Info + Impressum

LINIE WEST ist eine Initiative der Stuttgarter Galerien Klaus Gerrit Friese, Reinhard Hauff, Parrotta Contemporary Art und des Künstlerhaus Stuttgart. Entlang der Augustenstrasse im Stuttgarter Westen verbindet LINIE WEST die vier fußläufig zu erreichenden Kunstorte zu einem Galerienrundgang, der vier Mal im Jahr von jeweils 18 – 21 Uhr stattfindet.
Im Anschluss Drinks & Music.

Lageplan

Für den Inhalt dieser Seite sind die Galerien und Institutionen der LINIE WEST verantwortlich.

Design by Studio Taube
Stuttgart, 2011

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Galerie Klaus Gerrit Friese
Rotebühlstraße 87 70178 Stuttgart


+49 711 71863360
kgf@galeriefriese.de
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Thomas Grünfeld, misfits (Schwan/Gnu) 2001,Taxidermie, Holz, 180 x 150 x 70 cm

 

Thomas Grünfeld. Über

Thomas Grünfeld, 1956 in Opladen geboren, lebt und arbeitet in Köln. Er studierte von 1978-1982 an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, Ende der 1990er lehrte er am Goldsmiths College in London, 2004 erhielt er eine Professur für Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf.

Das Werk Thomas Grünfelds ist gekennzeichnet durch strikt voneinander getrennte, konzeptuelle Serien, in denen er sowohl Themen als auch Materialien bearbeitet. Werkgruppen, die ab 1986 entstanden sind – Tabletts, Röcke, Polster, Gummis, dye-transfer, Augenbilder und Filze. Ab 1990 entstanden die misfits, Tierpräparate, die jeweils aus verschiedenen Tierarten zusammengesetzt wurden.

Die Arbeiten Thomas Grünfelds stehen in den  Spannungsfeldern von Malerei und Bildhauerei, von Gegenständlichkeit und Abtraktion, von Natur und Künstlichkeit. Humorvoll, skuril, vor allem aber absolut treffsicher bei der Auswahl seiner Themen und Motive, zeigen seine Arbeiten eine beeindruckende Vielschichtigkeit und Ambivalenz.

Seine Arbeiten wurden in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt.

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Michael Langer

Sprechblasen und Zerrbilder

3. April bis 2. Mai 2012

Eröffnung  3. April 2012   18.00 – 22.00

Galerie Klaus Gerrit Friese, Rotebühlstraße 87, 70178 Stuttgart

Mit auffallender Konsequenz betrieb Michael Langer in den Jahren von 1965 bis 1969 seine Malerei als Konzept und Experiment zugleich: In diesen Jahren entstanden, neben vielen Gouachen und Grafiken, die 120 Ölbilder, die eine erstaunliche Originalität und Eigenständigkeit aufweisen. Nach zunächst noch zurückhaltenden, erzählerischen Versuchen in den 50er Jahren, setzt Langer ab den 60er Jahren populäre Chiffren, triviale Details und Geschlechtersymbole grell ins Bild. Er verwendet Stilmittel der Pop Art, sucht die Direktheit, mit dem Ziel, gegen die Unverbindlichkeit des Informell vorzugehen.

Wie Horst Antes, Konrad Klapheck oder der mit ihm befreundete Uwe Lausen, setzt Michael Langer an zu einer Gratwanderung zwischen Abstraktion und Konkretion.

Den Höhepunkt seiner Malerei stellen die Serien der „Sprechblasenbilder“ und  der „Zerrbilder“ dar, in denen es Langer gelingt, dass Gegenstand und Malerei sich gegenseitig relativieren. Michael Langer spricht selbst von einem „Absurden Realismus“.

1965, Öl auf Leinwand, 169 x 119,5 cm

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Galerie Rainhard Hauff
Paulinenstraße 47 70198 Stuttgart


+49 711 609770
galerie@reinhardhauff.de
http://reinhardhauff.de

 

LIVING WITH ART

Gruppenausstellung mit  John M. Armleder, Richard Artschwager, Shannon Bool, Anne-Lise Coste, Mark Dion, Wolfgang Flad, Sylvie Fleury, FOS, Thomas Grünfeld, Hadley + Maxwell, Uwe Max Jensen, Martin Kippenberger, Thomas Locher, Pia Maria Martin, Josephine Meckseper, Matthias Megyeri, Lasse Schmidt Hansen, Gregor Schneider, Haim Steinbach, Viron Vert und  Stephen Willats

13.04. – 08.06.2012

Di – Fr 13 – 18 Uhr, u.n.V.

„Living With Art“ ist der erste Teil einer Ausstellungstrilogie in der Galerie Reinhard Hauff, in der die Galerieräume in einen surrealen Wohnraum verwandelt werden, in dem jedes architektonische oder dekorative Detail ein Doppelleben als Kunstwerk und Designobjekt führt. In der Ausstellung werden Arbeiten aus dem Zeitraum von 1980 bis heute präsentiert, die den rein ästhetischen und formalen Stellenwert des Kunstwerks in eine funktionale, nützliche und praktische Sphäre überführen – und vice versa – und damit den Status des Objekts durch das visuell in Dialog treten mit anderen Arbeiten, die in dieser imaginären Wohnlandschaft zu sehen sind, provokant hinterfragen.

Das Thema der Aneignung ist der rote Faden in dieser Zusammenstellung an Arbeiten, die das absurde, spielerische und kritische Potential der Kunstwerke betont und damit ihren dadaesken Charakter ins Zentrum stellt. Die Künstler benützen Objekte entgegen ihrer ursprünglichen Funktion als Möbel und Memorabilia, indem sie ihnen eine neue Aufgabe zuteilen. Durch das Zusprechen des Status eines Kunstwerks wird der urspüngliche Nutzwert dieser Dinge teilweise geradezu pervertiert. Bei einigen Skulpturen, in denen Designobjekte verwendet werden, wie zum Beispiel in John M. Armleders Arbeit „AH (Enil Aekat), FS“ aus dem Jahr 2006, in der ein lederner Heberli-Stuhl mit einer monochrom silbernen Leinwand kombiniert wird, wird der ikonische Status der Objekte benutzt, um zur faktischen Benutzung des Objekts einzuladen, diese jedoch gleichzeitig auch vorzuenthalten. Das „Amazing“-Hochzeitskleid von Sylvie Fleury von 2001, das aus einer Performance stammt, in der das Kleid eine Rolle spielte, wird nun als Lichtskulptur präsentiert. Andere Arbeiten wie das „Multiple Clothing – Open System“ – Kleidungsstück des britischen Konzeptkünstlers Stephen Willats und „Phantom Audience“, eine Vodka-Skulptur von FOS, laden dahingegen zum Gebrauch ein. Künstler wie Richard Artschwager, Haim Steinbach, Sylvie Fleury und Josephine Meckseper werten banale und wertlose Dinge zu glamorösen Kultobjekten auf, indem sie sich einer Präsentationsform bedienen, die der szenografischen Inszenierung von Ladeninterieurs entnommen ist. Heim Steinbachs Arbeit „Untitled“ von 1986 wird dabei erstmals zusammen mit Josephine Mecksepers „Shelf No. 37“ von 2007 präsentiert. Beide Arbeiten stellen anhand der von ihnen zelebrierten Fetischisierung von Gebrauchsgütern die Frage nach dem Zusammenhang von Konsum, Politik und Mode im Kontext der Einrichtung. Das Arrangement aus Luxus-Einkaufstaschen von Sylvie Fleury wird in der Ausstellung kontrastiert durch Gregor Schneiders „Mattress No. 14 (Rheydt)“, 2008, das einen an Obdachlosigkeit und Entfremdung erinnert. Die Arbeit „Language/ Parole/ Fenster“, 1997 von Thomas Locher transformiert ein großes Fenster aus Aluminium in einen philosophischen/ psychologischen/ politischen Sprachfilter zwischen Innen und Außen. In Thomas Grünfelds farbenfroher Arbeit „Sineflam 3409“ von 1987 steht eine Pflanze als Platzhalter für den (abwesenden) Künstler auf dem Couchtisch. Ebenfalls eine Pflanze enthält auch Mark Dions Arbeit „Nursery“, 2007, die aus einem Kinderwagen besteht, in dem eine Zimmerpalme gesetzt wird. In der so genannten Kinderecke werden außerdem Martin Kippenbergers Kinderstuhl „Réservé“ von 1989 und die Arbeit „Noah“, 2006 des kanadischen Künstlerduos Hadley + Maxwell, die ihr Lieblingsspielzeug abbildet, von Matthias Megyeris „Sweet Dreams Security“ – Zaun umfriedet. „Diversions, Deviations, Disjunctions, Dissimmetries – Like or After ‚Double Self Portrait‘“ ist der Titel von Lasse Schmidt Hansens 2010 geschaffener Version des Stuhls, der in Jeff Walls berühmtem Selbstportrait von 1979, auf das der Titel der Arbeit anspielt, abgebildet ist. Die Arbeit steht für seinen künstlerischen Ansatz, bei dem wie in der Arbeit „Uro“, 2006 auf Einrichtungsgegenstände zurückgegriffen wird, die ihrer ursprünglicher Benutzung und Bedeutung entkleidet werden.

