dem Archiv des Kunstmuseums Stuttgart übergeben.

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Julika Rudelius - Liaison
Liaison, Two Chanel HD Video Installation, HD, 10min, 2013

JULIKA RUDELIUS

Liaison

15.11.2013 – 31.01.2014

And I for No Woman, HD Video Installation, HD, 9:23min, English Spoken, 2013

In Julika Rudelius’ 3rd solo show at the Galerie Reinhard Hauff opening 15.11.2013, the German film maker shows two new video works: Liaison (10 mins) and And I For No Woman (9:30 mins). Focusing on fantasy play and body language, observing, on the one hand, heterosexual couples toying with guns as power fetish, and, on the other hand, individuals with self-chosen gender voiced over by passages from Shakespeare’s As You Like It.

Liaison is filmed in domestic settings of beauty and sophistication. Projected on two parallel screens, young couples from the art and culture scene play around and engage in a silent, intimate seduction and fantasy game with a range of guns. Though playful, notions and stereotype action-movie gestures of domination, submission, temptation, aggression and caressing with the weapons heighten the strange attraction and thrill of make believe death at your fingertips and comes across as an aphrodisiac of eerie intensity. The film reality of Rudelius’ young couples is that of taste and privilege – in an orderly and civilized environment. The spacious metro-chic interiors, however, open op towards exteriors of lush landscapes, bringing to mind the power of the irrational “natural” killer instincts. Ultimately, toying with guns is toying with God like power – and death.

Taboo meets class in And I For No Woman, which is also set in a chic, upscale apartment, tastefully decorated with contemporary art and furniture. A cast of young characters chosen from among models, military personal, sex workers and university students proudly display and wear their female seductive attributes: large round breasts and buttocks, shiny leggings, voluptuous décolleté’s, tight dresses in traffic light colours, bare skin and domino high heels. Their brazen physicality seems to disturb the decor. Scenes alternating with body conscious prancing about and posing, are juxtaposed with outdoor night scenes in a garden where the protagonists read aloud from Shakespeare’s As you Like It, a comedy where gender is playfully and constantly switched – not only by the characters within the play, but also by the original all male cast. As a result of the constant gender swapping, a new overall floating gender is created and audiences begin to ask: What gender is this person and is that important?

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Stephen Willats- WORLD OF OBJECTS

STEPHEN WILLATS

WORLD OF OBJECTS

20.09.2013 – 31.10.2013

Die Galerie Reinhard Hauff freut sich mit WORLD OF OBJECTS die fünfte Einzelausstellung von Stephen Willats in ihren Räumen eröffnen zu können. Die Ausstellung stellt alltägliche Gegenstände aus dem Haushalt in ihren Mittelpunkt und stellt damit bewusst einen Zusammenhang zu Inhalten der kürzlich in der Galerie Reinhard Hauff gezeigten “Living with Art” Gruppenaustellung(en).
Seit über fünf Jahrzehnten entwickelt Stephen Willats seine Arbeiten aus komplexen Projekten unter Mitwirkung des Publikums in unterschiedlichen Techniken wie Skulptur, Photographie, Film und Zeichnung, bis hin zu Raum greifenden Installationen, interaktiven, performativen Collagen und einer Menge von theoretischen Publikationen. Die Galerie Reinhard Hauff hat, seit ihrer Gründungsausstellung mit Stephen Willats in 1995 wichtige Werkgruppen des bedeutenden Vertreters Britischer Konzeptkunst in umfangreichen Ausstellungen vorstellen können.
Während der Dauer dieser Ausstellung wird Stephen Willats auch bei Pop Art Design in der Barbican Art Gallery, London, der ersten umfassenden Ausstellung, die sich dem Austausch von Ideen zwischen (wechselseitigen Beeinflussung) Pop Künstlern und Designern widmet, beteiligt sein (In Zusammenarbeit mit dem Vitra Design Museum, dem Lousiana Museum of Modern Art, sowie dem Moderna Museet, Stockholm). Außerdem ist Stephen Willats derzeit auf der Istanbul Biennale vertreten.

In einer Reihe von mehrteiligen Collagen, mehrkanal Video- und Wandinstallationen aus dem Zeitraum der späten achtziger Jahre bis heute, ist das zentrale Thema der Arbeiten die interne Beziehung zwischen Objekten und Menschen.Objekte sind Vehikel, oder können als solche verwendet werden, um die Bedeutung der Welt, die wir um uns herum erschaffen, vorzuführen. Objekte, ausgewählt wegen Ihrer Funktion oder ihres dekorativen Wertes und der entsprechenden Realität, das die Häuser – Blocks, in denen viele von uns leben, ihrerseits selbst Ausdruck institutioneller Objekte sind In diesem Zusammenhang sieht Willats die Rolle des Künstlers als “Anstifter für Veränderung der sozialen Wahrnehmung und Verhaltens”. (“The Artist as instigator of Changes in Sozial Cognition and Behaviour”). (Aus einem Aufsatz den er in seiner Funktion als Direktor des Centre for Behavioural Art, verfasste, einer interdiziplinären forschungs und Diskussions-platform, die er selbst in den Jahren ´72-´73 gegründet hat.)
Während Museen maßgebende institutionelle Objektwelten sind, ist die “wirkliche Welt” eine interaktive Welt der Menschen, die sich ständig bemühen sich und ihre Individualität durchzusetzen. Willats beobachtet, “dass die Art wie eine Person sein oder Ihr Zuhause gestaltet, seine oder Ihre gewünschte, oder wirkliche Position in der Gesellschaft reflektiert und eine Manifestation deren sozialer Geschichte darstellt.” Life Codes, Behaviour, Parameters, 1974)
In WORLD OF OBJECTS, arbeitet Willats mit dekorativen Gegenständen, wie Vasen, Uhren und Lampen als Gefüge optischer Zeichen und Beziehungen um sie in Form von Diagrammen und interaktiven Elementen als Informationssystem zu nutzen. Die Idee resultiert aus der Kybernetik- Wissenschaftlichen Modellen, die in den Kommunikationswissenschaften für Automaten und “lebendige Dinge” entwickelt wurden. In den letzten Jahren entstanden so eine Reihe von Arbeiten mit dem Titel “Cybernetic Still Life”

In der Ausstellung werden, mögliche Identitäten durch die sich verändenden Beziehungen von Objekt- und Vasensequenzen in vereinfachten und monumentalen Architekturdiagrammen entworfen, und begründen eine symbolische Beziehung zwischen den Gegenständen und den Gebäuden in denen sie enthalten sind.

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Living With More Art
Alexej Meschtschanow; Dämonen benutzen geschlossene Türen (III); 2008; Stahl, Holz, Lack; 110 x 160 x 130 cm; Courtesy bei Künstler und Klemm‘s 

Living With More Art

Gruppenausstellung mit Marc Camille Chaimowicz, Kerstin Cmelka, Anne-Lise Coste,
Olafur Eliasson , Andreas Fischer, Hadley + Maxwell, Georg Herold,
Lello//Arnell, Jochen Lempert, Thomas Locher, Josephine Meckseper, Matthias Megyeri,
Alexej Meschtschanow, Lasse Schmidt Hansen, Nada Sebestyén,
Sarah Sze, Michel Verjux, Viron Vert

12.04.2013 – 28.06.2013

Living With MORE Art at the Galerie Reinhard Hauff is the second in a series of three exhibitions transforming the gallery space into surreal domestic settings furnished and decorated with artworks from 1980 until today. The three shows feature pieces which are converted to or from furniture or household items, by artists who do not as a primary practice create artworks from, or to be used as, furniture. The Living With Art trilogy thus engages with works with conventional or possible practical/useful functions to examine and redefine the status of the object in art and lifestyle.

Whereas appropriation ran as a red thread through most of the display in the 2012 Living With Art show, creating an overall exuberant Wonderland atmosphere, domestic Gemütlichkeit takes on a distinctly ungemütlich quality in Living With MORE Art. Here, most objects have been fabricated to act and look like furniture, but have been stripped of their conventional furniture job. The general mood is nocturnal – sinister and somehow “unbequem”. In a dark corridor where Josephine Meckseper’s 2001 video East German Rooms With a View, filmed mainly in the offices of the 1975-89 DDR Minister for State Security (Stasi) Erich Mielke, the oppressive psychological powers of a regime that functioned even in the absence of the presence of the “Bad Guy” is strongly felt. His desk, his telephone, his teak panelled views with the Spiesser curtains is a stand-in for the invisible authority figure. Past Olafur Eliasson’s low tech Parabolic Light Mirror, 2012, the visitor enters a dark bedroom with massive black curtains by the Canadian artist duo Hadley + Maxwell, moulded in aluminium foil from the heavy draperies of the Schiller statue in front of the Stuttgarter Staatstheater. Converting feather light and metallically stiff by optical illusion into heavy, soft drapery mass, the artists appropriate the trademark pathos of the famous German poet for interior decoration purposes. A pair of 1991 beds and matching bedside commodes by Thomas Locher, last shown publicly in 1992 at Stichting de Appel, Amsterdam, and the Kölnischer Kunstverein are “discussion structures” or conversation pieces engraved “I look at You”, “You Look at Me” and “I’m Being Looked At”, “You Are Being Looked At”. Their dialogue points out the shifting interpersonal positions of subject/object, passive and active. Locher will be exhibiting more recent work this summer, both at the Kunstmuseum Stuttgart, and at the Vienna Secession. The Turkish embroidered silk bedspreads are by Berlin artist Viron Vert, who turns handcrafted materials into comments on Muslim tradition and integration. The viewer is free to speculate himself about the meaning of the heavy, heart shaped metal chains by Matthias Megyeri from the Sweet Dreams Security work group on the floor next to the bed. On a TV on the bedside table runs Kerstin Cmelka’s 2010 black and white video Final Fight, based on scenes from the 1966 film by Mike Nichols, Who’s Afraid of Virginia Wolf, where Elizabeth Taylor and Richard Burton engage in a massive marital psychodrama. Since 2008, Kerstin Cmelka is producing an on-going series of so-called micro dramas, which are filmed performances, where the artist always plays the main role herself together with an amateur actor cast. The decay of relationship models and the interpersonal conflicts resulting from confronting the inconvenient truth about “shared life lies” are main themes. An audio-kinetic sculpture Erdmörtel, 2010, made from a chest of broken drawers and other found objects by Andreas Fischer, recently included in his solo show at the Museum Ludwig in Cologne, says “just go on talking”. Stylistically it fits the retro look of French artist Marc Camille Chaimowicz who has been working all his life with personal interiors in a 60‘s aesthetic. Although this is not a flat… Chaimowics’ colourful wallpaper and asymmetrical floral carpet, last shown at his 2009 show at the Vienna Secession, makes this bedroom interior a Gesammtkunstwerk. The artist “uses” his walk in installations to trigger the feel and atmosphere of times, places and situations – as spaces to re-visit his own Real Life. Two photographs by Jochen Lempert from his show Evidence as to Man’s Place in Nature in 2006, and a group of 2013 airbrush still life’s and interiors by New York based Anne-Lise Coste inspired by Matisse’s happy and sunny Côte d’Azur interiors complete the decoration of the bedroom.

The other gallery area is a psychic space uniting props, signs and symbols of the subconscious. The sculptures by Alexej Meschtschanow, such as Demons Use Closed Doors III, 2008, uses found objects like an old door, chairs and pieces of drain pipes, metal scaffolding and industrial ironwork combined to produce anti-and/or psycho design objects in what David Renggli calls Inquisition style (2009). His works could be props right out of a bad dream with all the power of the symbolic value of architectural and furniture archetypes like doors and chairs. By repositioning objects taking them out of their expected, usual architectural frame, and stripping them of their normal geography or location within an architectural vocabulary, they tell personal stories of being liberated from or chained to fixed positions, ideologies or (broken) dreams. Lasse Schmidt-Hansen’s ceiling stucco fragments View, Berlin 2012 (reconstruction) placed on the floor, on the other hand, have been promoted from their usual assistant-deco function and have switched places from ceiling to floor, from high to low. Thereby they have also switched status from Thing to Art. Schmidt Hansen’s photographic series Making Things examines minimalistically the psychological impact of re- positioning furniture pieces within a personal space to possibly improve work productivity. The Norwegian artist duo Lello//Arnell shows for the first time in Germany a group of furniture derived works, including a pair of large canvasses Anthropometrie, 2013, painted with!! Eames chairs as a variation on Yves Klein’s body print practice and a commode piece The Lesser Ark of Transmission, 2009, whose elegant silhouette has been modelled from a patchwork of chairs, furniture left-overs, a radio and black shrink wrap. A piece of wall-to-wall carpet is now a painting titled Those Eyes; They Follow Me, 2011. The collages by Berlin artist Nada Sebestyén focus on nomadic and migrating living situations. Her photographs of mobile homes in desert landscapes have a socio-psychological dynamic that serves as a reality check on the metro chic home-sweet home phantasy we entertain in the privileged consumer society of the industrial world (Hunde auf Dach, 2000, and Betonpilotis, 2009). Edition Trümmerfrau 2/20000, 1986, is a sculpture by Georg Herold made out of cement poured into a shopping basket.

