7 statt 19

Die reduzierte Umsatzsteuer für die Bildende Kunst hat sich seit Jahrzehnten bewährt. Für die Kultur insgesamt ist sie das denkbar effektivste Förderinstrument. Sie hat entscheidend dazu beigetragen, dass sich die Künste in Deutschland in einzigartiger Vielfalt entwickeln konnten.

Diese ist durch das Vorhaben der Europäischen Kommission massiv gefährdet. Denn die wirtschaftlichen Einbußen, die in Folge der geforderten Mehrwertsteueranhebung eintreten würden, liegen auf der Hand: sie werden denkbar schlechte Auswirkungen auf den gesamten Kunstbetrieb haben. Dagegen setzen sich alle Akteure und Institutionen im Kultursektor mit Entschiedenheit zur Wehr! Von einem sich degressiv entwickelnden Kunstmarkt sind nämlich nicht zuletzt die Künstler betroffen, deren wirtschaftliche Situation analog zur Vermarkterseite überwiegend instabil ist.  Der Großteil der Galerien – mehr als 90% – macht entgegen den Annahmen der öffentlichen Meinung nur ausnahmsweise nennenswert über sechsstellige Jahresumsätze. Die Mehrwertsteuerermäßigung ermöglicht Galerien, die sich in hohem Maße der Kunst und der Künstlerförderung verpflichtet fühlen, ihre Arbeit.

Die Bildende Kunst macht mit den anderen Sparten (Musik, Publizistik und darstellende Kunst) den Gesamtbegriff einer Kultur aus, die notwendig für die Erneuerung und die Substanz des gesellschaftlichen Gefüges ist. Sie darf steuerlich nicht ungleich behandelt werden. Parallel zur Steuergerechtigkeit innerhalb der Kultursparten darf es auch keine Unterschiede in der steuerlichen Behandlung von Direktverkäufen durch die Künstler einerseits und Verkäufen durch den Kunsthandel andererseits geben, was der Kommission groteskerweise als gerecht vorschwebt. Es geht jetzt und auf Dauer in der Bildenden Kunst – ausgelöst durch eine in sich nicht konsistente Forderung der Europäischen Kommission – um die Einheit von Museen, Sammlern, Künstlern, Galeristen und Kunsthändlern, die ihren symbolischen und konkreten Ausdruck in einer Zahl findet: 7%.

Galerie Klaus Gerrit Friese

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Thomas Grünfeld, misfits (Schwan/Gnu) 2001,Taxidermie, Holz, 180 x 150 x 70 cm

 

Thomas Grünfeld. Über

Thomas Grünfeld, 1956 in Opladen geboren, lebt und arbeitet in Köln. Er studierte von 1978-1982 an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, Ende der 1990er lehrte er am Goldsmiths College in London, 2004 erhielt er eine Professur für Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf.

Das Werk Thomas Grünfelds ist gekennzeichnet durch strikt voneinander getrennte, konzeptuelle Serien, in denen er sowohl Themen als auch Materialien bearbeitet. Werkgruppen, die ab 1986 entstanden sind – Tabletts, Röcke, Polster, Gummis, dye-transfer, Augenbilder und Filze. Ab 1990 entstanden die misfits, Tierpräparate, die jeweils aus verschiedenen Tierarten zusammengesetzt wurden.

Die Arbeiten Thomas Grünfelds stehen in den  Spannungsfeldern von Malerei und Bildhauerei, von Gegenständlichkeit und Abtraktion, von Natur und Künstlichkeit. Humorvoll, skuril, vor allem aber absolut treffsicher bei der Auswahl seiner Themen und Motive, zeigen seine Arbeiten eine beeindruckende Vielschichtigkeit und Ambivalenz.

Seine Arbeiten wurden in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt.

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Michael Langer

Sprechblasen und Zerrbilder

3. April bis 2. Mai 2012

Eröffnung  3. April 2012   18.00 – 22.00

Galerie Klaus Gerrit Friese, Rotebühlstraße 87, 70178 Stuttgart

Mit auffallender Konsequenz betrieb Michael Langer in den Jahren von 1965 bis 1969 seine Malerei als Konzept und Experiment zugleich: In diesen Jahren entstanden, neben vielen Gouachen und Grafiken, die 120 Ölbilder, die eine erstaunliche Originalität und Eigenständigkeit aufweisen. Nach zunächst noch zurückhaltenden, erzählerischen Versuchen in den 50er Jahren, setzt Langer ab den 60er Jahren populäre Chiffren, triviale Details und Geschlechtersymbole grell ins Bild. Er verwendet Stilmittel der Pop Art, sucht die Direktheit, mit dem Ziel, gegen die Unverbindlichkeit des Informell vorzugehen.

Wie Horst Antes, Konrad Klapheck oder der mit ihm befreundete Uwe Lausen, setzt Michael Langer an zu einer Gratwanderung zwischen Abstraktion und Konkretion.

Den Höhepunkt seiner Malerei stellen die Serien der „Sprechblasenbilder“ und  der „Zerrbilder“ dar, in denen es Langer gelingt, dass Gegenstand und Malerei sich gegenseitig relativieren. Michael Langer spricht selbst von einem „Absurden Realismus“.