Ebenfalls in „Living With Art“ vertreten ist eine Gruppe von Arbeiten, die sich auf Antiquitäten und altmeisterliche Malerei bezieht. Shannon Bools gewebter „Memling Carpet“, 2010 reproduziert das Muster eines orientalischen Teppichs, der in Hans Memlings „Blumen-Stillleben“ von 1490, das sich heute in der Thyssen-Bornemisza Sammlung in Madrid befindet, unter einer Vase mit einem Blumenstrauß auf einem Tisch liegend zu sehen ist. Die niederländische Stilllebenmalerei des 17. Jahrhunderts ist die Vorlage für Pia Maria Martins dreiteilige Videoarbeit „Vivace“ von 2005, mittelalterliche Madonnenbildnisse sind Teil der Installation „The Figure“ von Hadley + Maxwell. Wie ihre Arbeit „Chinoiserie Panels for Dallas Dining Room“, 2006/ 2010 verbinden diese Arbeiten historische Objekte, Zeichen und Symbole mit neuen Inhalten. Die Grenzen zwischen Mode und Kunst verschwimmen in Josephine Mecksepers „Rug # 1“ von 2003, bei dem ein Teppich mit dem Muster eines Palästinenserschals den Boden bedeckt, genauso wie in Viron Verts „Aid Air Mail, Berlin Istanbul“, einem Seidenschal, der wie Megyeris Zaun schon bei Colette in Paris ausgestellt wurde und der sowohl ein intelligenten und stylischen Kommentar auf die Kopftuchdebatte als auch ein „must-have“-Modeassesoire darstellt. Der dänische Künstler Uwe Max Jensen verbindet in seinen „Lucio Fontana Cuts Transferred to a Shower Curtain“, 2003 zwei absolut beziehungslose ikonographische Symbole: Fontana und Hitchcock.

In der Videoinstallation „Begin Again“, 2007 sieht man die berühmte amerikanische Performance-Künstlerin Joan Jonas mit verschiedenen Gegenständen und Spiegeln in ihrem Ferienhaus hantieren, Gegenstände, die sie sammelt und die sie in ihren Performances als Requisiten benutzt und die ihr häufig als Inspiration für ihre Arbeiten auf Papier dienen. Wolfgang Flads Holzskulpturen können als Skulptur und Möbelstück zugleich verstanden werden. Sie dienen als filigrane Tür oder als „Krisenstuhl“, 2012. Die in New York lebende französische Künstlerin Anne-Lise Coste macht ihre Position hingegen klar indem sie auf einer A4 – Zeichnungen von 2002 schreibt: „I‘m not a palm tree. I‘m not a design table. I‘m not a novel sentence.“

Die Galerie Reinhard Hauff dankt allen Künstlern, die an der Ausstellung teilnehmen, und den Galerien Andersen‘s Contemporary, Kopenhagen, Galerie Luis Campana, Berlin, Galerie Andrea Caratsch, Zürich, Galerie Mehdi Chouakri, Berlin, Galerie Michael Janssen, Berlin, Galerie Kadel Wilborn, Karlsruhe, Galerie Georg Kargl, Wien sowie Achim und Petra Kubinsky und Adnan Yildiz für ihre Zusammenarbeit und Unterstützung.

Ankündigung: „Living With More Art“, Februar – April 2013, „Living With A Lot Of Art“, Februar – April 2014

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never trust a rebel

Marc Bijl

17.02. – 05.04.2012

Di – Fr 13 – 18 Uhr, u.n.V.

Die Galerie Reinhard Hauff freut sich, mit „never trust a rebel“ ihre erste Einzelausstellung mit Marc Bijl (*1970) ankündigen zu können. In seinen Skulpturen, Malereien und Interventionen setzt sich der in Berlin lebende holländische Künstler intensiv mit gesellschaftlichen Strukturen, politischen Ereignissen und der Wahrnehmung sozialer Regelsysteme im öffentlichen Raum ausseinander. Seit je her greift er in seinen Arbeiten, die auch subversive Performances, provokante Gesten und spontane Graffitiaktionen beinhalten, vor allem auf die symbolische Erscheinung dieser Prozesse zurück. Bei den Symbolen, Logos und Labels, auf die er sich in seinen Kunstwerken aus dem Bereich der Industrie, der nationalen Identität, der Religion, der Werbung, des Kapitals und auch der Kunstwelt bezieht, dekonstruiert er das oberflächliche Image und die Mystifizierung des semantischen Zeichens mit dem Ziel einer allgemeinen kritischen Hinterfragungen des Zustands der Gesellschaft.

Seine neuesten Arbeiten, die im Zentrum der Ausstellung in der Galerie Reinhard Hauff stehen, sehen auf den ersten Blick aus wie gesprayte Graffitis auf Betonwände im Aussenraum. Bei den Arbeiten handelt sich um Malereien, deren zementfarbener Hintergrund an Aussenwände erinnert, auf dem sich in abgewaschenen Farben der Kanon der modernistischen Malerei à la Franz Kline, Kazimir Malevich und Josef Albers abzeichnet. In der von Bijl „Afterburner“ genannten Serie, die hier zum ersten Mal zusammenhängend ausgestellt wird, vermischt sich urbane Ästhetik mit einem „inneren Kampf um Struktur im Leben“ (Marc Bijl), der sich ebenso auf die Wandmalereien in Kriegs- und Konfliktgebieten wie auf die exemplarische (Markt-)Präsenz der Ikonen der Moderne beziehen lässt. Der plakative Reiz der abstrakten Malerei der Moderne, der Bijls Aneignung und seinem expliziten Referieren auf die Kunstgeschichte zu Grunde liegt, kennzeichnet für für ihn entgegen den ursprünglichen Intentionen dieser Maler, die mit ihrer Kunst auf der Suche nach einer ganz eigenen Spiritualität im Leben waren, den gesellschaftlichen Wunsch, bestehende Strukturen und Ordnungssysteme aufrecht zu erhalten. Der Nord-Irland-Konflikt, auf den sich der Anti-IRA-Folk-Song bezieht, dem der Titel der Ausstellung „never trust a rebel“ entnommen ist, steht für Marc Bijl dabei nur für ein Beispiel einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung, bei der bis heute – ablesbar auch an den zahlreichen „heroischen“ Wandmalereien in Nord-Irland – politisch und religiös um überkommene Strukturen erbittert gekämpft wird.

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Özlem Altin, Indecisive movement, 2009, Courtesy of Circus, Berlin

 

the light, the shape & the body

mit Özlem Altin, Talia Chetrit und Bernhard Kahrmann 

24.11.2011 – 29.01.2012

Die Galerie Reinhard Hauff freut sich, „the light, the shape & the body“ mit Arbeiten von Özlem Altin, Talia Chetrit und Bernhard Kahrmann ankündigen zu können. Die Gruppenausstellung konzentriert sich auf künstlerische Positionen, die sich mit formalen Fragen der Fotografie auseinandersetzen. Licht und Schatten, Raum und Gestalt bilden in den ausgestellten Arbeiten die ästhetischen Koordinaten der Bildorganisation, die vom Primat des Sichtbaren und vom irritierenden Wechsel zwischen zweidimensionaler Abbildung und räumlichem Arrangement bestimmt wird. In der Kombination gefundener Bildvorlagen zu tableauartigen Schaubildern, der damit verbundenen Rekontextualisierung der Bildinhalte sowie der technischen Veränderung der Bildinformationen durch das Experimentieren mit unterschiedlichen Bearbeitungs- und Druckverfahren zeigen sich – wie auch in dem anachronistischen Beharren auf dem analogen, von Hand gefertigten Abzug – verschiedene Umgangsformen mit einem Medium, das sich heute eindeutigen Festschreibungen mehr denn je entzieht.