“With lamps you create your own spatial drama,” says Olafur Eliasson, in a conversation with Ina Bloom in 2005. Light sources within inhabited environments create clarity, comfort or (dis) comfort zones and model spatial atmospherics. Lamp objects have been a major feature in all of Eliasson’s work, be it for domestic, public or institutional use. They span the entire register from the spectacular and elitist (expensive) to the cheap, solar powered light source affordable for the world’s poorest households. Duo-colour double polyhedron lamp from 2011 comes from a series of lamps modelled on crystalline structures and diffuses a soft, multi-coloured light. French artist Michel Verjux only works with light – white light. No shadow, no depth. In numerous interventions in France, Belgium and Switzerland, Verjux projects simple geometric shapes – mainly circles – on interior or exterior surfaces of buildings. He interferes in a non invasive way with their with historical narrative to make the viewer perceive the “Old” in a “New”, contemporary way. As Verjux was installing his work created for the exhibition space, talks and reflections led him to name this work Verschiebung, which also sums up THOUGHTS that are central to the Living With More Art concept. Leaving the show the visitor with be guided by New York artist Sarah Sze’s mixed media Sortie (Exit) sign, Migrateurs, last shown at the Fondation Cartier pour L’art contemporain, Paris, in 1999.

The Galerie Reinhard Hauff wishes to extend a heartfelt thanks to all the artists participating in the show, and to Cabinet Gallery, London, Galerie Klemms, Berlin, Galerie Neugerriemschneider, Berlin and Galerie Dorothea van der Koelen, Mainz for their collaboration and support.

Announcing:
LIVING WITH A LOT OF ART, Summer 2014

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FRANK AHLGRIMM

C U T S

01.02.2013 – 28.03.2013

Wir freuen uns die die dritte Einzelausstellung mit neuen Arbeiten des in Berlin lebenden Künstlers Frank Ahlgrimm (*1965) in der Galerie Reinhard Hauff anzukündigen.

Paul Becker nahm Frank Ahlgrimms Bilder zum Anlass folgenden Text zu verfassen :

FRAGE: Wie weit kann man gehen?

Nimm es auseinander. Schäl es ab wie eine Kruste. Kratz es weg, Herrgott nochmal. Lass es rein (sagen sie). Hör ein bisschen diesem DING zu, lass es schnurren neben dir, mein Freund. Streich mit deiner zarten Hand glatt über seine Oberfläche. Spüre wie gut geölt sie ist, ja sogar sterilisiert mit Hochdruckdüsen. Dehnbar. Keine Ader, kein Puls unter der Berührung meines Fingers. Fast unmenschlich bleibt die Auswirkung all der Wichse auf dem Armaturenbrett bestehen – ja, natürlich können wir das sehen, du musst es nicht beim Namen benennen. JA. NEIN. VIELLEICHT. Es ist ein noch viel dreckigerer Tanz als du ihn dir vorstellen kannst, und ich weiß, und sie wissen, wie tief es rein geht, wie es in das Mark schneidet, hineinfurcht in dein Loch, in von der Zunge gebissene Zähne knirschend schneidet. Was ich dir in dein Gesicht zurückwerfen will ist dein Gesicht selbst. Dazutun, wegnehmen. Oberflächenreflektion. Remake. Remodel. Reform. Ich frage mich, (fragt sie) ob das eine Reformation bedeutet? Und wenn ja, heißt das, dass wir alle Statuen zerschlagen können? All die Köpfe an die Wand schmettern?

Die Bilder die du mir verkauft hast, zahle ich dir nun zurück mit all dem was ich zu bieten habe, mit all dem was du mir so sanft verkauft hast, zurück in die Schachtel, umgedreht, mit dem Arsch nach oben, deformiert, Kosten abgedeckt, der Sinn mutiert.

Sei ein Tagträumer, sagt sie, sei der … Schlafwandler. Lass dich von deinen Obsessionen leiten. Fuck your obsessions. Hier ist das was sich verweigert, was ernsthaft widerlegt und verschleiert, sich Zugang verschafft und dann, meine Herren, meine Damen, verriegelt sind die Türen. Was wir sind ist alles was ihr nicht seid. Lass dich verführen. Vorsicht Farbe! Komm rein, Fremder. Ich werde die Geschichte auf deinen Fingern beenden. Alles geschieht aufgrund von Abkürzungen, hypothetisch. Jede angezeigte Narrative wird vermieden. Zwischen Gedanke und Ausdruck steht eine Lebenszeit, durchgeknallt, eiskalt, schwarzer Glanz, und supergeschmeidig reibt es sich an dem unmöglichen coup de foudre. Klicke wieder zurück und los geht´s zum Zentrum, ja, das Auge, aber auch ein ‚Ich’ mit dem Du nie gerechnet hast, das aber immer mit von der Partie ist.

Ein Ich, das nie mehr eine Lüge träumt.

Ein Ich, das die Subversion von Photoshop liebt.

Ein Ich, das nicht zu gebackenen Beats eines Leichenschmauses tanzt, und auch nicht zu Retro-Ausschuss, verkauft als malerisches Versprechen.

Undermind. Apartment Größe. Zieh die Haut ab.

Ein Ich, das sich nicht mehr angepasst oder zusammengefasst werden kann, stell dir das vor!

Ein Ich, das zurück starrt und dich AUS, nicht MIT dir lacht.

Ein Ich, das Deinen Vorhaben trotzt, welche Vorhaben auch immer.

ANTWORT: Fragen müssen gestellt werden.

FRAGE: Wie weit kann man gehen?

ENTSCHEIDUNG: Ja bitte!

(Paul Becker)

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Sha la-la-la-la

ALISA MARGOLIS

SHA LA-LA-LA-LA



16.11.2012 – 15.01.2013

The epic, the icon, the genre, the trope – classical structures to weave meaning and present a world-view. In this way, the work of Berlin based artist Alisa Margolis (*1975) has integrated the iconography of rock’n'roll with classical imagery, the baroque in particular, into a personal vocabulary of expansive dark canvases in which abstraction and figuration interact.

From her early work with American cheerleader formations, to the more explicit reference to the baroque in her use of Dutch 17th century flower painting, Margolis takes up imagery not so much to critique, but to stretch and pull at it, to test, explore and challenge its ability to move us and convey meaning. And this stretching and pulling finds its form and counter-point in the integration of both classical painting techniques with strategies drawn from process-painting and abstract-expressionism.

In this new body of work these themes have come into more focus, with two works taking up the reclusive rock icon Axl Rose, already a kind of living-legend or myth. The flowers that populate so many of Alisa Margolis’ works are now juxtaposed with that other great still-life element – skulls, unfolding and emerging in patterns that both evoke specific characters and abstract designs. This funny/morose quality of the skulls is developed further through the two works in which the materiality of paint and gesture combine to evoke classical cartoon ghosts.

In the show, the key elements of myth appear as Margolis’ personal cosmology – the hero, the chorus, the re-occuring fear of death, treasure, only without any clear ending, the elements suspended in space, confronting us with their potential.

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THOMAS LOCHER

Endlich. Alles zusammen.



14.09.2012 – 26.10.2012

Eröffnung / Opening
Freitag, 14.09.12, 17.30 – 21 Uhr / Friday, 14.09.2012, 5.30 – 9 pm

Ein Künstlergespräch mit Thomas Locher, veranstaltet vom Kunstbüro der Kunststiftung Baden-Württemberg, findet am Freitag, 14.09.12 um 17.30 Uhr statt.

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„Das, was ist, kann nicht wahr sein.“ 1



Natürlich finden sich im Geist keine Objekte oder Ereignisse—keine Schweine, Kokospalmen und keine Mütter. 2

Das sprachliche Wesen des Menschen ist also, 
daß er die Dinge benennt. 3

For a given cultural content, whether it be God, table or basin, an analysis is structural when (and only when) it presents this content as a model. 4

… man muß von der Metaphysik zur Physik übergehen. 5



Der Gebrauch der männlichen Schreibweise für die Begriffe Schiedsrichter, Schiedsrichter-Assistent, Spieler und Offizieller dient lediglich der Vereinfachung und bezieht sich selbstverständlich auch auf Frauen. 6



Der Spiegel ist eine „absolute Metapher“. 7



Je chevauchais les nuages avec des airs de folle échevelée ou de mendiante d’amitié. 8



Aber jetzt, nach all dieser Schufterei, stehst du da, du, mit deinen Berechnungen, du, mit deinem Gezapple. 9

Der Irrtum liegt weniger im Inhalt als in der Kategorie. 10

Würde man (in Worten) genau ausdrücken wollen, was man wahrnimmt, man wäre unverständlich. 11



Das führt uns zu der Feststellung, dass auch der sinnerfüllteste Text für jene Analyse sich auflöst in unbedeutende Bagatellen, wogegen nur die mathematischen Algorithmen sich sträuben, die ihrerseits zu Recht ohne allen Sinn sind. 12

I hate quotations. 13




1 Ernst Bloch: Philosophische Grundfragen, Frankfurt 1961, S. 65
2 Gregory Bateson, Ökologie des Geistes / Double Bind, 1969*, Frankfurt 1988, S. 353
3 Walter Benjamin, Über Sprache überhaupt und über die Sprache des Menschen, Frankfurt 1977, Gesammelte Schriften Band II.1, S.143
4 Michel Serres, 1968: Hermès I—La communication. Paris, Les Éditions de Minuit p. 32 
Bei einem gegebenen kulturellen Inhalt, gleich ob Gott, Tisch oder Spülbecken, ist eine Analyse struktural (und ist nur dann struktural), wenn sie diesen Inhalt als ein Modell erscheinen läßt. Michel Serres, Hermes I. Kommunikation. Berlin, Merve, 
1991, S.33)
5 Roland Barthes, Die Vorbereitung des Romans, SV, S. 276
6 aus: Deutscher Fussballbund, Fussballregeln 2012/2013
7 H.Blumenberg, Paradigm. Zu einer Metaphorologie / Arch. Begriffsgeschichte 6 (1960) 7-142
8 Laure : Ecrits, fragments, lettres de Colette PEIGNOT 
( Ich ritt die Wolken mit dem Gebaren einer zerzausten Verrückten oder einer um Freundschaft Bettelnden. Collete Peignot 
(Laure), in Laure Schriften, S. 39, Matthes und Seitz, 1980)
9 Arthur Rimbaud, Eine Zeit in der Hölle, Matthes & Seitz, München 1979, S.128
10 Ronald D. Laing, Das Selbst und die Anderen, Reinbek 1977, S.28
11 Paul Valéry, Cahiers 3, Frankfurt 1989, S.404
12 Jacques Lacan, Schriften II, I. Der Sinn des Buchstabens, Weinheim 1986, S.22
13 Ralph Waldo Emerson (1803-1882), in: ‘The Rules are no game, The Strategy of Communication’, Anthony Wilden, Routledge & Kegan Paul, London and New York, 1987

Die Galerie Reinhard Hauff freut sich die fünfte Einzelausstellung von Thomas Locher ankündigen zu können.

Sämtliche Arbeiten sind für diese Ausstellung neu entstanden.

Die Arbeiten kreisen um Texte, Sprache und Kommunikationswege und um deren Abstraktionsvermögen.

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Parrotta Contemporary Art
Augustenstraße 87-89 70179 Stuttgart


+49 711 69947910
mail@parrotta.de
http://parrotta.de

Benjamin Badock »OFAK-Flagger Ahead 07s« 2013, Hochdruck auf Magazinpapier, 43 cm x 27 cm

BENJAMIN BADOCK »NEWSROOM«

Mit NEWSROOM präsentiert die Galerie Parrotta aktuelle Arbeiten Benjamin Badocks, des “rising young star of Printmaking in Germany” (Christian Rümelin in: Print Quarterly, XXX, 2013, 2, S. 218-219).

In Newsrooms, den Schaltzentralen der Nachrichtenagenturen werden eingehende Meldungen gesammelt, gefiltert und abgefasst, ehe sie zurückrauschen in den fortlaufend andauernden Nachrichtenstrom, um kurze Momente der Aufmerksamkeit zu generieren.