1965, Öl auf Leinwand, 169 x 119,5 cm

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Interview mit Marc Bijl von Adnan Yildiz

 

Ausstellungsansicht: Marc Bijl "never trust a rebel", Galerie Reinhard Hauff, Stuttgart, 2012

 

 

ADNAN YILDIZ: Mich interessiert, wie du eine malerische Sprache der Abstraktion entwickelst, wie sie zum Bespiel klar in deiner Einzelausstellung in der Galerie Reinhard Hauff erkennbar ist durch die Verwendung der Farbe als Material, nämlich Schwarz und Silber sowie Beton und Sprayfarbe …

MARC BIJL: Teilweise kommt diese malerische Sprache aus dem Graffiti, teilweise aus der Tradition der so genannten ‘Murals’. Das sind aktivistische Wandmalereien, die manchmal eine Text-Message haben. Mir ist aufgefallen, dass diese Form, diese politischen Texte oder unlesbaren Graffiti-’Tags’ selbst schon ein bestimmtes Schwarz/Weiss-Denken zeigen. Dass sie eine Art Logo von bestimmten Gedanken sind, die früher in meinem Leben einmal interessant waren. Für oder dagegen, links oder rechts, Trust oder Rebel. Ich wollte diese abstrakten Strukturen in klaren Malereien zeigen.

AY: Ich glaube, in deinen Arbeiten sind Malewitsch und Rothko nicht nur formale Bezugspunkte, sondern du spielst, indem du sie reproduzierst, auch mit ihrem kunsthistorischen Rang und ihrem Marktwert. Du irritierst den Betrachter, indem du diese Ikonen der Moderne wie Logos einsetzt…

MB: Sicher, aber ich finde diese Künstler (wie Josef Albers, Franz Kline, Mark Rothko und Malewitsch) auch wirklich interessant. Die Arbeiten sind – neben dem Fakt, dass es sich bei den Vorlagen um Stilikonen der Moderne handelt – auch eine Hommage an die Künstler. Diese haben versucht, ihre utopischen Gedanken und die Suche nach Spiritualität in einer abstrakten Form auszudrücken und dabei selbst nicht an ihren Marktwert gedacht. Es handelt sich daher eher um eine Kritik an dem heutzutage unentspannten Kunstbetrieb. Man scheint heute vergessen zu haben, dass große Künstler früher nicht unbedingt die meist gehypten Künstler waren, sondern eher Außenseiter, Underground-Figuren in ihrer Zeit. Vielleicht ist das aber auch nur meine romantische Sichtweise.

AY: Die aktuelle Einzelausstellung in der Galerie Reinhard Hauff setzt den Schwerpunkt auf Malerei. Dazwischen befindet sich eine Arbeit, die aus zwei bearbeiteten Spiegeln besteht und sozusagen die Stille der Malerei durchbricht. Ich erinnere mich daran, dass deine früheren Arbeiten vor allem als Mixed Media – Installationen angelegt waren. Ist diese Ausstellung nun für dich eine weitere Stufe der Abstraktion oder hast du sie auf diese Weise besonders für eine Galerie zugeschnitten?

MB: Ich bin im Moment mit Malereien beschäftigt, es war also logisch, diese auch als solche auszustellen, dh. alle in einem Raum. Wobei mich das Medium ‘Malerei’ auf diese Art und Weise doch an Graffiti und politische Wandmalerei erinnert. Es war also auch eine konzeptuelle Entscheidung, diese Malereien so – ohne viel Theater – zu zeigen. Grundsätzlich arbeite ich in verschiedenen Medien, auch mit Interventionen oder Installationen. Die Arbeit, der Raum und der Moment müssen aber immer zusammenpassen… In der Galerie Reinhard Hauff hatte ich die Idee einer reinen Malerei-Ausstellung, so etwas habe ich vorher noch nie gemacht!

AY: Was inspiriert dich in deiner Arbeit?

MB: Urbanes individuelles Leben gegenüber spirituellen Fragen.

AY: Wie ist dein Atelier aufgebaut?

MB: Chaotisch.

AY: Wo befindet es sich?

MB: In Berlin Kreuzberg.

AY: Wie arbeitest du in deinem Atelier?

MB: Langsam, dann wieder ganz schnell und chaotisch. Wenn ich die Hilfe von einem Assistent habe, geht es besser.

AY: Wie gestaltet sich der Arbeitsprozess in deinem Atelier?

MB: Chaotisch, ich denke und philosophiere im Büro oder kämpfe zuhause im Arbeitsraum.

AY: Kannst du etwas über die Bedeutung des Ateliers für deine Arbeit sagen?

MB: Ich habe ein großes Atelier, sehe es aber als Arbeitsplatz. Ich bin ein Künstler, der gerade nicht viel im Atelier sein will, weil es für mich Arbeit bedeutet. Ich komme dorthin, um Sachen zu ‘erledigen’, zu kämpfen, zu rauchen, zu malen und zum Bildhauen. Sehr klischeehaft, wie ein echter Künstler. Das schaffe ich aber nicht einen ganzen Tag lang. Den Rest des Tages denke ich nach, recherchiere und lese, am liebsten nicht in meinem Studio….

www.reinhardhauff.de


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