Die 1982 geborene, in New York lebende Künstlerin Talia Chetrit entwickelt in ihren präzise komponierten Stillleben ein komplexes Geflecht aus Bezügen zur konstruktivistischen Fotografie der 1920er Jahre, zu historischen Werbeaufnahmen der 1960er Jahre und zur Tradition der surrealistischen Darstellung des weiblichen Körpers in der Fotografie. Je einfacher ihre Arbeiten – wenn sie beispielsweise eine abstrakte Gitterstruktur auf einem nackten Rücken fotografiert – auf den ersten Blick zu sein scheinen, umso irritierender die subtilen Auflösungserscheinungen des scheinbar Realen, wenn man merkt, dass in ihren Bildern eigentlich nichts so ist, wie man anfänglich meint. Eine umfangreiche Sammlung gefundener Bildvorlagen des menschlichen Körpers ist der Ausgangspunkt der Arbeiten der in Berlin lebenden Künstlerin Özlem Altin (*1977). Mit ihren fotografischen Vorlagen, die Menschen mit unterschiedliche Gesten, Haltungen und Bewegungen zeigen, komponiert sie typologische Bildtafeln, auf denen der menschliche Körper durch die Vermeidung persönlicher Attribute auf seine formale Lesebarkeit hin befragt wird. Immer wieder arrangiert Altin aus Kopien, Fotos und Zeichnungen dreidimensionale Installationen, bei denen die formale Qualität des Reproduzierten von der räumlichen Qualität der Objekte aufgegriffen wird. Die Haptik des Bildträgers betonen auch die neuen Arbeiten des in Stuttgart lebenden Künstlers Bernhard Kahrmann (*1973), der sich in seinem Werk schon seit längerem mit strukturellen Fragen der Wahrnehmung in der Bildproduktion beschäftigt. Nachdem er die von ihm selbst fotografierten Motive am Bildschirm vergrößert und in Schwarzweiss auf A3 Blätter ausgedruckt hat, „kleistert“ Kahrmann diese so zusammen, dass sich ein trompe l‘oeil-haftes Spiel aus den feinen Überschneidungen, Überlappungen und Faltungen entwickelt, das es dem Auge schwer macht, zwischen Abbildung und Einbildung zu unterscheiden.

Die Galerie Reinhard Hauff bedankt sich bei den beteiligten Künstlern sowie bei Circus, Berlin und Renwick Gallery, New York.

Abbildung: Özlem Altin, Indecisive movement, 2009, Courtesy of Circus, Berlin

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Parrotta Contemporary Art
Augustenstraße 87-89 70179 Stuttgart


+49 711 69947910
mail@parrotta.de
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Benjamin Badock

SAYES

Eröffnungsrede: Daniel J. Schreiber, Kunsthalle Tübingen, 15. Mai 2012, 19.30 Uhr

Künstlergespräch: Daniel J. Schreiber, Kunsthalle Tübingen, 2. Juni 2012, 19.30 Uhr

15.5.2012 – 16.6.2012
Di – Fr 11-18 Uhr,  Sa 11 – 16 Uhr, u.n.V.

Benjamin Badock verleiht mit seinen farbprächtigen Drucken dem traditionsbehafteten Medium des Holzschnittes neuen Glanz.

“Wohl eingeführt ist Benjamin Badocks Werkgruppe der “Plattenbauten”. Wie ihre Namenspatrone gehen Benjamin Badocks gedruckte “Plattenbauten” auf die Idee des modularen Bauens und der Kombinatorik zurück. Das gerade macht sie mit Blick auf die Kunstgeschichte und Gegenwart des betagten Mediums Holzschnitt aufregend. Sie sind eine Bilderfindung, die sich in ihrer Machart und Motivik mit ein und demselben Begriff fassen lässt: Die Blätter zeigen Plattenbauten und sie sind Plattenbauten als Ergebnis immer wieder neu kombinierter Plattenmodule. Damit entkommen sie einem seriellen Prozess und sind zugleich jeweils im Handabrieb hervorgebrachte Unikate.” sagt Annett Reckert, Leiterin der Städtischen Galerie Delmenhorst. In seiner aktuellen Ausstellung unter dem Titel “SAYES” überblendet der Leipziger Künstler seine modulare Serie der “Plattenbauten” – Relikte einer verblassenden Utopie des Ostens – mit jetztzeitigen Satz- und Sinnmodulen. Das anagrammatische SAYES spielt mit Worthülsen einer sinnentleerten Ideologie des positiven Denkens. Doch Badocks Sache ist es nicht umständlich auf einen tieferen Sinn hinzudeuten. Vielmehr weist er, im besten Sinne der Pop Art, auf die Doppeldeutigkeit der Oberfläche hin – denn die Fassade ist sprechend genug. So raunt das SAYES auch ein “Sag ES” und dieses Raunen weist ganz pauschal und lapidar auf all das, was ein allzu optimistisches “Say yes” unterdrückt. ”Benjamin Badocks Arbeiten sind plakativ im besten Sinne und dabei rätselhaft in ihrem Grenzgang zur Abstraktion, es sind druckgrafische Arbeiten voller malerischer Qualität”.

Benjamin Badock, geboren 1974 in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz), lebt und arbeitet in Leipzig. Anlässlich der Einzelausstellungen im Städtischen Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen und der Städtischen Galerie Delmenhorst ist jüngst der Katalog »Nachwachsende Zwischenräume« im Lubok Verlag erschienen. Aktuell sind seine Arbeiten in der Ausstellung »Lubok. Grafica contemporanea y libros de artistas de Leipzig« im Museo Nacional de la Estampa in Mexico City zu sehen.

Benjamin Badock illuminates the traditional medium of xylography with his colourful prints. ”Benjamin Badock’s “Plattenbauten” (“prefabricated cement-slab high-rises”) pieces need little introduction. Like the structures after which they are named, Benjamin Badock’s “Plattenbauten” prints are based on the idea of modular construction and combinatorics, which is precisely what makes them exciting in terms of art history and contemporary use of the traditional medium of wood engraving. They are an invented image whose workmanship and motifs can be encompassed as part of one and the same concept: The sheets depict Plattenbauten, and they are Plattenbauten as a result of slab components which have constantly been recombined, thereby avoiding serial processes and instead existing as unique, handmade copies.” sayes Annett Reckert, director of Städtische Galerie Delmenhorst. In his current exhibition titled “SAYES” the Leipzig-based artist cross-fades his modular series of “Plattenbauten” – relicts of a fading utopia of East Germany – with up to date modules of phrases and meanings. The anagrammatic SAYES plays with the boilerplates of an ideology of positive thinking that is emptied of meaning. But it is not Badock’s way to point out a deeper meaning in cumbersome detail. He rather – and in the best sense of Pop Art – puts the focus on the ambiguity of the surface as the facade basically says it all. Thus, the SAYES is also murmuring “Say IT” and this murmur points out – very much across-the-board and lapidary – everything suppressing a too optimistic “Say Yes”. ”Benjamin Badock’s works are striking in the best sense of the word, and simultaneously cryptic in the way in which they border on abstraction; they are prints full of delicate, artistic quality.”

 Benjamin Badock, born 1974 in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz), lives and works in Leipzig. In occasion of the solo exhibitions at Städtisches Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen and Städtische Galerie Delmenhorst the catalogue »Nachwachsende Zwischenräume« has been recently published by Lubok. Currently his works are part of the exhibition »Lubok. Grafica contemporanea y libros de artistas de Leipzig« at the Museo Nacional de la Estampa in Mexico City. 

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Essence of culture communications

 

Susanne M. Winterling

Vertigo

AYE dunkelblau

Andrea Büttner, Sara Christensen und True Solvang Vevatne, Jörg Hiller, Fox Hysen, Ole Martin Lund Bø, Michaela Melián, Dag Nordbrenden, Jonas Lipps, Solveig Lønseth, Paul P., Declan Rooney, Michael E. Smith, Megan Francis Sullivan and Philip Wiegard. Eingeladen von Susanne M. Winterling.

29.3.2012 – 5.5.2012
Di – Fr 11-18 Uhr,  Sa 11 – 16 Uhr, u.n.V.

AYE dunkelblau titelt Susanne M. Winterling ihre Gruppenausstellung bei Parrotta, die sie parallel zu ihrer Einzelausstellung Vertigo zeigt. Sie bezieht sich dabei auf Derek Jarmans letzten Film „Blue“. Dieser zeigt kein einziges Bild, sondern lässt vom ersten reinen Glockenklang an, ein ebenso reines Blau über die Leinwand flackern, das von einer ruhigen Stimme untermalt, vom Erblinden, vom Abschiednehmen, und vom Entschwinden erzählt. „Blue“ gilt als Testament des erblindeten Regisseurs, der kurz nach der Erstaufführung seines Filmes stirbt. Ein poetischer Film, der allein auf Licht, Klang und Sprache reduziert, die Dunkelheit umreißt. In ihrer eigenen Arbeit zu diesem Thema zeigt Susanne M. Winterling einen 16 mm Film, in dem aus einem Flakon Parfum zerstäubt wird. Eine präzise künstlerische Geste, welche Möglichkeiten und Grenzen des Films aufscheinen lässt. Das Glitzern des Parfümduftes in der Luft wird ein feinstoffliches Bild für eine Dimension, die der Film zu umkreisen, aber letztlich nicht einzufangen vermag – den Duft. So wie das Blau ein sichtbares Zeichen für die Dunkelheit ist, die auf den Tod, als das Absolute und Unfassbare verweist, so ließe sich der fallende Parfumnebel als Inbegriff des Vergänglichen verstehen, das auf dem Filmstreifen eine Lichtspur als Abglanz hinterlässt. Diese poetische, oder sollte man vielleicht sagen religiöse Dimension, teilt auch Andrea Büttner in ihrem großformatigen schlichten Holzschnitt mit dem Satz „Yes, I believe every word you say“ neben einem gepressten Blumenstrauß in einem Klemmrahmen. Hinter dieser Rhetorik des Bekenntnisses wähnt man eine Frauenstimme – irrational – zerbrechlich – hysterisch vielleicht? Die Hysterie galt lange als ein „weibliches“ Krankheitsbild zu dem der Schwindel als Symptom gehört – Vertigo. Unter Vertigo im medizinischen Sinne versteht man das subjektive Empfinden eines Drehgefühls oder Schwankens, sowie das Gefühl drohender Bewusstlosigkeit. Um das Schwindelgefühl optisch umzusetzen, setzte Hitchcock in seinem gleichnamigen Film erstmals den sogenannten Vertigo-Effekt ein. Hierbei fährt die Kamera auf das Objekt zu, während gleichzeitig rückwärts bis hin zu einer Weitwinkel- Einstellung gezoomt wird, ohne dass der Bildausschnitt geändert wird. Infolgedessen scheint sich die Bildmitte vom Zuschauer wegzubewegen, während der Randbereich des Bildes der gleiche bleibt, wodurch die optische Illusion des Schwindels erzeugt wird. Beide Ausstellungen, AYE dunkelblau und Vertigo, spielen also gleichermaßen mit der technischen Simulation des Verschwindens der Sinne, des Körpers oder des Bewusstseins.