Die neuen abstrakten Arbeiten von Benjamin Badock referieren auf diese Räume, ihre Strukturen und die darin stattfindenden Prozesse. Es sind Tageszeitungen, die Benjamin Badock durch unzählige Farbschichten bedeckt. Meist ohne vorbearbeitete Druckplatten, allein durch Falten und partielles Auflegen des Papieres auf den Druckstock, entstehen im Rahmen eines minutiösen Falt- und Druckprozesses die Arbeiten der Serie OFA. Die Zeitungsnachrichten verschwinden dabei fast vollständig oder treten partiell an einigen „farbfreien“ Stellen hervor. Neu und sichtbar wird das, was der Künstler dem Papier hinzufügt; Farbe, Brüche, Falze. Den Prozess ihrer Herstellung zwischen Falten, Drucken, erneutem Falten usw. bildet eine Serie neuer Arbeiten förmlich ab, indem dieser Vorgang wie eingefroren scheint. Dabei entstehen leuchtende dreidimensionale, nur annähernd geometrische, filigrane Papiergebilde.

Neben medienreflexiven Überlegungen durchzieht die Arbeiten von Benjamin Badock eine Poesie des Alltäglichen, die sich der Reduktion verschrieben hat. Das wird besonders in seiner “Modul-Serie” evident. Bekannt aus vorangegangenen Ausstellungen in der Galerie Parrotta und dem Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen schafft Badock hier in der Formensprache des Konkreten, mit Druckmodulen wie Quadrat, Dreieck und Kreissegment, Bilder zwischen geometrischer Abstraktion und plakativem Realismus.

Benjamin Badock entfaltet eine abstrakte Welt der Gleichzeitigkeit, in der Oberfläche und Tiefe,  Gegenwart und Vergangenheit, Alt und Neu, Vorder- und Rückseite nebeneinander zu liegen kommen, ohne deren Differenzen zu nivellieren.

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Gregor Gaida »Waning Sun« 2014, Aluminium, Acrylglas, 25 x 25 x 27 cm

6.06. – 2.8.2014

GREGOR GAIDA »WANING SUN«

Gregor Gaidas Edition »Waning Sun« gehört zu einer Serie von Skulpturen, die seit 2011 entstehen. Ausgehend von Tieren und organischen Körpern schafft Gaida faszinierende geometrische Objekte, bei denen er einzelne Aspekte vervielfältigt und in neuer Weise zusammenfügt. So auch bei der kleinen Skulptur aus Aluminium. Zwei Flügelpaare hat er spiegelbildlich aufeinander bezogen und zu einer komplexen Form verbunden. Reizvoll ist dabei der Gegensatz von festem, statischem Material und dem dynamisch-bewegten Flügelschlag. Die Skulptur erhält so eine überraschende, nach oben strebende Leichtigkeit.

Die Flügel des Nektarvogels sind präzise und mit erstaunlichem Detailreichtum ausgearbeitet. Sie streben allerdings nicht einer untergehenden Sonne entgehen, wie es der Titel anspielungsreich andeutet. Eine solche romantisierende Naturvorstellung wird vielfältig konterkariert. Das Flügelpaar verwandelt sich durch das Vervielfachen eines einzelnen Fragments in ein dreidimensionales Ornament. Das Objekt ist damit auf befremdliche Weise schön und abstoßend zugleich. Es erscheint wie eine pervertierte, durch genetische Veränderungen erzeugte Missbildung, als wäre sie einem Versuchslabor oder einer historischen Kunst- und Wunderkammer entflogen.

Das Zentrum der Skulptur bildet ein verspiegelter Hohlraum in Form eines Polyeders. Solch ein geheimnisvoller Raumkörper findet sich auch in Albrecht Dürers berühmten Kupferstich Melancolia. Wie die geometrische Form jedoch zu deuten ist, bleibt unklar. Sie ist für Gregor Gaida wie auch für Dürer ein wesentliches Element, das eine besondere Form ästhetischer Reflexion ermöglicht. Dadurch bleibt die Skulptur in ihren Bedeutungsmöglichkeiten offen. Text: Ingo Clauß, Weserburg Museum für moderne Kunst, Bremen

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Lisa Mühleisen »No Risk And No Fun« 2014, dispersion paint, acrylic and lacquer on plywood, 62 x 50 x 1 cm

LISA MÜHLEISEN »HELLO ILLUSION!«

6.06. – 2.08.2014

Auf monumentalen Maßen winkt uns ein kleines, aus mehreren Quadraten zusammengesetztes Smiley in die Ausstellung Hello Illusion! von Lisa Mühleisen. Es begrüßt uns im Entrée der Galerie mit der Freude von akzeptierter Selbsttäuschung und heißt uns mit unverblümter Direktheit willkommen. Seine Absicht ist klar, aber vor allem ernst zu nehmen, da sie symptomatisch für Lisa Mühleisens Arbeit ist. Denn obwohl das Dargestellte auf den Holzplatten in ihren Bildern einer gemalten Illusion zu Grunde liegt, nehmen wir es zuerst als Realität wahr und somit als Teil unserer Umgebung. So integriert Lisa Mühleisen das Hinterfragen eines erlernten Verhaltens und vorgeprägten Wissens schon in das Betrachten ihrer Arbeiten, um vermeintlich Unwichtigem eine Bühne zu bieten und scheinbar Eindeutigem auf den Grund zu gehen. Bedeutung ist demnach auch in der einfachen Schönheit einer Leerstelle zu finden. Denn die formale Poesie, die ein gemaltes leeres Blatt A4 Papier mit sich bringt, ist Teil des Potenzials einer ästhetischen Anti-Hierachie (vgl. Arthur C. Danto, Kunst nach dem Ende der Kunst).

Die Illusion, die Lisa Mühleisen hier begrüßt ist die bildhafte, deren Wirkung das Dargestellte als Wirklichkeit erleben lässt. Mit ihr wendet sie sich gegen jegliche Art von beschönigendem Wunschdenken und dem Kaschieren-Wollen von banaler Realität. Natürlich dabei nicht ohne ironischen Unterton. Indem Lisa Mühleisen das Spiel mit der Bildrealität so auf die Spitze treibt, dass am Ende keine ästhetische Behauptung mehr absolut gesehen werden kann, etabliert sie in ihren Bildern eine Form von Direktheit. Diese manifestiert sich in holzgemaserten Malerpaletten und Leopardenmustern; in traumhaft glitzernden Farbflächen und metaphorischen Messlatten.

Lisa Mühleisens Malerei mag augentäuschend sein, doch ist sie in keinem Falle illusorisch. Sie mag unsere Sinne täuschen, appelliert dabei aber an die Klarheit unserer Sichtweise. Hat die in Lisa Mühleisens Arbeit viel zitierte konkrete Kunst die Direktheit des Bildes in der Verbannung der Illusion aus der Malerei gesucht; holt Lisa Mühleisen diese Direktheit gerade durch die Illusion wieder zurück ins Bild. Ihre Arbeit Double Negative geht zwar den eleganten Umweg über die doppelte Verneinung, doch trifft sie – nicht nur rein aussagenlogisch – letztendlich dieselbe Bildaussage wie die eingangs erwähnte Arbeit mit dem uns zuwinkenden Smiley: Die Bejahung einer bildhaften Illusion zugunsten der Direktheit der Bildbehauptung. Oder schlichtweg: Hello Illusion! Text: Nicola Höllwarth

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Left: Mateusz Szczypinski, Untitled, 2012, Collage, Öl auf Leinwand, 55 x 55 cm. Right: Benjamin Bronni, Leftovers II, 2013, Farbfotografie, 100 x 70 cm.

Mateusz Szczypinski | Benjamin Bronni

Mateusz Szczypinski »Somewhere Between – Our Matters«
Benjamin bronni »Somewhere Between – KANTUM«

24.01. – 08.03.2014

Das Projekt »Somewhere Between« besteht aus zwei verschiedenen Ausstellungen, einer von Mateusz Szczypinski und einer von Benjamin Bronni. Auf den ersten Blick haben diese beiden Künstler nur wenig miteinander gemein: Bronnis Arbeiten sind Rauminstallationen, Szczypinski bewegt sich hauptsächlich in der Sphäre der zweidimensionalen Malerei. Die Künstler kommen aus verschiedenen Ländern und haben einander noch nie getroffen, und doch berufen sie sich auf ein und dieselbe visuelle Tradition. Beide versuchen, sich in der komplexen Welt von heute auf etwas »Konstantes« zu beziehen, um ihre Gegenwart zu definieren. Obgleich es zweifellos auch sichtbare Unterschiede zwischen ihnen gibt, möchten wir im Rahmen dieses Projekts Aspekte und Gemeinsamkeiten aufzeigen, die die beiden in den 1980er Jahren geborenen Künstler miteinander verbinden. Daher verfügt jede der beiden Ausstellungen über einen zusätzlichen Abschnitt, der Arbeiten des jeweils anderen Künstlers präsentiert.

Wenn der Betrachter zum ersten Mal mit Szczypinskis und Bronnis Arbeiten konfrontiert wird, bekommt er sofort ein Gefühl dafür, dass diese Künstler vom Modernismus fasziniert sind. Und doch ist dieser Verweis auf die Vergangenheit mehr als bloße Wiederholung. Auf der Basis eines im Modernismus verankerten visuellen Erbes begeben sich beide Künstler auf eine ganz eigenständige Suche. Sie werden zu »materialistischen Historikern«, die ihr Bild von der Gegenwart auf den halb vergessenen Überresten der Vergangenheit aufbauen. Vielfalt, Zitate und Eklektizismus sind für die Kultur von heute charakteristisch – und sie prägten die beiden Künstler schon in den 1990er Jahren. Ihre künstlerischen Arbeiten entstammen direkt dem Charakter unserer Gegenwart; sie sind die Antwort und der Schlüssel dafür, mit dieser Gegenwart umzugehen. Es gibt heute niemanden mehr, der Regeln festlegt – alles ist erlaubt, nichts ist unmöglich. Zitate oder Referenzpunkte der Vergangenheit haben in Zeiten, in denen in der Kunst alles gestattet ist, durchaus etwas Aufständisches an sich und verwischen die Grenzen: Im Moment gibt es beispielsweise keinen Unterschied zwischen heilig und profan, zwischen Original und Kopie, und oft sieht man, wie verschiedene – oft sogar widersprüchliche – Elemente miteinander verschmelzen und einander ergänzen. Die Welt von heute ist durch eine Flut von Informationen und Bildern geprägt, die unmittelbar nach ihrer Rezeption an Bedeutung verlieren, verblassen und Platz machen für neue – die ihrerseits bald wieder in Vergessenheit geraten. Daher erscheint Bronnis und Szczypinskis Beschwörung modernistischer (oder sogar prä-modernistischer) Zeiten – einer Epoche, als noch Regeln und Prinzipien die Kunst beherrschten und man sie wie eine Religion behandelte – durchaus als Reaktion auf die Gegenwart.

Ihre künstlerische Betätigung stellt den Versuch dar, sich auf etwas zu beziehen, das »konstant« ist und so als Instrument zur Definition der Gegenwart dienen kann. Auf der Ebene der ästhetischen Reflexion versuchen sie, die wechselseitigen Beziehungen und Verbindungen zwischen Formen, Farben, Flächen, Komposition und Raum zu untersuchen und zu definieren. Diese Elemente wollen sie innerhalb des zeitgenössischen Diskurses über Malerei, Skulptur und Installationen interpretieren und kontextualisieren. Beide Künstler kehren dazu in eine Zeit zurück, als strikte Regeln und Prinzipien galten, die die Kunst in eine religiöse Sphäre erhoben. Und sie verwenden dazu das Konstrukt eines Moduls.

Bronni entwickelt seine Arbeit auf der Basis streng geometrischer Formen, die sich im Raum entfalten und die zugleich Grundlage als auch Baustein nachfolgender Objekte sind.

Szczypinski verwendet zweidimensionale Formen, Rechtecke und Kreise, die er in mehr oder weniger figürliche Darstellungen einarbeitet, oder auch Module in Form von Gebäuden oder Häuserblocks an der Oberfläche der Stadt. Indem er sie vervielfältigt, verfremdet er sie auf eine Art und Weise, die ihnen eine beinahe abstrakte, symbolische Dimension verleiht. Letztlich stellen Bronnis und Szczypinskis Module so etwas wie heiligende Zeichen dar, die die Kunst wieder dorthinbringen wollen, wohin sie gehört. Kuratiert von Dobromila Blaszczyk.

Organisiert von der Stiftung Lokal Sztuki, lokal_30 in Warschau und der Galerie Parrotta Contemporary Art in Stuttgart. Vom 1. Februar – 15. März 2014 präsentiert lokal_30 in Warschau den zweiten Teil der Ausstellungskooperation mit Benjamin Bronni und Mateusz Szczypinski. Das Projekt wird mitfinanziert von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit. Jede der beiden Ausstellungen wird von einem individuellen Katalog begleitet.

