Interview mit Marc Bijl von Adnan Yildiz

ADNAN YILDIZ: Mich interessiert, wie du eine malerische Sprache der Abstraktion entwickelst, wie sie zum Bespiel klar in deiner Einzelausstellung in der Galerie Reinhard Hauff erkennbar ist durch die Verwendung der Farbe als Material, nämlich Schwarz und Silber sowie Beton und Sprayfarbe …
MARC BIJL: Teilweise kommt diese malerische Sprache aus dem Graffiti, teilweise aus der Tradition der so genannten ‘Murals’. Das sind aktivistische Wandmalereien, die manchmal eine Text-Message haben. Mir ist aufgefallen, dass diese Form, diese politischen Texte oder unlesbaren Graffiti-’Tags’ selbst schon ein bestimmtes Schwarz/Weiss-Denken zeigen. Dass sie eine Art Logo von bestimmten Gedanken sind, die früher in meinem Leben einmal interessant waren. Für oder dagegen, links oder rechts, Trust oder Rebel. Ich wollte diese abstrakten Strukturen in klaren Malereien zeigen.
AY: Ich glaube, in deinen Arbeiten sind Malewitsch und Rothko nicht nur formale Bezugspunkte, sondern du spielst, indem du sie reproduzierst, auch mit ihrem kunsthistorischen Rang und ihrem Marktwert. Du irritierst den Betrachter, indem du diese Ikonen der Moderne wie Logos einsetzt…
MB: Sicher, aber ich finde diese Künstler (wie Josef Albers, Franz Kline, Mark Rothko und Malewitsch) auch wirklich interessant. Die Arbeiten sind – neben dem Fakt, dass es sich bei den Vorlagen um Stilikonen der Moderne handelt – auch eine Hommage an die Künstler. Diese haben versucht, ihre utopischen Gedanken und die Suche nach Spiritualität in einer abstrakten Form auszudrücken und dabei selbst nicht an ihren Marktwert gedacht. Es handelt sich daher eher um eine Kritik an dem heutzutage unentspannten Kunstbetrieb. Man scheint heute vergessen zu haben, dass große Künstler früher nicht unbedingt die meist gehypten Künstler waren, sondern eher Außenseiter, Underground-Figuren in ihrer Zeit. Vielleicht ist das aber auch nur meine romantische Sichtweise.
AY: Die aktuelle Einzelausstellung in der Galerie Reinhard Hauff setzt den Schwerpunkt auf Malerei. Dazwischen befindet sich eine Arbeit, die aus zwei bearbeiteten Spiegeln besteht und sozusagen die Stille der Malerei durchbricht. Ich erinnere mich daran, dass deine früheren Arbeiten vor allem als Mixed Media – Installationen angelegt waren. Ist diese Ausstellung nun für dich eine weitere Stufe der Abstraktion oder hast du sie auf diese Weise besonders für eine Galerie zugeschnitten?
MB: Ich bin im Moment mit Malereien beschäftigt, es war also logisch, diese auch als solche auszustellen, dh. alle in einem Raum. Wobei mich das Medium ‘Malerei’ auf diese Art und Weise doch an Graffiti und politische Wandmalerei erinnert. Es war also auch eine konzeptuelle Entscheidung, diese Malereien so – ohne viel Theater – zu zeigen. Grundsätzlich arbeite ich in verschiedenen Medien, auch mit Interventionen oder Installationen. Die Arbeit, der Raum und der Moment müssen aber immer zusammenpassen… In der Galerie Reinhard Hauff hatte ich die Idee einer reinen Malerei-Ausstellung, so etwas habe ich vorher noch nie gemacht!
AY: Was inspiriert dich in deiner Arbeit?
MB: Urbanes individuelles Leben gegenüber spirituellen Fragen.
AY: Wie ist dein Atelier aufgebaut?
MB: Chaotisch.
AY: Wo befindet es sich?
MB: In Berlin Kreuzberg.
AY: Wie arbeitest du in deinem Atelier?
MB: Langsam, dann wieder ganz schnell und chaotisch. Wenn ich die Hilfe von einem Assistent habe, geht es besser.
AY: Wie gestaltet sich der Arbeitsprozess in deinem Atelier?
MB: Chaotisch, ich denke und philosophiere im Büro oder kämpfe zuhause im Arbeitsraum.
AY: Kannst du etwas über die Bedeutung des Ateliers für deine Arbeit sagen?
MB: Ich habe ein großes Atelier, sehe es aber als Arbeitsplatz. Ich bin ein Künstler, der gerade nicht viel im Atelier sein will, weil es für mich Arbeit bedeutet. Ich komme dorthin, um Sachen zu ‘erledigen’, zu kämpfen, zu rauchen, zu malen und zum Bildhauen. Sehr klischeehaft, wie ein echter Künstler. Das schaffe ich aber nicht einen ganzen Tag lang. Den Rest des Tages denke ich nach, recherchiere und lese, am liebsten nicht in meinem Studio….
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