AYE dark blue is how Susanne M. Winterling entitled her group exhibition at Parrotta which is presented alongside her solo exhibition Vertigo. The title and thus the exhibition refer to Derek Jarman’s last film “Blue”. Not a single image can be seen in this film from the first pure sound of bells onwards – only the flicker of an equally pure blue across the screen accompanied by a serene voice telling stories of going blind, saying goodbye and disappearing. “Blue” can be seen as the amaurotic director’s testament, who died shortly after the films premiere. It’s a poetic film reduced to light, sound and language outlining the darkness. In her work on the subject, Susanne M. Winterling shows a 16mm film in which perfume is sprayed out of a vial. It’s a precise artistic gesture reflecting the possibilities and limits of the film. The glitter of the perfume’s scent in the air becomes an ethereal image for a dimension the film might be able to circle around yet is not able to capture: the scent. Just like the blue is a visible sign for darkness – referring to death as something absolute and unfathomable – the descending fog of the perfume can be regarded as an epitome of transience leaving a trace of light on the film strip as reflection. Andrea Büttner shares this poetic, or should one maybe rather say religious dimension in her large-sized plain xylograph with the phrase “Yes, I believe every word you say” next to a pressed bouquet in a clip frame. One can imagine a women’s voice behind the rhetoric of this statement – irrational – fragile – possibly hysterical? Hysteria has been classified as a “female” disease pattern, accompanied by the symptom of dizziness – vertigo. Vertigo in the medical sense means the subjective sensation of spinning or unsteadiness and the feeling of an impending loss of consciousness. To transfer the feeling of dizziness visually, Hitchcock used the so-called vertigo effect for the first time in his eponymous film. Here, the camera moves towards an object while at the same time zooming backwards to a wide-angle setting without changing the image section. Thus the picture’s centre appears to move away from the viewer while the picture’s frame remains the same creating the optical illusion of dizziness. In this way both exhibitions, AYE dark blue and Vertigo, are equally playing with a technical simulation of the disappearance of the senses, the body or the consciousness.

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New York City – Ghosts and Flowers

Edgar Leciejewski

The American Series I-XII

Oskar Schmidt

2.2.2012 – 10.03.2012
Di – Fr 11-18 Uhr,  Sa 11 – 16 Uhr, u.n.V.

Edgar Leciejewski (*1977) behandelt in seinen neuesten Fotoarbeiten ein ebenso populäres wie vielfach kritisiertes Internetmedium. Mit “New York City – Ghosts and Flowers” zeigt er eine Serie monumentaler Fotografien, deren geisterhaft abgebildete Akteure dem Betrachter mit Handlungen aus ihrem großstädtischen Alltag begegnen. Die portraitartigen Darstellungen lassen die Abgebildeten von namenlosen Passanten innerhalb des Mediums zu Prototypen der New Yorker Gesellschaft werden. Die erste Präsentation der Serie in Berlin erfuhr eine große mediale Aufmerksamkeit. Seine Werke wurden 2011 bei einer Einzelausstellung im Stadtmuseum München und zahlreichen Gruppenausstellungen wie in der Kunsthalle Wien oder Witte de With – Center for Contemporary Art Rotterdam gezeigt. Zeitgleich zu der Ausstellung in der Galerie Parrotta sind weitere Arbeiten aus der Serie „Ghost and Flowers“ im NRW-Forum Düsseldorf zu sehen. Besprochen wurden seine Werke u.a. in einem bei ARTE ausgestrahlten Künstlerporträt sowie in den Publikationen „Himmel ohne Wolken“ (2011) und „NYC – Ghosts and Flowers“ (2011).

 In his latest photograpic works, Edgar Leciejewski (*1977) explores both a popular and in many cases critisised Internet medium. With “New York City – Ghosts and Flowers”, he presents a series of monumental photografies, whose ghostly depicted protagonists meet the viewer in their urban everyday life actions. The portrait-like depictions turn these nameless pedestrians within the medium into prototypes of the New York society. The first presentation of the series was met with great attention by the media. Leciejewski’s works were presented in a solo exhibition at the Stadtmuseum Munich, Germany, in 2011 as well as in numerous group exhibitions, among others at Kunsthalle Wien, Austria, or Witte de With – Center for Contemporary Art in Rotterdam, Netherlands. Along with the exhibition at Galerie Parrotta, further works from the series „Ghost and Flowers“ are displayed at the NRW-Forum Düsseldorf. Reviews of his works were featured in an artist portrait on ARTE and the publications „Himmel ohne Wolken“ (2011) und „NYC – Ghosts and Flowers“ (2011).

Fotografien zu betrachten heißt, sich in einem Bild Vergangenes zu vergegenwärtigen. Mit seinen neuen Arbeiten führt der Künstler Oskar Schmidt uns vor Augen, dass eine solche Form der sehenden Erinnerung nicht zuletzt die Geschichte der Fotografie selbst betrifft. Die überaus prägnante, auf ein nüchternes Schwarz-Weiß reduzierte Bildsprache, die Schmidts „American Series“ im Ganzen prägt, meinen wir bereits zu kennen. Tatsächlich aber hat keines dieser Bilder bis vor Kurzem existiert. Doch nehmen sie alle Bezug auf jene Fotografien, die der Amerikaner Walker Evans zur Zeit der Großen Depression in Alabama aufnahm. Schmidt greift diese legendäre fotografische Serie aus dem Jahr 1936 auf und verdichtet sie zu eindringlichen Stillleben, die ganz aus der Zeit gefallen scheinen. Es ist ein irritierender Eindruck von Zeitlosigkeit, der uns in diesen Tableaus begegnet. Text: Prof. Dr. Steffen Siegel. Oskar Schmidts Arbeiten wurden zuletzt im Museum der bildenden Künste in Leipzig (2011), der Art Collection der Deutschen Börse in Frankfurt (2010) sowie bei C/O Berlin (2009) gezeigt und sind aktuell in der Zabludowicz Collection in New York zu sehen.

Looking at photographs means bringing the past to mind in the form of an image. With his new works, the artist Oskar Schmidt shows that this form of visual recollection indeed also concerns the history of photography itself. Schmidt’s entire “American Series” is informed by an exceedingly concise and sober pictorial language – one which is reduced to black and white and which we somehow think we have already seen before. In actual fact, however, not one of these images existed until recently. Yet they all refer to photographs taken by the American Walker Evans during the Great Depression in Alabama. Schmidt picks up this legendary photographic series from 1936, intensifying it into stunning still lifes which seem to stem from that time. It is a jarring impression of timelessness that we confront in these tableaux. Text: Professor Steffen Siegel. Oskar Schmidt’s works were presented at the Leipzig Museum of Fine Arts (2011), Germany, Art Collection der Deutschen Börse in Frankfurt (2010), Germany and at C/O Berlin (2009) and are currently displayed at the Zabludowicz Collection in New York.

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Übernahme

Stefan Guggisberg

18.11.2011 – 28.01.2012
Di – Fr 11-18 Uhr, Sa 11 – 16 Uhr, u.n.V.

 Der Quantenphysiker Hans-Peter Dürr (1929 in Stuttgart geboren) hat sich mit den vielfältigen Versuchen der Wissenschaften beschäftigt, sich durch Forschungsfragen und deren Ergebnisse der Wirklichkeit zu nähern, um dann zu finden, daß dies nur in Form von Gleichnissen möglich ist. Dürr kommt am Ende seiner eigenen intensiven Tätigkeit als Naturwissenschaftler, zu dem Schluß, daß „die Grundwirklichkeit mehr Ähnlichkeit mit dem unfaßbaren, lebendigen Geist [hat] als mit der uns geläufigen greifbaren stofflichen Materie“.