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Timm Rautert, Kasimir Malewitsch alias Vladimir Gusev, Staatliches Russisches Museum, Leningrad, 1988, Farbfotografie, 24 x 36 cm

BLACK OUT – AM RANDE DES FOTOGRAFISCHEN

KILIAN BREIER, EDMUND CLARK, SVEN JOHNE, TÜNDE KOVACS, AGATA MADEJSKA, PIETER LAURENS MOL, FRANK NEUBAUER, TIMM RAUTERT, ARNULF RAINER, GEORG WINTER, KURATIERT VON BIRGIT KULMER

8. November 2013 – 18. Januar 2014
Di – Fr 11-18 Uhr,  Sa 11 – 16 Uhr, u.n.V.

Schwarz, das wie Weiß im eigentlichen Sinne keine Farbe ist, verweist in unserer westlichen Tradition auf das Nichts, oder stellt es dar. So ist es mitunter auch ein Zeichen für das Nichtwissen, das Vergessen und jene „Nicht-Zeit“, der man sich nicht erinnern kann. Schwarz lässt sich als Mittel der Grenzüberschreitung deuten – vom Sichtbaren zum Unsichtbaren, vom Bewussten zum Unbewussten, vom Gegenwärtigen zum Vergessenen.

Gilt Schwarz in der Kunst als radikale formale und nicht hintergehbare Geste, so ist ihr mit dem Vergessen zugleich ein Moment des Kontrollverlustes, ja der Schwäche eingeschrieben. Der Titel der Ausstellung „Black out“ nimmt diese Ambivalenz auf. Schwarz markiert als Grenze der Sichtbarkeit in der Malerei, Zeichnung und der Fotografie zugleich die Grenzen des Mediums. Welches Bild entsteht im Prozess des Erlöschens, welche Spuren zeichnen sich im Vergessen ab? Diesen und weiteren Fragen stellen sich die Arbeiten der Ausstellung „Black out – Am Rande des Fotografischen“. Die gegenstandslose Schöpfung Malewitschs gilt als ein purer Akt der Kunst – ein Bildersturm gegen das traditionelle Formenrepertoire, bis zu dem Punkt, da Grund und Muster von gleicher Substanzhaftigkeit waren.

Auf den „Null-Punkt“ der Gestaltung zurückzugehen, die Elemente so weit zu reduzieren, bis nur noch ein Moment das Bild bestimmt, ist das Ziel vieler der gezeigten Arbeiten. Vom Abbilden der Wirklichkeit gehen sie zur Herstellung von Wirklichkeit durch die Mittel der Fotografie, respektive der Malerei und Zeichnung, über. Wobei ein Nicht-Wissen über den jeweiligen Status des Bildes vorrangig bleibt. Dabei rekurrieren die Bilder häufig auf gesellschaftliche „Black outs“, wie Kilian Breier mit seiner Chemigrafik „Regentropfen im Mai“ (1984) auf den radioaktiven Regen nach Tschernobyl, oder Edmund Clark mit seinen Scans der „Letters to Omar“, die ein unschuldig in Guantanamo Gefangener aus aller Welt erhielt. Timm Rauterts Fotografie im Depot des Russischen Museums in Leningrad, zeigt Wladimir Gusew, Direktor des Museums, der das damals immer noch ungeliebte “Schwarze Quadrat” von Malewitsch für den Fotografen hat auspacken lassen. Die Landschaftsfotografien Davor Sanvincentis wirken nicht zuletzt aufgrund der überalterten Kamera und der längst das Verfallsdatum überschrittenen Filme, als reine Erinnerungsbilder, vom Vergessen überzeichnet.

BLACK OUT – ON THE VERGE OF THE PHOTOGRAPHIC

Black – which like white is not actually a true colour – refers in our western tradition to the notion of nothingness or represents it. Occasionally, it is also an indication of not knowing, forgetting and that »non-time« beyond memory. Black can be understood as a means of crossing lines from the visible to the invisible, from the conscious to the unconscious, from the present to the forgotten.
If, in art, black is considered a radical formal expression of negation, alongside the act of forgetting, it contains a certain loss of control or weakness at the same time. The title of the exhibition »Black Out« picks up on this ambivalence. As the visible interface in painting, drawing and photography, black simultaneously marks the limits of the medium. Which image emerges in the process of fading, which traces are left in the act of forgetting?
The works shown in the exhibition »Black Out – On the Verge of the Photographic« raise questions such as these. Malevich’s abstract creation is regarded as a pure artistic act – an iconoclastic revolt against the traditional repertoire of forms taken to that very point where background and design share the same substantiality. The aim of many of the works shown is to go back to the formal point of origin and to reduce the elements to such a degree that one moment alone dictates the picture. From reproducing reality, the works extend to producing reality by means of photography, painting and drawing, respectively. Yet questions as to the particular status of the image remain paramount.
The images, however, often make reference to social »Blackouts« – such as Kilian Breier’s chemically produced photograph »Regentropfen im Mai« (Raindrops in May, 1984) on the subject of radioactive rain after Chernobyl, or Edmund Clark’s scans of the »Letters to Omar«, which a detainee unjustly imprisoned in Guantanamo received from all over the world. Timm Rautert’s photograph taken in the depot of the Russian Museum in Leningrad shows the museum director Wladimir Gusew, who allowed Malevich’s Black Square, at that time still unappreciated, to be munpacked for the photographer.

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Farbfotografie, 102 x 116 cm

Claudia Angelmaier, Uta, 2013, Farbfotografie, 102 x 116 cm

CLAUDIA ANGELMAIER

Portrait

13. September – 26. Oktober 2013
Di – Fr 11-18 Uhr,  Sa 11 – 16 Uhr, u.n.V.

Claudia Angelmaier beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Arbeit mit medienreflexiven Fragestellungen. In ihren analogen Fotografien untersucht sie in verschiedenen Werkzyklen und Serien das Verhältnis von Original und Kopie oder das Zusammenspiel von Bild und Text. Für die Künstlerin bilden vorgefundene Materialien wie Abbildungen, Objekte oder Textstellen, die sie sammelt und in bestimmten Kategorien ordnet, den Ausgangspunkt. So werden beispielsweise Bücher, Postkarten und Dias zu Protagonisten ihrer großformatigen Werke. Angelmaiers Bilder besitzen dabei einen doppelten Repräsentationscharakter: die Fotografien zeigen sowohl ein Kunstwerk als auch das Medium seiner Repräsentation. Der Bogen von Angelmaiers künstlerischen Arbeiten spannt sich von Bücherskulpturen («Pflanzen und Tiere»), abstrakten Farbfeldfotografien («Color and Gray»), über Postkartenbilder («Works on Paper»), bis hin zu ihrer aktuellen Serie der Doppelbildnisse. In ihrer neuen Serie «Portrait» setzt sich Angelmaier thematisch mit der Zweidimensionalität des Mediums auseinander. In «Portrait» arrangiert Angelmaier bekannte Skulpturen wie den «David» oder die «Uta» ausschnitthaft als Doppelporträt in einem Bild und karikiert damit die Unzulänglichkeiten des Mediums, die Dreidimensionalität eines Körpers oder einer Figur im Raum in einem Bild oder in mehreren Bildern wiederzugeben. In Angelmaiers Bild «Uta» erscheint das Gesicht der bekannten Skulptur gedoppelt, in zweifacher Abbildung. Die unmerkliche perspektivische Verschiebung zusammen mit den Bildüberlagerungen und dem Raster verleihen dem Bild etwas Rätselhaftes. Angelmaiers Uta im Doppelporträt blickt uns direkt und verführerisch aus dem Bild entgegen und macht ihre eigentliche Herkunft vergessen. Claudia Angelmaier (*1972 Göppingen) studierte künstlerische Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig als Meisterschülerin von Timm Rautert. Sie lebt und arbeitet in Berlin

Claudia Angelmaier «Portrait» (English)

In her artistic work, Claudia Angelmaier deals with the topic of media-reflection. With her analogue photographs, she explores the relation between original and copy or the interaction between picture and text in various cycles or series of her work. Found material such as illustrations or pictures, objects or text passages collected and arranged in selected categories by the artist make up the point of origin. Thus books, postcards and slides can become the protagonists of her large-sized works. In this way Angelmaier’s pictures bear a double representational character: the photographs show both a piece of art and the medium of its representation. The range of Angelmaier’s artistic work stretches from book sculptures («Pflanzen und Tiere» / «Plants and Animals»), abstract colour field photography («Color and Gray») and postcard pictures («Works on Paper») to her current series of double portraits. In her new series «Portrait» Angelmaier explores the topic of two-dimensionality of the medium by arranging well-known sculptures such as «David» or «Uta» fragmented as double portraits in a picture and thus caricatures the inadequacy of the medium to depict the three-dimensionality of a corpus or a figure in the room in one or several pictures. In Angelmaier’s picture «Uta», the face of the well-known sculpture appears doubled, in a two-folded depiction. In combination with the superposition of the pictures and the grid, the perspective shift provides a mysterious touch to the picture. In the double portrait, Angelmaier’s Uta looks at us directly and seductively – making us forget about her true origin. Claudia Angelmaier (*1972 Göppingen, Germany) studied artistic photography at the Acadamy of Visual Arts Leipzig as student of the master class of Timm Rautert. She lives and works in Berlin.

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Öl auf Papier, 250 x 203 cm

Stefan Guggisberg, ohne Titel (Beginn), 2013, Öl auf Papier, 250 x 203 cm

STEFAN GUGGISBERG

Entfernung zur Sonne

13. September – 28. Oktober 2013
Di – Fr 11-18 Uhr,  Sa 11 – 16 Uhr, u.n.V.

In den Arbeiten von Stefan Guggisberg ist eigentlich Unfassbares zu sehen. Eben jenes Irgendetwas, etwas, das nicht auf diesen oder jenen Begriff zu bringen wäre – wobei der Begriff des «Unfassbaren» ja eben dieses auf den außerhalb des Bildes stehenden Begriff zu bringen versucht. Aber die Metapher des Unfassbaren drängt sich nicht etwa deswegen auf, weil der Bilderkosmos von Guggisberg in die Abstraktion gleiten und kippen würde oder ungegenständlich wäre. Es sind sehr wohl Dinge zu sehen, die Erinnerungen wecken, wie sich in der kleinformatigen Serie «Entfernung zur Sonne» zeigt: da ein Brett, da ein feuerähnlicher, jedoch tiefblauer Wirbel, dort eine Tür, ein Glas, herumliegende Textilien – und das alles taucht in Räumen auf, die perspektivisch materialisiert sind und teils klare Konturen haben, also in Zimmern oder in einer Art Landschaft.
Die Betrachtenden treten in Szenerien ein, die zugleich Geschichten sein könnten, vielleicht auch Träume, Alpträume: Etwas geschieht, etwas ist geschehen, etwas könnte geschehen – so sagt das Gefühl, ohne dieses Geschehen benennen zu können. So genau-vage und unverortbar die Räume, so unidentifizierbar die Geschichten. Die Bilder sind derart sehr narrativ – um sich dem Narrativen sogleich wieder zu entziehen. Sie scheinen illustrativ, der Text aber ist unwiederbringlich verloren gegangen, der hier zu den Bildern geführt haben könnte. Denn es gibt keinen Text. Es gibt nur das Bild. Und das Bild schweigt. Text: Konrad Tobler

Stefan Guggisberg (*1980 Thun, Schweiz) studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Christopher Muller und Timm Rautert sowie als Meisterschüler bei Neo Rauch. Er lebt und arbeitet in Leipzig.

Stefan Guggisberg «Entfernung zur Sonne» (English)

In the works by Stefan Guggisberg the rather incomprehensible can be seen. The very thing that cannot be grasped with one or another term, whereas the term of the «incomprehensible» is trying to find a term outside of the picture for exactly that. But the metaphor of the incomprehensible is not imposed on us because Guggisberg’s realm of images slides or shifts into abstraction or because it is non-figurative or non-representational. We can indeed see things that evoke memories, as apparent in the small-sized series «Entfernung zur Sonne» («Distance to the Sun»): a board here, a fire-like yet deep blue whirl there, a door, a glass, textiles lying around – all that appearing in spaces materialized with regard to perspective and with partly clear outlines, i.e. in rooms or some kind of landscape.

The viewers enter into the scenery which can be both stories and possible dreams or nightmares: something happens, something happened, something could happen – that’s what we’re told by our feelings without being able to specify whatever took/is taking place. As exact-vague and unable to locate the spaces are, as unidentifiable are the stories. In this way the pictures are very narrative – only to instantly abscond the narrative again. They seem illustrative, however, the text that could have led us to the pictures here is lost beyond retrieval. Because there is no text. There is only a picture. And the picture remains silent. Text: Konrad Tobler
Stefan Guggisberg (*1980 Thun, Switzerland) studied at the Acadamy of Visual Arts in Leipzig with Christopher Muller and Timm Rautert as well as student of the master class of Neo Rauch. He lives and works in Leipzig.

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Johannes Lotz, Regelwerk, Öl und Tempera auf Leinwand, 175 x 155 cm

Johannes Lotz, Regelwerk, Öl und Tempera auf Leinwand, 175 x 155 cm

 Johannes Lotz

Kein Märchen

23. Mai – 29.  Juni 2013
Di – Fr 11-18 Uhr,  Sa 11 – 16 Uhr, u.n.V.

„Es geht mir darum, besondere Räume zu schaffen, um in eine bestimmte Stimmung zu kommen, wie es sie beispielsweise auch in Märchen gibt. Mit den Bildern habe ich die Möglichkeit, eine Welt zu schaffen, in dem das Spektrum des Seins Platz hat und keine Wertung erfährt, wo Dinge düster, poetisch oder auch absurd sein dürfen.“ Johannes Lotz lässt in seinen Gemälden Bildwelten entstehen, die bevölkert sind von bizarren Figuren, die auf verschlungenen Wegen zu seltsamen Orten in sonderbare Handlungen verstrickt sind. Hier und da streifen sie vertraute Märchenmotive, deren Geschichten jedoch durch die Zerstücklung der Narration und formale Uneinheitlichkeit gebrochen sind und damit verschlüsselt bleiben. Auch die bruchstückhaften Zitate kunsthistorischer Themen, wie der Malerei des 16. und frühen 17. Jahrhunderts, tragen zu spannungsvollen Bildstrukturen bei. Vorherrschend ist stets eine fein austarierte Balance zwischen leuchtenden, klaren und gebrochenen Farben, sowie aus zeichnerisch und malerisch ausgearbeiteten Bildelementen.

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    Emeli Theander, The Captive Mind, 2013, Öl auf Leinwand, Diptychon, 250 x 280 cm

Emeli Theander, The Captive Mind, 2013, Öl auf Leinwand, Diptychon, 250 x 280 cm

Emeli Theander

Irrgäster

24. Mai – 29. Juni 2013
Di – Fr 11-18 Uhr,  Sa 11 – 16 Uhr, u.n.V.

Einführung Dr. Peter Joch, Direktor der Kunsthalle Darmstadt, 19.30 Uhr
Emeli Theanders symbolistisch anmutende Malerei konkretisiert sich auf der Grenze
zwischen dem schönen Schein und dem Unheimlichen. Ihre vergeisterten Wesen in
traumhaft düsteren Szenerien, lassen auch malerisch dem Vagen und Irrlichtigen seinen
Raum und geben sich der Lust am Schauer hin. Der Titel der Ausstellung ist ein
vogelkundlicher Begriff, der sich auf verirrte Vögel bezieht, die plötzlich weit entfernt
von ihren angestammten Gebieten auftauchen. Meist sind es Stürme, die sie von ihren
Zugwegen abbringen und zu Irrgästen werden lassen. Bei Emeli Theander sind Vögel
ein fester Bestandteil ihres Motivrepertoires, eine Art Schlüssel im
Dechiffrierungsvorgang ihrer Arbeiten. Vögel haben symbolische Bedeutung in vielen
Kulturen. Sie sind Boten zwischen den Welten, sie sind Symbole für Glück oder
Unglück, für Freiheit oder für Weisheit. In Theanders Welt füllen sie eine spezifische
Rolle aus: sie stellen die Verbindung zur Geisterwelt in ihren Gemälden her.

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Agata Madejska

Agata Madejska, aus der Serie The Order of Solids

AGATA MADEJSKA

8.2.2013 – 14.3.2013
Di – Fr 11-18 Uhr,  Sa 11 – 16 Uhr, u.n.V.

Agata Madejska (geb. 1979 in Warschau, lebt und arbeitet in London und Essen) findet ihre oftmals erst auf den zweiten Blick erkennbaren Bildmotive im urbanen Raum. In ihren Bildern löst sie prägnante architektonische Strukturen wie Monumente, Wolkenkratzer oder Stadtmobiliar aus dem sie umgebenden Stadtraum. Madejska überführt sie unter der Hervorhebung der grundlegenden Prinzipien des fotografischen Mediums wie denen des Lichts, der Kontraste, der Komposition und der Entfremdung in eine neue Bildwirklichkeit. Sowohl historisch stark aufgeladene Objekte, wie zum Beispiel das Denkmal der Aufständischen des Warschauer Ghettos, als auch temporäre Installationen, etwa der Sky Mirror von Anish Kapoor in London, werden in ihren Fotografien gleichermaßen zu abstrakten Zeichen, die den Bildraum dominieren. In ihrer manifesten, geradezu theatralischen Anwesenheit sind die Dinge jedoch umso mehr abwesend. Madejskas Fotografien lassen sie erscheinen als das, was sie sind: prekäre Projektionsflächen einer sich immer wieder selbst vergewissernden Kultur.

Ende April 2013 erscheint im Verlag DISTANZ eine Monographie zu den drei großen Werkzyklen der vergangenen sieben Jahre. Mit einem Text von Kathrin Meyer und Prosastücken von Gareth Bell-Jones.

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Künstlerhaus Stuttgart
Reuchlinstraße 4b 70178 Stuttgart


+49 711 617652
info@kuenstlerhaus.de
http://kuenstlerhaus.de

“HNTBS” by Hito Steyerl 23. Mai – 13. Juli 2014

Hito Steyerl, How Not To Be Seen. A Fucking Didactic Educational. MOV File , 2013. HD video file, single screen, 14min.

Steyerl zählt zu den führenden Stimmen der zeitgenössischen Kunst. Als Künstlerin, die eine ganz eigene filmische Sprache entwickelt hat, als Autorin, die vielschichtige, kontroverse Argumentationen und kritisches Denken mit feministischen und antimilitaristischen Statements verbindet, nimmt sie eine einzigartige Position ein.

 

“Life of Objects by Erdağ Aksel”

„Something Like That“ aus der Serie „Objects of Beauty“, Installationsansicht Künstlerhaus Stuttgart, „Life of Objects“ by Erdağ Aksel, 2014, Photo: Fabian Schewe

Das Künstlerhaus Stuttgart präsentiert in seinem Frühjahrsprogramm die erste umfassende Einzelausstellung des in Istanbul lebenden Bildhauers Erdağ Aksel in Deutschland. Die Ausstellung „Life of Objects“ legt den Fokus dabei auf grundlegende konzeptuelle Tendenzen in Aksel’s künstlerischer Praxis, wie an einer neuen Videoarbeit, die speziell in diesem Kontext produziert wird, veranschaulicht werden soll.

 

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Image: Leyla Gediz: Bandages, Detail, 2006

Skeptical Thoughts on Love

Skeptical Thougts on Love lässt solche künstlerischen Sichtweisen hinter sich, die noch von vielfältigen Formen der Nähe, der Vertrautheit und des Obsessiven ausgehen. Methodologisch ist die Ausstellung inspiriert von der physischen Wirklichkeit, den möglichen Auswirkungen und dem Wandlungsvermögen der Liebe. Die Ausstellung stellt Mutmaßungen über die Potentialität von Liebe an, als sei diese die einzig mögliche Form des Widerstands, die in unserer heutigen Einsamkeit noch eine erkenntnisbezogene/kollektive Revolution bewirken könnte. Sie fordert Stille als ein konzeptuelles Werkzeug im Umgang mit menschlichen Beziehungen und Kunst und will als Versuchsgelände für Selbstbeobachtung, Selbstanalyse und Selbstreflexion fungieren.

Künstler:
Natalie Czech, Keren Cytter, Mariechen Danz, Leyla Gediz, Judith Hopf, Matthias Megyeri, Henrik Olesen, Christodoulos Panayiotou, Johannes Paul Raether, Sophie Reinhold, Emily Roysdon, Eva Schmeckenbecher, Jake Yuzna and Adbusters

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VIDEO PROGRAMM:
PROJECT 35 Volume 2



10.10.-8.12.2013
2. OG

Künstlerhaus Stuttgart



Kuratoren:
Leeza Ahmady (Afghanistan/US), Meskerem Assegued (Ethiopia), Daina Augaitis (Canada), Defne Ayas (Turkey/The Netherlands), Regine Basha (US), Valerie Cassel-Oliver (US), Rosina Cazali (Guatemala), Stuart Comer (US/UK), Veronica Cordeiro (Brazil/Uruguay), Christopher Cozier (Trinidad and Tobago), María del Carmen Carrión (Ecuador/US), Rifky Effendy (Indonesia), Özge Ersoy (Turkey), N’Goné Fall (Senegal), Amirali Ghasemi (Iran), Vít Havránek (Czech Republic), Hou Hanru (US/China), Virginija Januskeviciute (Lithuania), Abdellah Karroum (Morocco), Sun Jung Kim (South Korea), Pablo León de la Barra (Mexico/UK), Maria Lind (Sweden), Yandro Miralles (Cuba), Srimoyee Mitra (Canada), Nat Muller (The Netherlands), Sharmini Pereira (Sri Lanka/UK), Nataša Petrešin-Bachelez (France/Slovenia), Kathrin Rhomberg (Austria), Mats Stjernstedt (Sweden/Norway), David Teh (Australia/Thailand), Philip Tinari (US/China), Christine Tohme (Lebanon), Raluca Voinea (Romania), Jochen Volz (Germany/Brazil), and Adnan Yildiz (Germany).


Künstler:
Jonathas de Andrade (Brazil), Marwa Arsanios (Lebanon), Zbyněk Baladrán (Czech Republic), Michael Blum (Israel/Canada) and Damir Nikšić (Bosnia/Sweden), Deanna Bowen (US/Canada), Pavel Braila (Moldova), Aslı Çavuşoğlu (Turkey), Park Chan-Kyong (South Korea), Josef Dabernig (Austria), Elena Damiani (Peru), Shezad Dawood (UK), Annika Eriksson (Sweden), Antanas Gerlikas (Lithuania), Annemarie Jacir (Palestine), Lars Laumann (Norway), Aníbal López (A1 53167) (Guatemala), Reynier Leyva Novo (Cuba), Basim Magdy (Egypt), Cinthia Marcelle (Brazil), Bradley McCallum & Jacqueline Tarry (US), Ivana Müller (France/The Netherlands/Croatia), Ahmet Ögüt (Turkey), Jenny Perlin (US), Agnieszka Polska (Poland), Sara Ramo (Spain), Wok the Rock (Indonesia), Sona Safaei (Iran), Heino Schmid (The Bahamas), Prilla Tania (Indonesia), Alexander Ugay (Kazakhstan), Sun Xun (China), Jin-Me Yoon (Korea), Dale Yudelman (South Africa), Helen Zeru (Ethiopia), Chen Zhou (China).

Videoprogramm
 Im Jahr 2010 rief das ICI das PROJECT 35 ins Leben. Ein Videoprogramm bestehend aus Ein-Kanal-Videos, die von 35 international tätigen Kuratoren ausgewählt wurden. Jeder der Kuratoren wählte eine Arbeit eines Künstlers aus, von dem sie der Meinung sind, dass er wichtig ist, um von einem internationalen Publikums wahrgenommen zu werden. Das Ergebnis dieser Auswahl wurde an verschiedenen Orten präsentiert: Berlin, Deutschland; Cape Town, Südafrika; Lagos, Nigeria; Los Angeles, Kalifornien; New Orleans, Louisiana; Skopje, Mazedonien; Storrs, Connecticut; Taipei, Taiwan und Tirana, Albanien. Nachdem sich PRJECT 35 einer so großen Popularität erfreute und sehr erfolgreich verlief, kooperierte das ICI mit weiteren 35 internationalen Kuratoren um PROJECT 35 VOLUME 2 zu produzieren. Wieder schafft es das ICI aus seinem umfangreichen Netzwerk an Kuratoren die Komplexität von regionalen und internationalen Verbindungen unter den Teilnehmern und die Vielfalt ihrer unterschiedlichen Herangehensweisen für eine Videoproduktion zusammenzuführen. 35 Kuratoren aus 6 Kontinenten, von denen jeder eine Arbeit für diese Zusammenstellung auswählt, um die Vielfalt der künstlerischen Arbeitsweisen in diesem Medium der Öffentlichkeit zu präsentieren und zugänglich zu machen.

Project35_V2_Teil I

Project35_V2_Teil II

Project35_V2_Teil III


Project35_V2_Teil IV

Projekt 35 Volume 2 ist eine Wanderausstellung, die von Independent Curators International (ICI), New York produziert wurde. Diese Ausstellung wurde teilweise ermöglichte durch Spenden von der Horace W. Goldsmith Foundation, der Robert Lehmann Foundation, dem ICI Kuratorium und von Spendern des ICI Fonds.