Sein Hinausdenken über Versuchsreihen und Nachweisbarkeiten hin zu dem Nichtgreifbaren des Geistes findet im Werk Stefan Guggisbergs eine bildliche Entsprechung. Guggisbergs Motive entziehen sich einer räumlichen und zeitlichen Bestimmbarkeit und führen den Betrachter in einen visuellen Bereich, in dem die definierbaren und bekannten Formen sich aufgelöst haben, um eine neue, innere Ordnung anzunehmen. Damit schafft Stefan Guggisberg eine Wirklichkeit auf dem Papier, die durch die allmähliche Auflösung der Figur und die dabei entwickelten Farbräume und Farbwellen eine Gültigkeit gewinnt, die gerade für das Geistige ein Resonanzfeld eröffnet. Guggisberg selbst spricht von einem in sich geschlossenen Bildkosmos, der durch das „Dirigieren“ von Kräften und von Bewegungen entstehe. Dieses „Dirigieren“ meint die sehr besondere Genese der Werke, der die Prozeßhaftigkeit in mehrerer Hinsicht immanent ist: er überzieht das Blatt Papier mit Ölfarbe und läßt das eigentliche Bildmotiv durch das Wegradieren der zuvor aufgetragenen Farbe entstehen. Ein entfernendes Element zeichnet – und mal stärkere, mal zartere Flächen bleiben zurück. Von einer aufgetragenen Oberfläche dringt Guggisberg so zu einem Untergrund vor, der auch inhaltlich als solcher zu verstehen ist: die Abtragung des Äußeren legt Inneres frei. Diesem Arbeitsprozeß liegt, laut Stefan Guggisberg, keine motivische Konzeption, sondern eine Ahnung zugrunde. So wie die Hand des Zeichners Transmitter einer inneren Bewegung ist, ist der Körper des Betrachters Empfänger einer von Farb- und Zeichenstruktur übermittelten Schwingung. Beim Ansehen dieser Bilder, insbesondere der großen Papiere, wird der Betrachter beinahe körperlich in Bewegung versetzt. Der Blick verliert sich in den oszillierenden monochromen und vielfarbigen Zeichenebenen. Nach Motivbedeutung muß dabei nicht gefahndet werden. Vielmehr ist die Erfahrung eines nicht vorhandenen Endpunktes, dadurch von größter Offenheit und Weite möglich. Stefan Guggisbergs Bilder fordern zum gedanklichen Eintritt auf. Geht der Betrachter diesen visuellen Weg, ist die Ahnung einer anderen, neuen Klarheit möglich. Text: Elisa Tamaschke.

Abbildung: Stefan Guggisberg »ohne Titel (Übernahme)« 2010, Öl auf Papier, 215 x 170 cm

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TOURNÉ,
TOURNÉ,
TOURNÉ,
TOURNÉ
(LOOK, WHAT
THEY’VE DONE TO MY
SONG, MA)

Thomas Janitzky, Inga Kerber, Jochen Plogsties und Anna Sartorius

07.11.2011 – 28.01.2012

Eröffnung:
Dienstag, 6.12 2011, 17 – 21 Uhr, mit einer Performance von Thomas Janitzky um 19 Uhr

»Das Potenzial der Wiederholung liegt für uns auch darin, dass sie immer verfehlt ist. Damit eröffnet sie den Weg zu etwas Neuem.« Aus dem Interview Anna Sartorius/Prinz Gholam vom 20.11.2009

Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag 11 – 18 Uhr, Samstag 11 – 16 Uhr u. n. V.

www.korridor.eu

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Künstlerhaus Stuttgart
Reuchlinstraße 4b 70178 Stuttgart


+49 711 617652
info@kuenstlerhaus.de
http://kuenstlerhaus.de

KÜNSTLERISCHE DIALOGE

Solmaz Shahbazi: Dreamland


11. Februar 2012 – 1. April 2012

Eröffnung: Freitag, 10. Februar 2012, 19 Uhr


Künstlerhaus 4. Stock

Das Künstlerhaus Stuttgart freut sich, die erste Einzelausstellung von Solmaz Shahbazi in Stuttgart zu präsentieren.
Als Absolventin der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart zeigt Shahbazi im Künstlerhaus einen Ausschnitt aus ihrem filmischen und fotografischen Schaffen der letzten Jahre.
Solmaz Shahbazi wurde 1971 in Teheran geboren und lebt seit 1985 in Deutschland. Sie studierte Architektur und Design an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und lebt seit einigen Jahren in Berlin. Neben ihrer Teilnahme an der 7. Sharjah-Biennale und der 9. Istanbul-Biennale sowie der 1. Thessaloniki-Biennale für Zeitgenössische Kunst wurden Shahbazis Arbeiten seit 2001 umfangreich in Europa, den USA sowie dem Mittleren Osten gezeigt.
Die Ausstellung “Dreamland” vereint mit “Persepolis” den dritten Teil von Shahbazis “Tehran Trilogy” sowie die Fotoserie “Dreamland Cairo” und den gleichnamigen Film aus dem Jahr 2010. Überdies zeigt die Ausstellung zwei Work-in Progress-Arbeiten der Künstlerin.

TERMINE:

Donnerstag, 23. Februar 2012, 18 Uhr
 Kuratorenführung durch die Ausstellung mit Adnan Yildiz

Samstag, 17. März 2012, 19-2 Uhr 
LANGE NACHT DER MUSEEN
 Ausstellung und Werkstätten geöffnet

Freitag, 30. März 2012, 19 Uhr
 Filmprogramm “State of Fluidity” 
Als Teil der Ausstellung „Dreamland“ präsentiert Sarah Rifky ein gemeinsam mit Maha Maamoun kuratiertes Filmprogramm unter dem Titel „State of Fluidity“. Das Programm geht der Frage nach, inwiefern sich die Lesbarkeit und Wahrnehmung von Filmen unterscheiden, je nachdem, ob sie Teil eines Filmprogramms sind oder als Einzelwerke in einer Ausstellung präsentiert werden.
Sarah Rifky lebt und arbeitet als freie Kuratorin und Autorin in Kairo und ist beteiligt an der diesjährigen dOCUMENTA (13).

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SOLIDARITÄTS-AUKTION
KÜNSTLERHAUS STUTTGART

Dienstag, 6. Dezember 2011, 18-20 Uhr
AUKTIONSVORBESICHTIGUNG IM RAHMEN DER LINIE WEST
Künstlerhaus Stuttgart: Reuchlinstraße 4b
Galerie Parrotta: Augustenstraße 87-89
Galerie Klaus Gerrit Friese: Rotebühlstraße 87
Galerie Reinhard Hauff: Paulinenstraße 47

 Samstag, 10. Dezember 2011, 18 Uhr
AUKTION & AFTER PARTY
Künstlerhaus Stuttgart, 2. Stock

Mit Arbeiten von:
Nevin Aladag, Erdag Aksel, Benjamin Badock, Hagen Betzwieser/Sue Corke,Anne-Lise Coste, Discoteca Flaming Star, Marc Dittrich, Annika Eriksson, GFS, Nilbar Güres, Claude Horstmann, JAK, Bernhard Kahrmann, Inga Kerber, Karima Klasen, Steffen Kugel, Matthias Megyeri, Gabriela Oberkofler, Ahmet Ögüt, Dan Perjovschi, Johannes Paul Raether, Rock und Bluse, Simone Rueß, Yorgos Sapountzis, Eva Schmeckenbecher, Slavs and Tatars, Robert Steng, Erik Sturm, Chen Wang, Sylvia Winkler/Stephan Köperl, Georg Winter, Ming Wong und vielen anderen …


Als Ort der Produktion, des Experiments und des Diskurses über zeitgenössische Kunst spielt das Künstlerhaus Stuttgart seit seiner Gründung im regionalen wie im internationalen Kontext eine wichtige Rolle. Um die bisherige Dichte an Aktivitäten auch in finanziell schwierigen Zeiten weiterhin leisten zu können und die Institution als offenes und unabhängiges Zentrum der Kunst zu erhalten, sucht das Künstlerhaus unablässig nach alternativen Mitteln und Möglichkeiten, um seine Arbeit zu finanzieren.

Aus diesem Grund wurden zahlreiche Künstlerinnen und Künstler aus Stuttgart und der Region als auch dem internationalen Umfeld um Werkspenden gebeten, die in einer Abendveranstaltung mit anschließender Party zu Gunsten des Künstlerhauses versteigert werden. Sämtliche Erlöse aus der Versteigerung werden dem Künstlerhaus zur Verfügung gestellt, um finanzielle Engpässe auszugleichen, die nicht zuletzt seit den Budgetkürzungen im Stuttgarter Kulturhaushalt vor zwei Jahren den Betrieb des Künstlerhauses zunehmend erschweren.