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Apparatus Criticus & Locus

25. Mai 2013 – 4. August 2013

Künstlerhaus Stuttgart Ausstellung, 2-4. Stock

 

Footnotes

25. Mai 2013 – 24. Juni 2013

Lotte

 

 

Eröffnung: Freitag, 24. Mai 2012, 18 Uhr

APPARATUS CRITICUS
Artists: Aaron Angell, Ziad Antar, Alejandro Cesarco, Bouchra Khalili, Shirin Sabahi, Pilvi Takala, Rinus Van de Velde
Curator: Adnan Yıldız
LOCUS
Artists: Khaled Barakeh, Ünsal İçöz, Filippa Pettersson, Frederike Vidal & Judith Groth
Curator: Didem Yazıcı
FOOTNOTES at Lottte (bis 24 Juni 2013)
with participation by Input/Output Izmir (Turkey) based artist collective

Mehr info: www.kuenstlerhaus.de

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Künstlerische Dialoge V

Cevdet Erek ”Pattern Anti-Pattern”

Slavs & Tatars ”Behind Reason”

9. März 2013 – 6. Mai 2013

Ausstellung, 2-4. Stock

Eröffnung: Freitag, 8. März 2012, 18 Uhr

Die Reihe der Künstlerischen Dialoge, die 2011 ins Leben gerufen wurde, findet ihren Abschluss in einer letzten Episode. Es handelt sich um eine Reihe von Einzelausstellungen, die simultan bzw. in versetzten Positionen gezeigt werden und dabei beide Ausstellungsebenen im Künstlerhaus miteinbeziehen. Die Künstler, die das Finale bestreiten, sind keine Unbekannten: Cevdet Erek war auf der dOCUMENTA(13) vertreten und wurde 2012 mit dem Nam June Paik Award ausgezeichnet. Das Künstlerkollektiv Slavs and Tatars hat neben anderen Institutionen weltweit auch in der Wiener Secession und im New Yorker MoMA ausgestellt.

Dieses Projekt wird unterstützt von:

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ZINNOBER-SOMMER 2012

Ein Projekt über Selbstorganisation, Arbeitsräume und Materialität


Ausstellung, 4. Stock

30. Juni 2012 – 2. September 2012

Eröffnung: Freitag, 29. Juni 2012, 19 Uhr

Teilnehmende KünstlerInnen:
Barbara Armbruster, Adeline Bohnet, Jochen Detscher, Yves Findling, Angelika Flaig/Matthias Schneider-Hollek/Michael Wackwitz, Tilda George, Manu HarmsSchlaf, Susanne Hartmann, Barbara Karsch-ChaÏeb, Hedda Katsaros, Karima Klasen, Christiane Lesch, Gisela List, Sabine Lorenzen, Birgit Mendel, Monika Nuber, Georg Ozory, Monika Pfrommer, Gwendolyn Rabenstein, Maria Grazia Sacchitelli, Stefanie Schellenberger, Gisela Schulz, Charlotte Squire, Robert Steng, Hans-Jürgen Wolfsturm

Recherche und Produktion:
Daniel Coley, Jochen Detscher, Regina Fasshauer, Ronald Kolb, Birgit Mendel, Gwendolyn Rabenstein, Adnan Yildiz

mit Material-Bibliothek, Archiv und Q & A/Werkstätten Künstlerhaus Stuttgart

Am Freitag, den 29. Juni 2012, eröffnet die diesjährige Sommerausstellung des Künstlerhaus Stuttgart unter dem Titel „ZINNOBER-SOMMER 2012“. Die Ausstellung versammelt Werke lokaler KünstlerInnen unterschiedlicher Disziplinen, die eigens vor Ort in den Künstlerhaus-Werkstätten entstanden sind. Darüber hinaus werden eine Werkstoffbibliothek, Archivmaterial sowie Interviews mit den teilnehmenden KünstlerInnen präsentiert.

Die Idee zum Projekt “ZINNOBER-SOMMER 2012″ begründet sich aus jener Aufgabe, die sich das Künstlerhaus Stuttgart seit fast 35 Jahren zu eigen macht: KünstlerInnen in Stuttgart und Umgebung mit Produktionsräumen in Form von interdisziplinären Werkstätten zu versorgen.

Die Werkstätten für Tonaufnahmen, Fotografie, Film, Computer- und Videokunst, Siebdruck, Radierung, Lithographie, Hochdruck und Keramik befinden sich im selben Gebäude in der Reuchlinstraße 4b wie die Ateliers, Büro- und Ausstellungsräume des Künstlerhauses. In diesen Werkstätten arbeiten Stuttgarter KünstlerInnen an ihren Werken, manchmal im Austausch und in Kooperation mit internationalen Künstler-Innen. Regelmäßig finden in den Werkstätten Einführungskurse und Seminare zu Einzelthemen statt. Die Werkstätten bieten nicht nur Raum für künstlerische Experimente und die Produktion der Arbeiten, sondern auch einen Ort der Diskussion und des Austauschs.

“ZINNOBER-SOMMER 2012″ bringt die einzelnen Werkstätten im Künstlerhaus in der Auseinandersetzung mit einem gemeinsamen Thema im Sinne einer formalen und/oder inhaltlichen Klammer zusammen: „ZINNOBER“, das klassische Pigment mit seiner historischen und kunsthistorischen Bedeutung, aber auch seiner umgangssprachlichen Mehrdeutigkeit.
Das Projekt ermuntert die Beteiligten zu einer (kritischen) Befragung ihrer individuellen Produktions-erfahrungen in den Künstlerhaus-Werkstätten im Kontext einer Neufassung von Begriffen wie Selbstorganisation, Arbeitsraum, kollektive Kreativität und Materialität. Integraler Bestandteil des Projektes ist die Entwicklung eines selbstorganisierten Arbeitsprozesses durch die beteiligten KünstlerInnen, der sowohl eine künstlerische als auch kuratorische Beteiligung und Kollaboration beinhaltet.

Das Projekt behandelt ebenso Fragen, die mit dem Ausstellungsmachen als Lernprozess, mit Materialexperimenten und dem Verhältnis von Material und künstlerischer Form zu tun haben. Die TeilnehmerInnen betrachten dabei Ihre Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit folgenden Fragen:

- Welchen Einfluss hat die Materialität auf den jeweils eigenen künstlerischen Ansatz bzw. auf die Konzeption der künstlerischen Produktion und darauf, wie wir künstlerische Äußerungen aufnehmen und Ausstellungen wahrnehmen?

- Wie definieren und unterscheiden sich Ateliers, Werkstätten und der Ausstellungsraum als Orte der künstlerischen Produktion?

- Wie könnten kollektive Kreativität und Selbstorganisation zu einem institutionellen Modell beitragen, bei dem ein Ausstellungsprogramm mit anderen Produktionseinheiten wie Ateliers oder Werkstätten verbunden wird?

In der Suche nach möglichen Antworten auf diese Fragen, ist die Ausstellung „ZINNOBER-SOMMER 2012“ als kontinuierlicher Workshop zu verstehen, der den Prozess des Ausstellungsmachens gewissermaßen umkehren und diesen selbst als Werkstattprozess begreifbar machen will. Die Finissage bietet abschließend Gelegenheit, das Format der „Ausstellung“ als Produktionsform und kollektive Erfahrung rückblickend noch einmal zu bewerten.

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TERMINE:

Samstag, 14. Juli 2012, 11-18 Uhr
Offene Werkstätten
Die Druckwerkstätten und die Keramikwerkstatt im Erdgeschoss sowie das Fotolabor im 1. Stock sind für Interessierte geöffnet und geben Einblick in die Produktionsbedingungen im Künstlerhaus. Die hier arbeitenden KünstlerInnen lassen sich an diesem Tag über die Schulter schauen, bieten Technikvorführungen an und stehen für die Beantwortung von Fragen rund um das Arbeiten im Künstlerhaus zur Verfügung.

Montag, 23. Juli 2012, 19 Uhr
Zinnoberrot – Geschichte und Herstellung eines Pigments
Vortrag von Eva Eis, Dipl.-Restauratorin bei Kremer Pigmente/Farbmühle Aichstetten
www.kremer-pigmente.de

Sonntag, 2. September 2012, 11 Uhr
Finissage-Zinnober

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MIT FREUNDLICHER UNTERSTÜTZUNG DER LBBW.

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KÜNSTLERISCHE DIALOGE

Solmaz Shahbazi: Dreamland


11. Februar 2012 – 1. April 2012

Eröffnung: Freitag, 10. Februar 2012, 19 Uhr


Künstlerhaus 4. Stock

Das Künstlerhaus Stuttgart freut sich, die erste Einzelausstellung von Solmaz Shahbazi in Stuttgart zu präsentieren.
Als Absolventin der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart zeigt Shahbazi im Künstlerhaus einen Ausschnitt aus ihrem filmischen und fotografischen Schaffen der letzten Jahre.
Solmaz Shahbazi wurde 1971 in Teheran geboren und lebt seit 1985 in Deutschland. Sie studierte Architektur und Design an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und lebt seit einigen Jahren in Berlin. Neben ihrer Teilnahme an der 7. Sharjah-Biennale und der 9. Istanbul-Biennale sowie der 1. Thessaloniki-Biennale für Zeitgenössische Kunst wurden Shahbazis Arbeiten seit 2001 umfangreich in Europa, den USA sowie dem Mittleren Osten gezeigt.
Die Ausstellung “Dreamland” vereint mit “Persepolis” den dritten Teil von Shahbazis “Tehran Trilogy” sowie die Fotoserie “Dreamland Cairo” und den gleichnamigen Film aus dem Jahr 2010. Überdies zeigt die Ausstellung zwei Work-in Progress-Arbeiten der Künstlerin.

TERMINE:

Donnerstag, 23. Februar 2012, 18 Uhr
 Kuratorenführung durch die Ausstellung mit Adnan Yildiz

Samstag, 17. März 2012, 19-2 Uhr 
LANGE NACHT DER MUSEEN
 Ausstellung und Werkstätten geöffnet

Freitag, 30. März 2012, 19 Uhr
 Filmprogramm “State of Fluidity” 
Als Teil der Ausstellung „Dreamland“ präsentiert Sarah Rifky ein gemeinsam mit Maha Maamoun kuratiertes Filmprogramm unter dem Titel „State of Fluidity“. Das Programm geht der Frage nach, inwiefern sich die Lesbarkeit und Wahrnehmung von Filmen unterscheiden, je nachdem, ob sie Teil eines Filmprogramms sind oder als Einzelwerke in einer Ausstellung präsentiert werden.
Sarah Rifky lebt und arbeitet als freie Kuratorin und Autorin in Kairo und ist beteiligt an der diesjährigen dOCUMENTA (13).

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SOLIDARITÄTS-AUKTION
KÜNSTLERHAUS STUTTGART

Dienstag, 6. Dezember 2011, 18-20 Uhr
AUKTIONSVORBESICHTIGUNG IM RAHMEN DER LINIE WEST
Künstlerhaus Stuttgart: Reuchlinstraße 4b
Galerie Parrotta: Augustenstraße 87-89
Galerie Klaus Gerrit Friese: Rotebühlstraße 87
Galerie Reinhard Hauff: Paulinenstraße 47

 Samstag, 10. Dezember 2011, 18 Uhr
AUKTION & AFTER PARTY
Künstlerhaus Stuttgart, 2. Stock

Mit Arbeiten von:
Nevin Aladag, Erdag Aksel, Benjamin Badock, Hagen Betzwieser/Sue Corke,Anne-Lise Coste, Discoteca Flaming Star, Marc Dittrich, Annika Eriksson, GFS, Nilbar Güres, Claude Horstmann, JAK, Bernhard Kahrmann, Inga Kerber, Karima Klasen, Steffen Kugel, Matthias Megyeri, Gabriela Oberkofler, Ahmet Ögüt, Dan Perjovschi, Johannes Paul Raether, Rock und Bluse, Simone Rueß, Yorgos Sapountzis, Eva Schmeckenbecher, Slavs and Tatars, Robert Steng, Erik Sturm, Chen Wang, Sylvia Winkler/Stephan Köperl, Georg Winter, Ming Wong und vielen anderen …


Als Ort der Produktion, des Experiments und des Diskurses über zeitgenössische Kunst spielt das Künstlerhaus Stuttgart seit seiner Gründung im regionalen wie im internationalen Kontext eine wichtige Rolle. Um die bisherige Dichte an Aktivitäten auch in finanziell schwierigen Zeiten weiterhin leisten zu können und die Institution als offenes und unabhängiges Zentrum der Kunst zu erhalten, sucht das Künstlerhaus unablässig nach alternativen Mitteln und Möglichkeiten, um seine Arbeit zu finanzieren.

Aus diesem Grund wurden zahlreiche Künstlerinnen und Künstler aus Stuttgart und der Region als auch dem internationalen Umfeld um Werkspenden gebeten, die in einer Abendveranstaltung mit anschließender Party zu Gunsten des Künstlerhauses versteigert werden. Sämtliche Erlöse aus der Versteigerung werden dem Künstlerhaus zur Verfügung gestellt, um finanzielle Engpässe auszugleichen, die nicht zuletzt seit den Budgetkürzungen im Stuttgarter Kulturhaushalt vor zwei Jahren den Betrieb des Künstlerhauses zunehmend erschweren.

Die gestifteten Arbeiten stammen nicht nur von aktuell in den Künstlerhaus-Ateliers arbeitenden StipendiatInnen und von Beteiligten diesjähriger Ausstellungen im Künstlerhaus, sondern auch von befreundeten KünstlerInnen, die dem Haus und seiner Arbeit nahe stehen und ein Zeichen der Verbundenheit setzen möchten. Darüber hinaus haben sich die Galerie Parrotta, die Galerie Klaus Gerrit Friese und die Galerie Reinhard Hauff sowie das Galerienhaus Stuttgart ebenfalls bereit erklärt, jeweils ein Werk aus ihrem Galerieprogramm für die Auktion im Künstlerhaus zur Verfügung zu stellen.

Die zu ersteigernden Werke können im Rahmen der LINIE WEST am Dienstag, den 6. Dezember 2011, von 18 bis 20 Uhr im Künstlerhaus sowie den Galerien Parrotta, Friese und Hauff vorbesichtigt werden. Zur Vorbesichtigung liegt im Künstlerhaus und den beteiligten Galerien die komplette  Werk- und Preisliste auf.

Um eine Anmeldung zur Teilnahme an der Auktion wird gebeten bis Mittwoch, den 7. Dezember 2011, unter ay@kuenstlerhaus.de.

Ein Teil der Arbeiten wird bereits vorab im Rahmen einer “STILLEN AUKTION”angeboten, die ab sofort bis Samstag, den 10. Dezember, 18:30 Uhr, läuft. Die hierfür zur Verfügung stehenden Arbeiten einschließlich Informationen zu den KünstlerInnen und jeweiligen Preisen finden Sie hier:
Download Werk- und Preisliste STILLE AUKTION (pdf)

Im Rahmen der Solidaritäts-Auktion werden 2 KAUFOPTIONEN angeboten, die sowohl für die “STILLE AUKTION” als auch für die LIVE AUKTION am 10. Dezember gelten:

a) Sofortkauf
Jede Arbeit in der Auktion wird für einen speziellen Preis zum Sofortkauf angeboten.
Bitte füllen Sie hierzu das folgende Formular aus:
Download Formular SOFORTKAUF (pdf)

b) Online-Gebot
Mit einer Email an ay@kuenstlerhaus.de können Gebote für alle zur Verfügung stehenden Arbeiten unter Angabe des jeweiligen Höchstgebotes bis Samstag, den 10. Dezember 2011, 18:30 Uhr, auch online erfolgen.
Bitte füllen Sie hierzu das folgende Formular aus:
Download Formular ONLINE-GEBOT (pdf)

Das Künstlerhaus Stuttgart dankt allen beteiligten KünstlerInnen, Galerie Parrotta, Galerie Klaus Gerrit Friese, Galerie Reinhard Hauff und dem Galerienhaus Stuttgart für ihre großzügigen Werkspenden und dem ICI New York für die beratende Unterstützung.

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Kalender

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Okt12345678910111213141516171819202122232425262728293031
Nov123456789101112131415161718192021222324252627282930

Blog

7 statt 19

Die reduzierte Umsatzsteuer für die Bildende Kunst hat sich seit Jahrzehnten bewährt. Für die Kultur insgesamt ist sie das denkbar effektivste Förderinstrument. Sie hat entscheidend dazu beigetragen, dass sich die Künste in Deutschland in einzigartiger Vielfalt entwickeln konnten.

Diese ist durch das Vorhaben der Europäischen Kommission massiv gefährdet. Denn die wirtschaftlichen Einbußen, die in Folge der geforderten Mehrwertsteueranhebung eintreten würden, liegen auf der Hand: sie werden denkbar schlechte Auswirkungen auf den gesamten Kunstbetrieb haben. Dagegen setzen sich alle Akteure und Institutionen im Kultursektor mit Entschiedenheit zur Wehr! Von einem sich degressiv entwickelnden Kunstmarkt sind nämlich nicht zuletzt die Künstler betroffen, deren wirtschaftliche Situation analog zur Vermarkterseite überwiegend instabil ist.  Der Großteil der Galerien – mehr als 90% – macht entgegen den Annahmen der öffentlichen Meinung nur ausnahmsweise nennenswert über sechsstellige Jahresumsätze. Die Mehrwertsteuerermäßigung ermöglicht Galerien, die sich in hohem Maße der Kunst und der Künstlerförderung verpflichtet fühlen, ihre Arbeit.

Die Bildende Kunst macht mit den anderen Sparten (Musik, Publizistik und darstellende Kunst) den Gesamtbegriff einer Kultur aus, die notwendig für die Erneuerung und die Substanz des gesellschaftlichen Gefüges ist. Sie darf steuerlich nicht ungleich behandelt werden. Parallel zur Steuergerechtigkeit innerhalb der Kultursparten darf es auch keine Unterschiede in der steuerlichen Behandlung von Direktverkäufen durch die Künstler einerseits und Verkäufen durch den Kunsthandel andererseits geben, was der Kommission groteskerweise als gerecht vorschwebt. Es geht jetzt und auf Dauer in der Bildenden Kunst – ausgelöst durch eine in sich nicht konsistente Forderung der Europäischen Kommission – um die Einheit von Museen, Sammlern, Künstlern, Galeristen und Kunsthändlern, die ihren symbolischen und konkreten Ausdruck in einer Zahl findet: 7%.

Galerie Klaus Gerrit Friese

     
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Interview mit Marc Bijl von Adnan Yildiz

 

Ausstellungsansicht: Marc Bijl "never trust a rebel", Galerie Reinhard Hauff, Stuttgart, 2012

 

 

ADNAN YILDIZ: Mich interessiert, wie du eine malerische Sprache der Abstraktion entwickelst, wie sie zum Bespiel klar in deiner Einzelausstellung in der Galerie Reinhard Hauff erkennbar ist durch die Verwendung der Farbe als Material, nämlich Schwarz und Silber sowie Beton und Sprayfarbe …

MARC BIJL: Teilweise kommt diese malerische Sprache aus dem Graffiti, teilweise aus der Tradition der so genannten ‘Murals’. Das sind aktivistische Wandmalereien, die manchmal eine Text-Message haben. Mir ist aufgefallen, dass diese Form, diese politischen Texte oder unlesbaren Graffiti-’Tags’ selbst schon ein bestimmtes Schwarz/Weiss-Denken zeigen. Dass sie eine Art Logo von bestimmten Gedanken sind, die früher in meinem Leben einmal interessant waren. Für oder dagegen, links oder rechts, Trust oder Rebel. Ich wollte diese abstrakten Strukturen in klaren Malereien zeigen.

AY: Ich glaube, in deinen Arbeiten sind Malewitsch und Rothko nicht nur formale Bezugspunkte, sondern du spielst, indem du sie reproduzierst, auch mit ihrem kunsthistorischen Rang und ihrem Marktwert. Du irritierst den Betrachter, indem du diese Ikonen der Moderne wie Logos einsetzt…

MB: Sicher, aber ich finde diese Künstler (wie Josef Albers, Franz Kline, Mark Rothko und Malewitsch) auch wirklich interessant. Die Arbeiten sind – neben dem Fakt, dass es sich bei den Vorlagen um Stilikonen der Moderne handelt – auch eine Hommage an die Künstler. Diese haben versucht, ihre utopischen Gedanken und die Suche nach Spiritualität in einer abstrakten Form auszudrücken und dabei selbst nicht an ihren Marktwert gedacht. Es handelt sich daher eher um eine Kritik an dem heutzutage unentspannten Kunstbetrieb. Man scheint heute vergessen zu haben, dass große Künstler früher nicht unbedingt die meist gehypten Künstler waren, sondern eher Außenseiter, Underground-Figuren in ihrer Zeit. Vielleicht ist das aber auch nur meine romantische Sichtweise.

AY: Die aktuelle Einzelausstellung in der Galerie Reinhard Hauff setzt den Schwerpunkt auf Malerei. Dazwischen befindet sich eine Arbeit, die aus zwei bearbeiteten Spiegeln besteht und sozusagen die Stille der Malerei durchbricht. Ich erinnere mich daran, dass deine früheren Arbeiten vor allem als Mixed Media – Installationen angelegt waren. Ist diese Ausstellung nun für dich eine weitere Stufe der Abstraktion oder hast du sie auf diese Weise besonders für eine Galerie zugeschnitten?

MB: Ich bin im Moment mit Malereien beschäftigt, es war also logisch, diese auch als solche auszustellen, dh. alle in einem Raum. Wobei mich das Medium ‘Malerei’ auf diese Art und Weise doch an Graffiti und politische Wandmalerei erinnert. Es war also auch eine konzeptuelle Entscheidung, diese Malereien so – ohne viel Theater – zu zeigen. Grundsätzlich arbeite ich in verschiedenen Medien, auch mit Interventionen oder Installationen. Die Arbeit, der Raum und der Moment müssen aber immer zusammenpassen… In der Galerie Reinhard Hauff hatte ich die Idee einer reinen Malerei-Ausstellung, so etwas habe ich vorher noch nie gemacht!

AY: Was inspiriert dich in deiner Arbeit?

MB: Urbanes individuelles Leben gegenüber spirituellen Fragen.

AY: Wie ist dein Atelier aufgebaut?

MB: Chaotisch.

AY: Wo befindet es sich?

MB: In Berlin Kreuzberg.

AY: Wie arbeitest du in deinem Atelier?

MB: Langsam, dann wieder ganz schnell und chaotisch. Wenn ich die Hilfe von einem Assistent habe, geht es besser.

AY: Wie gestaltet sich der Arbeitsprozess in deinem Atelier?

MB: Chaotisch, ich denke und philosophiere im Büro oder kämpfe zuhause im Arbeitsraum.

AY: Kannst du etwas über die Bedeutung des Ateliers für deine Arbeit sagen?

MB: Ich habe ein großes Atelier, sehe es aber als Arbeitsplatz. Ich bin ein Künstler, der gerade nicht viel im Atelier sein will, weil es für mich Arbeit bedeutet. Ich komme dorthin, um Sachen zu ‘erledigen’, zu kämpfen, zu rauchen, zu malen und zum Bildhauen. Sehr klischeehaft, wie ein echter Künstler. Das schaffe ich aber nicht einen ganzen Tag lang. Den Rest des Tages denke ich nach, recherchiere und lese, am liebsten nicht in meinem Studio….

www.reinhardhauff.de


     
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INTERVIEW MIT SOLMAZ SHAHBAZI UND SARAH RIFKY / ADNAN YILDIZ 

 

 

ADNAN YILDIZ: Wann hast du den Prozess des Filmemachens für dich entdeckt? Wie entwickelte sich deine Beziehung zur zeitgenössischen Kunst? Welche Rolle spielt die Architektin Shahbazi in deiner Filmsprache?

SOLMAZ SHAHBAZI: Das Bild an sich hat mich schon lange interessiert. Während meines Studiums der Architektur an der Kunstakademie in Stuttgart begann ich vermehrt meine Arbeiten mit fotografischen Installationen zu präsentieren. Die erste Videoarbeit machte ich für ein Kurzprojekt im Hauptstudium. In der Arbeit ging es um Wahrnehmungsprozesse. Was mich zur Produktion meiner ersten Filmarbeit motivierte waren einige Gespräche über modernistische Architektur in Teheran und die Stadt an sich. Kurz nach meinem Diplom schlug ich Tirdad Zolghadr, mit dem ich die Gespräche geführt hatte, vor, mit mir einen Film über Teheran zu machen, bewusst der Tatsache, dass der Blickwinkel, aus dem wir die Stadt betrachten würden, viele Fragen aufwerfen und Betrachtungsweisen hinterfragen würde, die damals noch nicht so bekannt waren wie heute. Tirdad war hauptsächlich im Ausland aufgewachsen und hatte in der Schweiz studiert, ich war mit 14 nach Deutschland gekommen und hatte in Stuttgart Architektur studiert. Wir haben uns beide für die Architektur in Tehran, deren Entwicklung und Veränderung durch politische Umwälzungen der Gesellschaft interessiert. Außerdem haben wir das politische Gefüge im Land und dessen Präsentation und Repräsentation sowohl im Ausland als auch im Land selbst verfolgt und kannten die damals erzeugten Bilder der Medien aus beiden Perspektiven sehr gut. So machte das Experiment großen Spaß, alle im Ausland so gut bekannten Bilder aus Teheran auszulassen und somit den Zuschauer mit seinen vorfabrizierten Vorstellungen herauszufordern. Dieses Konzept versuche ich noch heute in meinen Arbeiten zu verfolgen. Eine Weile nach dem der Film fertig war, kontaktierte mich eine Kuratorin, die auf Recherche in Teheran gewesen war und an zeitgenössische „Iranische“ Filmemacherinnen interessiert war und mit mir zusammenarbeiten, obwohl ich sie darauf aufmerksam machte, dass ich Architektin war und nur einen Film wollte gemacht hatte und außerdem in Deutschland lebte und somit aus vielen Gründen nicht die richtige Person war. Dennoch traf ich sie, stellte auf einer Kunstmesse den Film vor und fand mich kurz danach in der Kunstwelt wieder. Ob die Architektur meine filmische Sprache beeinflusst, kann ich nicht so genau beantworten, sicherlich beziehen sich die Themen, der Arbeiten auf Arkitektur und Urbanismus.