Die gestifteten Arbeiten stammen nicht nur von aktuell in den Künstlerhaus-Ateliers arbeitenden StipendiatInnen und von Beteiligten diesjähriger Ausstellungen im Künstlerhaus, sondern auch von befreundeten KünstlerInnen, die dem Haus und seiner Arbeit nahe stehen und ein Zeichen der Verbundenheit setzen möchten. Darüber hinaus haben sich die Galerie Parrotta, die Galerie Klaus Gerrit Friese und die Galerie Reinhard Hauff sowie das Galerienhaus Stuttgart ebenfalls bereit erklärt, jeweils ein Werk aus ihrem Galerieprogramm für die Auktion im Künstlerhaus zur Verfügung zu stellen.

Die zu ersteigernden Werke können im Rahmen der LINIE WEST am Dienstag, den 6. Dezember 2011, von 18 bis 20 Uhr im Künstlerhaus sowie den Galerien Parrotta, Friese und Hauff vorbesichtigt werden. Zur Vorbesichtigung liegt im Künstlerhaus und den beteiligten Galerien die komplette  Werk- und Preisliste auf.

Um eine Anmeldung zur Teilnahme an der Auktion wird gebeten bis Mittwoch, den 7. Dezember 2011, unter ay@kuenstlerhaus.de.

Ein Teil der Arbeiten wird bereits vorab im Rahmen einer “STILLEN AUKTION”angeboten, die ab sofort bis Samstag, den 10. Dezember, 18:30 Uhr, läuft. Die hierfür zur Verfügung stehenden Arbeiten einschließlich Informationen zu den KünstlerInnen und jeweiligen Preisen finden Sie hier:
Download Werk- und Preisliste STILLE AUKTION (pdf)

Im Rahmen der Solidaritäts-Auktion werden 2 KAUFOPTIONEN angeboten, die sowohl für die “STILLE AUKTION” als auch für die LIVE AUKTION am 10. Dezember gelten:

a) Sofortkauf
Jede Arbeit in der Auktion wird für einen speziellen Preis zum Sofortkauf angeboten.
Bitte füllen Sie hierzu das folgende Formular aus:
Download Formular SOFORTKAUF (pdf)

b) Online-Gebot
Mit einer Email an ay@kuenstlerhaus.de können Gebote für alle zur Verfügung stehenden Arbeiten unter Angabe des jeweiligen Höchstgebotes bis Samstag, den 10. Dezember 2011, 18:30 Uhr, auch online erfolgen.
Bitte füllen Sie hierzu das folgende Formular aus:
Download Formular ONLINE-GEBOT (pdf)

Das Künstlerhaus Stuttgart dankt allen beteiligten KünstlerInnen, Galerie Parrotta, Galerie Klaus Gerrit Friese, Galerie Reinhard Hauff und dem Galerienhaus Stuttgart für ihre großzügigen Werkspenden und dem ICI New York für die beratende Unterstützung.

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Kalender

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  • Linie West No. 7LINIE WEST No. 7 Der Galerienrundgang im Stuttgarter Westen 18 – 21 Uhr mit Eröffnungen in der Galerie Klaus Gerrit Friese und bei [...]
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  • Künstlergespräch bei Parrotta Daniel J. Schreiber, Kunsthalle Tübingen, spricht mit Benjamin Badock über seine aktuelle Ausstellung SAYES und dem New Yorker [...]
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LINIE WEST No. 7

Der Galerienrundgang im Stuttgarter Westen

18 – 21 Uhr

mit Eröffnungen in der Galerie Klaus Gerrit Friese und bei Parrotta Contemporary Art.

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Künstlergespräch bei Parrotta

Daniel J. Schreiber, Kunsthalle Tübingen, spricht mit Benjamin Badock über seine aktuelle Ausstellung SAYES und dem New Yorker Sternenhimmel.

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Blog

7 statt 19

Die reduzierte Umsatzsteuer für die Bildende Kunst hat sich seit Jahrzehnten bewährt. Für die Kultur insgesamt ist sie das denkbar effektivste Förderinstrument. Sie hat entscheidend dazu beigetragen, dass sich die Künste in Deutschland in einzigartiger Vielfalt entwickeln konnten.

Diese ist durch das Vorhaben der Europäischen Kommission massiv gefährdet. Denn die wirtschaftlichen Einbußen, die in Folge der geforderten Mehrwertsteueranhebung eintreten würden, liegen auf der Hand: sie werden denkbar schlechte Auswirkungen auf den gesamten Kunstbetrieb haben. Dagegen setzen sich alle Akteure und Institutionen im Kultursektor mit Entschiedenheit zur Wehr! Von einem sich degressiv entwickelnden Kunstmarkt sind nämlich nicht zuletzt die Künstler betroffen, deren wirtschaftliche Situation analog zur Vermarkterseite überwiegend instabil ist.  Der Großteil der Galerien – mehr als 90% – macht entgegen den Annahmen der öffentlichen Meinung nur ausnahmsweise nennenswert über sechsstellige Jahresumsätze. Die Mehrwertsteuerermäßigung ermöglicht Galerien, die sich in hohem Maße der Kunst und der Künstlerförderung verpflichtet fühlen, ihre Arbeit.

Die Bildende Kunst macht mit den anderen Sparten (Musik, Publizistik und darstellende Kunst) den Gesamtbegriff einer Kultur aus, die notwendig für die Erneuerung und die Substanz des gesellschaftlichen Gefüges ist. Sie darf steuerlich nicht ungleich behandelt werden. Parallel zur Steuergerechtigkeit innerhalb der Kultursparten darf es auch keine Unterschiede in der steuerlichen Behandlung von Direktverkäufen durch die Künstler einerseits und Verkäufen durch den Kunsthandel andererseits geben, was der Kommission groteskerweise als gerecht vorschwebt. Es geht jetzt und auf Dauer in der Bildenden Kunst – ausgelöst durch eine in sich nicht konsistente Forderung der Europäischen Kommission – um die Einheit von Museen, Sammlern, Künstlern, Galeristen und Kunsthändlern, die ihren symbolischen und konkreten Ausdruck in einer Zahl findet: 7%.

Galerie Klaus Gerrit Friese

     
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Interview mit Marc Bijl von Adnan Yildiz

 

Ausstellungsansicht: Marc Bijl "never trust a rebel", Galerie Reinhard Hauff, Stuttgart, 2012

 

 

ADNAN YILDIZ: Mich interessiert, wie du eine malerische Sprache der Abstraktion entwickelst, wie sie zum Bespiel klar in deiner Einzelausstellung in der Galerie Reinhard Hauff erkennbar ist durch die Verwendung der Farbe als Material, nämlich Schwarz und Silber sowie Beton und Sprayfarbe …

MARC BIJL: Teilweise kommt diese malerische Sprache aus dem Graffiti, teilweise aus der Tradition der so genannten ‘Murals’. Das sind aktivistische Wandmalereien, die manchmal eine Text-Message haben. Mir ist aufgefallen, dass diese Form, diese politischen Texte oder unlesbaren Graffiti-’Tags’ selbst schon ein bestimmtes Schwarz/Weiss-Denken zeigen. Dass sie eine Art Logo von bestimmten Gedanken sind, die früher in meinem Leben einmal interessant waren. Für oder dagegen, links oder rechts, Trust oder Rebel. Ich wollte diese abstrakten Strukturen in klaren Malereien zeigen.

AY: Ich glaube, in deinen Arbeiten sind Malewitsch und Rothko nicht nur formale Bezugspunkte, sondern du spielst, indem du sie reproduzierst, auch mit ihrem kunsthistorischen Rang und ihrem Marktwert. Du irritierst den Betrachter, indem du diese Ikonen der Moderne wie Logos einsetzt…

MB: Sicher, aber ich finde diese Künstler (wie Josef Albers, Franz Kline, Mark Rothko und Malewitsch) auch wirklich interessant. Die Arbeiten sind – neben dem Fakt, dass es sich bei den Vorlagen um Stilikonen der Moderne handelt – auch eine Hommage an die Künstler. Diese haben versucht, ihre utopischen Gedanken und die Suche nach Spiritualität in einer abstrakten Form auszudrücken und dabei selbst nicht an ihren Marktwert gedacht. Es handelt sich daher eher um eine Kritik an dem heutzutage unentspannten Kunstbetrieb. Man scheint heute vergessen zu haben, dass große Künstler früher nicht unbedingt die meist gehypten Künstler waren, sondern eher Außenseiter, Underground-Figuren in ihrer Zeit. Vielleicht ist das aber auch nur meine romantische Sichtweise.