AY: Kannst du die künstlerische Idee hinter dem Filmprojekt “Persepolis” kurz umreißen? Wann hast du dich entschlossen, den Film zu machen? Wie gestaltete sich der Produktionsprozess? Und wie waren die Reaktionen darauf über die Jahre?

SS: Ich hatte nach dem ersten Film „Tehran 1380“ (2001) direkt die Möglichkeit, einen zweiten zu drehen und entschied mich, die Arbeit mit der Videokamera weiterzuführen und zu lernen. Das Thema war natürlich, so wollte es der Produzent damals, wieder Teheran. Exotisch und sexy genug, um sicher zu sein, dass sich die Investition lohnen würde. Ich habe diesen Exotismus genutzt und für mich instrumentalisiert, um weiter zu arbeiten. Persepolis, der dritte Film meiner Teheran Trilogie, war die erste Arbeit, die ich offiziell als künstlerische Arbeit produzieren konnte, die erste Arbeit, deren kleine Teilfinanzierung durch eine Kunstinstitution möglich wurde. Ich wurde von Vasif Kortun eingeladen, mich für eine Residency in Istanbul zu bewerben. So lernte ich ihn und November Paynter kennen, die mir im Verlauf verschiedener Zusammenarbeiten, die Möglichkeit boten, den dritten Teil der Trilogie, „Persepolis“ zu drehen und fertig zu stellen. Ich wollte einen persönlichen Film machen, in dem ich meine Position als Repräsentantin hinterfragen wollte: auch ich muss anderen Fragen stellen, wenn ich über Teheran etwas wissen möchte. Das tat ich, in dem ich Nachbarn in dem Haus, in dem ich zu der Zeit in Teheran wohnte, bat, mir die Stadt und deren Veränderungen in den Jahren vor der Revolution bis zur Gegenwart über Erinnerungen zu beschreiben. Man sieht die Orte aber im Film nicht, auch nicht die Erzählenden. Zu sehen sind Stilllebenaufnahmen aus den Wohnzimmern der Personen, denen man zuhört. So muss sich der Zuschauer entgegen der normalen Sehgewohnheit sowohl die erzählende Person anhand der Stimme und der persönlichen Einrichtung vorstellen, als auch das Hauptthema der Arbeit, die Stadt, von der man über die Medien schon viele Bilder gesehen hatte. Ich denke, so bekommt die Arbeit eine weitere Ebene, die individuelle Vorstellung jedes Einzelnen. Bisher gab es viele positive Reaktionen zu der Arbeit. Sie wird sehr oft gezeigt. Ich glaube die Form der Arbeit ermöglicht es, sie in sehr unterschiedlichen Kontexten zu zeigen. Sollte meine Vermutung stimmen, könnte ich auch behaupten, dass sie der Nische entkommen ist.

AY: Deine zuletzt entstandene Arbeit “Dreamland Cairo” spielt eine Schlüsselrolle in deiner Einzelausstellung im Künstlerhaus Stuttgart. Als Exotismus zur Schau stellende Orte sind Zoos äußerst problematisch, und die Frage nach dem institutionellen Erbe finde ich in diesem Zusammenhang sehr spannend, insbesondere in Bezug auf die Geschichte der Moderne. Welche künstlerische Motivation steckt hinter diesem Projekt?

SS: Der Zoo ist Teil einer größeren Arbeit, zu der eine Reihe von Fotografien und Texten gehören, die ich in Kairo produzierte. Mit dem Konzept verfolge ich eine Arbeit, die ich im Rahmen der 9. Biennale in Istanbul zeigte. Es geht um urbane und gesellschaftliche Utopien und um neue Formen, durch die sich Gruppen definieren und von anderen abzugrenzen versuchen. In „Perfectly Suited for You“ in Istanbul untersuche ich die Idee und Entwicklung der Gated Communities. Natürlich floriert diese Geschäftsidee in einer Megacity wie Kairo auch. Ich führe die Arbeit aus Istanbul in „Dreamland Cairo“ weiter, in dem ich nach den Ursprüngen der Idee der Abgrenzung von gesellschaftlichen Schichten in der Stadt suche und sie Mitte des 19. Jahrhunderts am Beispiel des heutigen Giza Zoo, wiederfinde. Insofern ist nicht der Zoo als solcher Mittelpunkt der Arbeit, sondern die gesellschaftliche Funktion, die er zu der Zeit erfüllen sollte und die Veränderung dieser Funktion nach der Revolution von 1952 und der Machtübernahme von Gamal Abd al Nasser. Ein Text darüber ist zentraler Teil der Fotoserie, die man in der Ausstellung sehen kann.

AY: Wir haben gemeinsam entschieden, deine Work-In-Progress-Arbeiten in die Einzelausstellung aufzunehmen, um deinen Umgang mit fotografischen Bildern und Filmsprache zu veranschaulichen. Für diesen Teil der Ausstellung hast du zwei Arbeiten ausgewählt, an denen du noch arbeitest. In welcher Relation stehen diese Arbeiten zur Gesamtausstellung bezogen auf die künstlerische Recherche im Zuge des Filmemachens?

SS: Der Ansatz bei beiden Arbeiten ist die Weiterführung und Entwicklung älterer Arbeiten, wobei ich versuche, die Arbeitsweise, also auch die Art der Produktion weiterzuentwickeln und auch zu verändern. Das Berlin Projekt mit dem Arbeitstitel „Haus 17“ lehnt sich im Aufbau sehr an Persepolis. Du, Kurator der Ausstellung, hast mich eingeladen, einen weiteren Film in Berlin zu produzieren, woraufhin ich die Möglichkeut bekam, die Erfahrung von „Persepolis“ in eine neue Arbeit über Berlin zu transformieren. Wie verändern sich die Bilder, die sich jeder individuell vorstellt, wenn man von Erinnerungen aus Teheran hört oder aus Berlin? Auch hier entwickelt sich das Konzept aus den Erzählungen der Bewohner eines Wohnhauses, in dem ich in Berlin lebe. Der Strausberger Platz ist Teil eines sozialistischen Wohnkomplexes, der nach einem städtebaulichen Wettbewerb 1951 im Stil des Neoklassizismus im damaligen Ostberlin geplant wurde. Die Baustelle am Strausberger Platz war einer der Ausgangspunkte der Streiks gegen die erhöhten Arbeitsnormen in der DDR am 16. Juni 1953 und damit des Aufstandes am 17. Juni 1953. Mittlerweile werden die Häuser um den Platz hauptsächlich von zugezogenen Neuberlinern bewohnt. Viele der ehemaligen Bewohner sind nach der Wende ausgezogen. Die wenigen, die noch da sind, ziehen nach und nach in Altenheime oder sind von einem Tag auf den anderen nicht mehr da. Die andere Arbeit, die als Work in Progress gezeigt wird, beinhaltet, Einzelteile und Recherchematerial, aus denen der Film „Rebecca“ entstehen wird. Der Film ist eine Zusammenführung der Geschichte Rebecca Levys, die fast ihr ganzes Leben im Osten Londons verbracht hat und vor zwei Jahren im Alter von 98 Jahren gestorben ist, mit Geschichten aus ausgewählten Interviews mit derzeit in London lebenden Menschen. Man hört Rebecca zu, wie sie in einem kurzen Interview vor ihrem Tod ihr Leben in Spitalfields schildert. Das Material gibt einen kurzen und privaten Einblick in das Gefühl, an einem Ort zu leben, der sich in den letzten Jahren rasant vom Arbeiterviertel zum Finanzquartier Londons gewandelt hat.

AY: Das Künstlerhaus Stuttgart hat sich zum Ziel gesetzt, eine umfangreiche Schau zu veranstalten, die Deine jüngsten Recherchearbeiten und Produktionen beinhaltet. Diese Ausstellung ist jedoch auch deine erste Einzelausstellung in deiner Heimatstadt. Wie denkst du über die Art der Ausstellung und das Screening aus der Sicht einer Filmemacherin? Kannst du uns etwas darüber erzählen, wie es dazu gekommen ist, Sarah Rifky in den Ausstellungsprozess einzubeziehen?

SS: “Giza Zoo“ wurde als Teil einer Arbeit produziert, die hauptsächlich aus Fotografien besteht, mit der Absicht, Film hauptsächlich von der fotografischen Position zu betrachten. Während und nach der Produktion der gesamten Arbeit in Kairo führte ich einige Gespräche mit Sarah Rifky über meine Arbeiten und diese Arbeit im Besonderen. Ich erhielt vor einiger Zeit eine Einladung von ihr und Maha Maamoun, die die Videoarbeit innerhalb eines Filmprogramms zeigen wollten. Nun sollte die Arbeit also innerhalb eines Filmscreenings ohne den eigentlichen Kontext gezeigt werden innerhalb dessen er entstanden war. Es war interessant, diese Umkehrung zu sehen und wie die Arbeit dann funktionierte. Dies lag sicherlich auch an der Auswahl und dem Konzept von Rifky und Maamoun für ihr Programm „State of Fluidity“. So entstand die Idee, Sarah einzuladen, um mit ihr über das Konzept und die Entscheidung zu sprechen, den Film aus dem eigentlich dafür konzipierten Kontext heraus zu nehmen und ihn innerhalb eines Filmprogramms zu zeigen.

AY: An dieser Stelle möchte ich Sarah Rifky in unser Gespräch einbeziehen. Sarah veranstaltet beigleitend zur Ausstellung ein Screening und wird einen Vortag über die Einzelausstellung halten. Sarah, Wie ist deine Vorstellung von „Dreamland“ als in Kairo lebende Kulturschaffende und Augenzeugin der Ereignisse im letzten Jahr nach so viel politischer Diskussion und Bewegung im öffentlichen Raum in Ägypten?

SARAH RIFKY: Ich muss dabei an die Beziehung zwischen Kunst und Kapital denken. Kairo ist als Stadt, die man sich historisch vorstellt und erträumt, auch eine Stadt, die geprägt ist von neuen Träumen, die ihren Ursprung woanders haben, etwa in den USA, oder in den Golfstaaten. Und diese Träume geben dann unvermittelt den Trend in den Randbezirken einer Stadt vor, die sich im urbanen Sinne wandelt. Die Satellitenstadt Dreamland ist Teil dieses neuen Traums und passend benannt. Man denke nur an den amerikanischen Traum. Shahbazis Auffassung von „Dreamland“ transzendiert den dokumentarischen Rahmen und löst sich von der ortsgebundenen Spezifizität des Themas. “Dreamland“ weist auf eine bestimmte gesellschaftliche Wunschvorstellung nach einer bestimmten Art von Stadt hin, auf eine massenpersonifizierte sozio-ökonomische Bestrebung usw.

AY: Wo stehen Kunstschaffen und Markt angesichts des Zerfalls so vieler Institutionen in einer Zeit hoher politischer Aktivität im Zeichen des arabischen Frühlings oder der Occupy-Bewegung?

SR: In Kairo ist “Dreamland“ als eine von zahlreichen Siedlungen am Rande der Stadt aufgrund der Abgeschiedenheit vom Stadtzentrum (sowohl geografisch als auch im übertragenen Sinne) derzeit anfälliger für Verbrechen und sporadische Gewaltakte, insbesondere aufgrund der orchestrierten Abwesenheit von jeglicher Staatssicherheit im Zuge von Ausschreitungen und Aufständen. Dabei drängt sich mir der Gedanke einer symbolhaften Wendung auf, die die Menschen wieder in das Zentrum, das Herz der Stadt, treibt. Rein in die Stadt und weg von den neu errichteten, entlegenen und isolierten Siedlungen Kairos. Als Kunstprojekt entfacht „Dreamland“ eine Diskussion, die noch im Fluss ist.

www.kuenstlerhaus.de

     
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LINIE WEST wünscht frohe Weihnachten und alles Gute für ein wunderbares Jahr 2012!

     
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Neue Website ist online!

Liebe Freunde der LINIE WEST,
Viel Spass mit der neuen Website, wir freuen uns auf euren Besuch am 06.12.2011!

Galerie Klaus Gerrit Friese
Galerie Reinhard Hauff
Parrotta Contemporary Art
Künstlerhaus Stuttgart

     
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