AY: Die aktuelle Einzelausstellung in der Galerie Reinhard Hauff setzt den Schwerpunkt auf Malerei. Dazwischen befindet sich eine Arbeit, die aus zwei bearbeiteten Spiegeln besteht und sozusagen die Stille der Malerei durchbricht. Ich erinnere mich daran, dass deine früheren Arbeiten vor allem als Mixed Media – Installationen angelegt waren. Ist diese Ausstellung nun für dich eine weitere Stufe der Abstraktion oder hast du sie auf diese Weise besonders für eine Galerie zugeschnitten?

MB: Ich bin im Moment mit Malereien beschäftigt, es war also logisch, diese auch als solche auszustellen, dh. alle in einem Raum. Wobei mich das Medium ‘Malerei’ auf diese Art und Weise doch an Graffiti und politische Wandmalerei erinnert. Es war also auch eine konzeptuelle Entscheidung, diese Malereien so – ohne viel Theater – zu zeigen. Grundsätzlich arbeite ich in verschiedenen Medien, auch mit Interventionen oder Installationen. Die Arbeit, der Raum und der Moment müssen aber immer zusammenpassen… In der Galerie Reinhard Hauff hatte ich die Idee einer reinen Malerei-Ausstellung, so etwas habe ich vorher noch nie gemacht!

AY: Was inspiriert dich in deiner Arbeit?

MB: Urbanes individuelles Leben gegenüber spirituellen Fragen.

AY: Wie ist dein Atelier aufgebaut?

MB: Chaotisch.

AY: Wo befindet es sich?

MB: In Berlin Kreuzberg.

AY: Wie arbeitest du in deinem Atelier?

MB: Langsam, dann wieder ganz schnell und chaotisch. Wenn ich die Hilfe von einem Assistent habe, geht es besser.

AY: Wie gestaltet sich der Arbeitsprozess in deinem Atelier?

MB: Chaotisch, ich denke und philosophiere im Büro oder kämpfe zuhause im Arbeitsraum.

AY: Kannst du etwas über die Bedeutung des Ateliers für deine Arbeit sagen?

MB: Ich habe ein großes Atelier, sehe es aber als Arbeitsplatz. Ich bin ein Künstler, der gerade nicht viel im Atelier sein will, weil es für mich Arbeit bedeutet. Ich komme dorthin, um Sachen zu ‘erledigen’, zu kämpfen, zu rauchen, zu malen und zum Bildhauen. Sehr klischeehaft, wie ein echter Künstler. Das schaffe ich aber nicht einen ganzen Tag lang. Den Rest des Tages denke ich nach, recherchiere und lese, am liebsten nicht in meinem Studio….

www.reinhardhauff.de


     
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INTERVIEW MIT SOLMAZ SHAHBAZI UND SARAH RIFKY / ADNAN YILDIZ 

 

 

ADNAN YILDIZ: Wann hast du den Prozess des Filmemachens für dich entdeckt? Wie entwickelte sich deine Beziehung zur zeitgenössischen Kunst? Welche Rolle spielt die Architektin Shahbazi in deiner Filmsprache?

SOLMAZ SHAHBAZI: Das Bild an sich hat mich schon lange interessiert. Während meines Studiums der Architektur an der Kunstakademie in Stuttgart begann ich vermehrt meine Arbeiten mit fotografischen Installationen zu präsentieren. Die erste Videoarbeit machte ich für ein Kurzprojekt im Hauptstudium. In der Arbeit ging es um Wahrnehmungsprozesse. Was mich zur Produktion meiner ersten Filmarbeit motivierte waren einige Gespräche über modernistische Architektur in Teheran und die Stadt an sich. Kurz nach meinem Diplom schlug ich Tirdad Zolghadr, mit dem ich die Gespräche geführt hatte, vor, mit mir einen Film über Teheran zu machen, bewusst der Tatsache, dass der Blickwinkel, aus dem wir die Stadt betrachten würden, viele Fragen aufwerfen und Betrachtungsweisen hinterfragen würde, die damals noch nicht so bekannt waren wie heute. Tirdad war hauptsächlich im Ausland aufgewachsen und hatte in der Schweiz studiert, ich war mit 14 nach Deutschland gekommen und hatte in Stuttgart Architektur studiert. Wir haben uns beide für die Architektur in Tehran, deren Entwicklung und Veränderung durch politische Umwälzungen der Gesellschaft interessiert. Außerdem haben wir das politische Gefüge im Land und dessen Präsentation und Repräsentation sowohl im Ausland als auch im Land selbst verfolgt und kannten die damals erzeugten Bilder der Medien aus beiden Perspektiven sehr gut. So machte das Experiment großen Spaß, alle im Ausland so gut bekannten Bilder aus Teheran auszulassen und somit den Zuschauer mit seinen vorfabrizierten Vorstellungen herauszufordern. Dieses Konzept versuche ich noch heute in meinen Arbeiten zu verfolgen. Eine Weile nach dem der Film fertig war, kontaktierte mich eine Kuratorin, die auf Recherche in Teheran gewesen war und an zeitgenössische „Iranische“ Filmemacherinnen interessiert war und mit mir zusammenarbeiten, obwohl ich sie darauf aufmerksam machte, dass ich Architektin war und nur einen Film wollte gemacht hatte und außerdem in Deutschland lebte und somit aus vielen Gründen nicht die richtige Person war. Dennoch traf ich sie, stellte auf einer Kunstmesse den Film vor und fand mich kurz danach in der Kunstwelt wieder. Ob die Architektur meine filmische Sprache beeinflusst, kann ich nicht so genau beantworten, sicherlich beziehen sich die Themen, der Arbeiten auf Arkitektur und Urbanismus.

AY: Kannst du die künstlerische Idee hinter dem Filmprojekt “Persepolis” kurz umreißen? Wann hast du dich entschlossen, den Film zu machen? Wie gestaltete sich der Produktionsprozess? Und wie waren die Reaktionen darauf über die Jahre?

SS: Ich hatte nach dem ersten Film „Tehran 1380“ (2001) direkt die Möglichkeit, einen zweiten zu drehen und entschied mich, die Arbeit mit der Videokamera weiterzuführen und zu lernen. Das Thema war natürlich, so wollte es der Produzent damals, wieder Teheran. Exotisch und sexy genug, um sicher zu sein, dass sich die Investition lohnen würde. Ich habe diesen Exotismus genutzt und für mich instrumentalisiert, um weiter zu arbeiten. Persepolis, der dritte Film meiner Teheran Trilogie, war die erste Arbeit, die ich offiziell als künstlerische Arbeit produzieren konnte, die erste Arbeit, deren kleine Teilfinanzierung durch eine Kunstinstitution möglich wurde. Ich wurde von Vasif Kortun eingeladen, mich für eine Residency in Istanbul zu bewerben. So lernte ich ihn und November Paynter kennen, die mir im Verlauf verschiedener Zusammenarbeiten, die Möglichkeit boten, den dritten Teil der Trilogie, „Persepolis“ zu drehen und fertig zu stellen. Ich wollte einen persönlichen Film machen, in dem ich meine Position als Repräsentantin hinterfragen wollte: auch ich muss anderen Fragen stellen, wenn ich über Teheran etwas wissen möchte. Das tat ich, in dem ich Nachbarn in dem Haus, in dem ich zu der Zeit in Teheran wohnte, bat, mir die Stadt und deren Veränderungen in den Jahren vor der Revolution bis zur Gegenwart über Erinnerungen zu beschreiben. Man sieht die Orte aber im Film nicht, auch nicht die Erzählenden. Zu sehen sind Stilllebenaufnahmen aus den Wohnzimmern der Personen, denen man zuhört. So muss sich der Zuschauer entgegen der normalen Sehgewohnheit sowohl die erzählende Person anhand der Stimme und der persönlichen Einrichtung vorstellen, als auch das Hauptthema der Arbeit, die Stadt, von der man über die Medien schon viele Bilder gesehen hatte. Ich denke, so bekommt die Arbeit eine weitere Ebene, die individuelle Vorstellung jedes Einzelnen. Bisher gab es viele positive Reaktionen zu der Arbeit. Sie wird sehr oft gezeigt. Ich glaube die Form der Arbeit ermöglicht es, sie in sehr unterschiedlichen Kontexten zu zeigen. Sollte meine Vermutung stimmen, könnte ich auch behaupten, dass sie der Nische entkommen ist.

AY: Deine zuletzt entstandene Arbeit “Dreamland Cairo” spielt eine Schlüsselrolle in deiner Einzelausstellung im Künstlerhaus Stuttgart. Als Exotismus zur Schau stellende Orte sind Zoos äußerst problematisch, und die Frage nach dem institutionellen Erbe finde ich in diesem Zusammenhang sehr spannend, insbesondere in Bezug auf die Geschichte der Moderne. Welche künstlerische Motivation steckt hinter diesem Projekt?

SS: Der Zoo ist Teil einer größeren Arbeit, zu der eine Reihe von Fotografien und Texten gehören, die ich in Kairo produzierte. Mit dem Konzept verfolge ich eine Arbeit, die ich im Rahmen der 9. Biennale in Istanbul zeigte. Es geht um urbane und gesellschaftliche Utopien und um neue Formen, durch die sich Gruppen definieren und von anderen abzugrenzen versuchen. In „Perfectly Suited for You“ in Istanbul untersuche ich die Idee und Entwicklung der Gated Communities. Natürlich floriert diese Geschäftsidee in einer Megacity wie Kairo auch. Ich führe die Arbeit aus Istanbul in „Dreamland Cairo“ weiter, in dem ich nach den Ursprüngen der Idee der Abgrenzung von gesellschaftlichen Schichten in der Stadt suche und sie Mitte des 19. Jahrhunderts am Beispiel des heutigen Giza Zoo, wiederfinde. Insofern ist nicht der Zoo als solcher Mittelpunkt der Arbeit, sondern die gesellschaftliche Funktion, die er zu der Zeit erfüllen sollte und die Veränderung dieser Funktion nach der Revolution von 1952 und der Machtübernahme von Gamal Abd al Nasser. Ein Text darüber ist zentraler Teil der Fotoserie, die man in der Ausstellung sehen kann.

AY: Wir haben gemeinsam entschieden, deine Work-In-Progress-Arbeiten in die Einzelausstellung aufzunehmen, um deinen Umgang mit fotografischen Bildern und Filmsprache zu veranschaulichen. Für diesen Teil der Ausstellung hast du zwei Arbeiten ausgewählt, an denen du noch arbeitest. In welcher Relation stehen diese Arbeiten zur Gesamtausstellung bezogen auf die künstlerische Recherche im Zuge des Filmemachens?

SS: Der Ansatz bei beiden Arbeiten ist die Weiterführung und Entwicklung älterer Arbeiten, wobei ich versuche, die Arbeitsweise, also auch die Art der Produktion weiterzuentwickeln und auch zu verändern. Das Berlin Projekt mit dem Arbeitstitel „Haus 17“ lehnt sich im Aufbau sehr an Persepolis. Du, Kurator der Ausstellung, hast mich eingeladen, einen weiteren Film in Berlin zu produzieren, woraufhin ich die Möglichkeut bekam, die Erfahrung von „Persepolis“ in eine neue Arbeit über Berlin zu transformieren. Wie verändern sich die Bilder, die sich jeder individuell vorstellt, wenn man von Erinnerungen aus Teheran hört oder aus Berlin? Auch hier entwickelt sich das Konzept aus den Erzählungen der Bewohner eines Wohnhauses, in dem ich in Berlin lebe. Der Strausberger Platz ist Teil eines sozialistischen Wohnkomplexes, der nach einem städtebaulichen Wettbewerb 1951 im Stil des Neoklassizismus im damaligen Ostberlin geplant wurde. Die Baustelle am Strausberger Platz war einer der Ausgangspunkte der Streiks gegen die erhöhten Arbeitsnormen in der DDR am 16. Juni 1953 und damit des Aufstandes am 17. Juni 1953. Mittlerweile werden die Häuser um den Platz hauptsächlich von zugezogenen Neuberlinern bewohnt. Viele der ehemaligen Bewohner sind nach der Wende ausgezogen. Die wenigen, die noch da sind, ziehen nach und nach in Altenheime oder sind von einem Tag auf den anderen nicht mehr da. Die andere Arbeit, die als Work in Progress gezeigt wird, beinhaltet, Einzelteile und Recherchematerial, aus denen der Film „Rebecca“ entstehen wird. Der Film ist eine Zusammenführung der Geschichte Rebecca Levys, die fast ihr ganzes Leben im Osten Londons verbracht hat und vor zwei Jahren im Alter von 98 Jahren gestorben ist, mit Geschichten aus ausgewählten Interviews mit derzeit in London lebenden Menschen. Man hört Rebecca zu, wie sie in einem kurzen Interview vor ihrem Tod ihr Leben in Spitalfields schildert. Das Material gibt einen kurzen und privaten Einblick in das Gefühl, an einem Ort zu leben, der sich in den letzten Jahren rasant vom Arbeiterviertel zum Finanzquartier Londons gewandelt hat.

AY: Das Künstlerhaus Stuttgart hat sich zum Ziel gesetzt, eine umfangreiche Schau zu veranstalten, die Deine jüngsten Recherchearbeiten und Produktionen beinhaltet. Diese Ausstellung ist jedoch auch deine erste Einzelausstellung in deiner Heimatstadt. Wie denkst du über die Art der Ausstellung und das Screening aus der Sicht einer Filmemacherin? Kannst du uns etwas darüber erzählen, wie es dazu gekommen ist, Sarah Rifky in den Ausstellungsprozess einzubeziehen?

SS: “Giza Zoo“ wurde als Teil einer Arbeit produziert, die hauptsächlich aus Fotografien besteht, mit der Absicht, Film hauptsächlich von der fotografischen Position zu betrachten. Während und nach der Produktion der gesamten Arbeit in Kairo führte ich einige Gespräche mit Sarah Rifky über meine Arbeiten und diese Arbeit im Besonderen. Ich erhielt vor einiger Zeit eine Einladung von ihr und Maha Maamoun, die die Videoarbeit innerhalb eines Filmprogramms zeigen wollten. Nun sollte die Arbeit also innerhalb eines Filmscreenings ohne den eigentlichen Kontext gezeigt werden innerhalb dessen er entstanden war. Es war interessant, diese Umkehrung zu sehen und wie die Arbeit dann funktionierte. Dies lag sicherlich auch an der Auswahl und dem Konzept von Rifky und Maamoun für ihr Programm „State of Fluidity“. So entstand die Idee, Sarah einzuladen, um mit ihr über das Konzept und die Entscheidung zu sprechen, den Film aus dem eigentlich dafür konzipierten Kontext heraus zu nehmen und ihn innerhalb eines Filmprogramms zu zeigen.

AY: An dieser Stelle möchte ich Sarah Rifky in unser Gespräch einbeziehen. Sarah veranstaltet beigleitend zur Ausstellung ein Screening und wird einen Vortag über die Einzelausstellung halten. Sarah, Wie ist deine Vorstellung von „Dreamland“ als in Kairo lebende Kulturschaffende und Augenzeugin der Ereignisse im letzten Jahr nach so viel politischer Diskussion und Bewegung im öffentlichen Raum in Ägypten?

SARAH RIFKY: Ich muss dabei an die Beziehung zwischen Kunst und Kapital denken. Kairo ist als Stadt, die man sich historisch vorstellt und erträumt, auch eine Stadt, die geprägt ist von neuen Träumen, die ihren Ursprung woanders haben, etwa in den USA, oder in den Golfstaaten. Und diese Träume geben dann unvermittelt den Trend in den Randbezirken einer Stadt vor, die sich im urbanen Sinne wandelt. Die Satellitenstadt Dreamland ist Teil dieses neuen Traums und passend benannt. Man denke nur an den amerikanischen Traum. Shahbazis Auffassung von „Dreamland“ transzendiert den dokumentarischen Rahmen und löst sich von der ortsgebundenen Spezifizität des Themas. “Dreamland“ weist auf eine bestimmte gesellschaftliche Wunschvorstellung nach einer bestimmten Art von Stadt hin, auf eine massenpersonifizierte sozio-ökonomische Bestrebung usw.

AY: Wo stehen Kunstschaffen und Markt angesichts des Zerfalls so vieler Institutionen in einer Zeit hoher politischer Aktivität im Zeichen des arabischen Frühlings oder der Occupy-Bewegung?

SR: In Kairo ist “Dreamland“ als eine von zahlreichen Siedlungen am Rande der Stadt aufgrund der Abgeschiedenheit vom Stadtzentrum (sowohl geografisch als auch im übertragenen Sinne) derzeit anfälliger für Verbrechen und sporadische Gewaltakte, insbesondere aufgrund der orchestrierten Abwesenheit von jeglicher Staatssicherheit im Zuge von Ausschreitungen und Aufständen. Dabei drängt sich mir der Gedanke einer symbolhaften Wendung auf, die die Menschen wieder in das Zentrum, das Herz der Stadt, treibt. Rein in die Stadt und weg von den neu errichteten, entlegenen und isolierten Siedlungen Kairos. Als Kunstprojekt entfacht „Dreamland“ eine Diskussion, die noch im Fluss ist.

www.kuenstlerhaus.de

     
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LINIE WEST wünscht frohe Weihnachten und alles Gute für ein wunderbares Jahr 2012!

     
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Neue Website ist online!

Liebe Freunde der LINIE WEST,
Viel Spass mit der neuen Website, wir freuen uns auf euren Besuch am 06.12.2011!

Galerie Klaus Gerrit Friese
Galerie Reinhard Hauff
Parrotta Contemporary Art
Künstlerhaus Stuttgart

     
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